Erste Hilfe im Flugzeug

Ist ein Arzt an Bord?

Bei einem medizinischen Zwischenfall im Flieger ist immer häufiger auch ein Arzt an Bord.
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Bei einem medizinischen Zwischenfall im Flieger ist immer häufiger auch ein Arzt an Bord.

Wenn in 10.000 Metern Höhe der Körper versagt, sind Fürsorge und Ersthelferwissen der Stewardessen gefragt. Immer häufiger findet sich ein Mediziner im Flieger.

Für Fluggäste ist es eine Horrorvorstellung: Sie müssen mit ansehen, wie sich ein Mitpassagier vor Schmerzen krümmt, wie er leidet und im schlimmsten Fall sogar stirbt. Dass Menschen an Bord ihr Leben lassen, kommt zum Glück eher selten vor. Weltweit sollen es jährlich etwa 4000 Tote sein; die Lufthansa berichtet von 12 Fällen bei sich. Die Durchsage „Ist ein Arzt an Bord?“ dürfte allerdings jeder Vielflieger schon gehört haben. Statistisch erleben Reisende bei jedem 24. Fernflug einen medizinischen Zwischenfall; pro Tag sind es insgesamt 125. Weil die Reisenden jedoch immer älter werden, steigt diese Zahl an. Das Spektrum reicht von Erbrechen und Durchfall über Ohnmachten bis zur Blinddarmentzündung. Die Lufthansa berichtet von Herz-Kreislauf-Problemen als häufigster Ursache für Notfälle (42 %), gefolgt von Magen-Darm-Erkrankungen (33 %).

Nicht überall sind Ärzte zur Hilfe verpflichtet

Einer groß angelegten Studie der US-Universität Pittsburgh zufolge, die fast 12.000 medizinische Notfälle an Bord untersucht hat, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Arzt unter den Passagieren ist, bei knapp 50 %. Die deutschen Fluggesellschaften berichten davon, dass sogar in 80 % ein Mediziner zur Stelle ist. Allerdings gilt je nach Herkunftsland der Airline unterschiedliches Recht: Während etwa in Deutschland oder Frankreich Ärzte zur Hilfe verpflichtet sind, ist dies in England oder Amerika nicht der Fall. Allerdings gilt fast immer: Ärzte, die helfen, sind über die Fluggesellschaften versichert, sofern sie nicht grob fahrlässig handeln. Experten sprechen vom „Gesetz des barmherzigen Samariters“. Nicht immer sind Erkrankungen schuld, welche die Passagiere bereits mit an Bord bringen. Für Probleme kann auch die besonders dünne Kabinenluft sorgen: Ihr Sauerstoffdruck entspricht dem, der sonst auf einer Höhe von 2500 Metern herrscht. Das bedeutet mehr Arbeit für Herz und Lunge – für Reisende mit schwachem Kreislauf möglicherweise heikel. Aber auch die trockene Luft kann demjenigen Schwierigkeiten machen, der nicht regelmäßig trinkt. Auf Notfälle vorbereitet sind auch die Stewardessen. Während beispielsweise bei Lufthansa allein Ärzte Zugriff auf das verplombte „Doctor’s Kit“ mit sensiblen Medikamenten haben, nutzt die Crew das „First Aid Kit“. Fast immer wird der Blutdruck gemessen, oft werden Arzneien gegeben oder der sogenannte Fliegersauerstoff verwendet: zusätzlicher Sau- erstoff, der eigentlich für die Crew im Falle eines plötzlichen Druckabfalls vorgesehen ist. Die meisten Airlines (in den USA ist es Pflicht) haben bei Langstrecken zudem einen Defibrillator an Bord. Reanimationen sind aber selten; meist wird mit dem Gerät nur ein EKG geschrieben. Bei etwa 1400 Flügen im Jahr ist eine Zwischenlandung nötig, um das Leben des Fluggasts zu retten. Darüber entscheidet zwar allein der Kapitän der Maschine – das Votum des Arztes an Bord dürfte für ihn jedoch ein erhebliches Gewicht haben.

So überstehen Sie Langstreckenflüge

Vorbelastete Personen etwa mit Herz-Kreislauf-Leiden, Epilepsien, chronischen Krankheiten (etwa Diabetes) oder Psychosen sollten sich in jedem Fall vorher von Ihrem Arzt untersuchen lassen. Beratung kann – wegen der Zeitverschiebung – auch nötig sein, wenn zu bestimmten Zeitpunkten Medikamente eingenommen werden müssen.Bewegung ist auf Fernstrecken unumgänglich. Ab und zu im Flieger herumzulaufen ist hilfreich – auch wenn es Mitpassagiere und die Crew oft nicht gern sehen. Gymnastische Übungen für Beine und Füße finden sich in praktisch allen Bordmagazinen.Trinken nicht vergessen! Als Merkregel gilt: pro Stunde etwa 0,1 Liter Flüssigkeit, am besten Wasser. Auf Alkohol besser verzichten, denn er trocknet den Körper zusätzlich aus.Kleidung sollte nicht zu dünn sein und die Haut an Armen und Beinen bedecken. Alternativ sind Decken gut, welche die meisten Airlines anbieten. Ansonsten besteht wegen der Klimaanlage die Gefahr einer Erkältung.

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