Erfahrungsbericht

Medizin-Check für Führungskräfte

BizTravel

Ultraschall, EKG, Doppler, Isometrie, Bluttest, Sportberatung: Einen Tag lang unterzog sich BizTravel-Chef Oliver Graue in Marburg einem Medizin-Check für Führungskräfte.

Das, was Stefanie Schmidt sagt, passt so gar nicht zu ihrem fröhlichen Gesichtsausdruck. Und doch ist es beruhigend – mit Blick auf kommende Ereignisse. Für mich jedenfalls. „Die Blutabnahme ist für viele das Unangenehmste“, sagt die junge Frau und lächelt mich an. Wenn es mehr nicht ist! Ein kleiner Stich in den linken Unterarm fürs große Blutbild. Bitte schön! Wenn der restliche Tag schmerzarm verläuft, dann bin ich gern bereit dazu.Montagmorgen, acht Uhr. Ich sitze auf einer Liege im Wellness-Bereich des Hotels Vila Vita Rosenpark in Marburg. Gedämpftes Licht, in mediterranem Gelb schimmernde Kacheln. Der Pikser war der Worte nicht wert, und Stefanie Schmidt hat mir längst die Blutdruckmanschette umgelegt: „140 zu 80, das ist okay.“ Im Nebenraum erwartet mich der Internist Karl-Heinz Westermann: mit einer Art unförmiger Rolle in der Hand, die per Ultraschall Bilder meiner Leber, Niere, Milz und Schilddrüse erzeugt.

Termine am laufenden Band

Teil eins meiner Vorsorgeuntersuchung heute in Marburg ist erledigt – noch vor dem Frühstück. „Gesundheits-Check für Führungskräfte und Leistungsträger“, so nennt Uwe Happel, Gründer und Chef des Marburger Medizinischen Versorgungs-Zentrums (MMVZ), das Programm. An maximal eineinhalb Tagen durchlaufen Manager internistische, kardiologische, orthopädische und weitere Untersuchungen, die ein umfassendes Bild von ihrem Gesundheitszustand abgeben. „Im Alltag müssten dafür zig Termine vereinbart und lange Wege von Facharzt zu Facharzt in Kauf genommen werden“, erklärt Happel: „Bei uns geht das ohne Wartezeiten. Und in einem Abschlussgespräch erfährt der Gast, was ihm fehlt und welche Therapien eventuell nötig sind.“ Die Kontakte zu Fachärzten stellt der 52-Jährige sofort her, damit es im Falle des Falles schnell weitergeht.Dass Happel von „Gästen“ statt von „Patienten“ spricht, hat mehrere Gründe. Zum einen sind die Menschen, die sich im MMVZ auf Herz und Nieren testen lassen, nicht krank: Ihr Arbeitgeber schickt sie und investiert dafür etwa 1250 Euro. Zum anderen leben sie während ihres Check-up im Fünf-Sterne-Hotel. Den Vorabend können sie in den Wellness-Einrichtungen des Vila Vita verbringen, in der Orientalischen Dampfsauna oder im Rosenduft-Rondell. Der Tag danach lässt sich zum Meeting in einem der 15 Tagungsräume des Hotels nutzen.

Erst der Rücken, dann die Organe

Genau 45 Minuten habe ich Zeit zum Frühstücken. Anlassbedingt darf es heute etwas weniger Wurst und dafür mehr Obstsalat sein. Ob’s noch was bringt? Per Shuttle geht‘s zu weiteren Untersuchungen ins MMVZ. Es läuft wie am Schnürchen. Wir – das sind zwölf Frauen und Männer, die heute an der Reihe sind – treffen uns zwar immer wieder im Wartezimmer, Zeit zum ausgiebigen Plausch haben wir aber kaum. Termin beim Orthopäden Konstantinos Lappas, der sich intensiv mit Rücken, Wirbelsäule, Knien, Füßen, Händen, Schultern beschäftigt. Danach in den Kraftraum, wo meine isometrischen Fähigkeiten im Fokus stehen. Eingeklemmt in Geräte muss ich mich mit ganzer Kraft mal nach rechts, mal nach links lehnen.

„Könnte besser sein“, verrät mir Lappas abschließend. Mehr Sport? Fitness-Studio? Rückentraining? Abnehmen? Viermal lautet die Antwort „ja“. Ich hab’s befürchtet. Dann sofort zum Herzspezialisten Professor Bernd Noll. Auf dem Programm stehen Körperfettanalyse und Lungenfunktionstest, bei dem ich mir wie ein Verkehrssünder vorkomme: ins Röhrchen pusten. Anschließend auf den Hometrainer, 15 Minuten strampeln, immer steiler bergauf, voll verkabelt mit dem EKG, alle 2 bis 3 Minuten Blutdruck- und Pulsprobe. Gerade will ich erschöpft im Wartezimmer Platz nehmen, höre ich wieder meinen Namen: auf zum Herz- und Halsschlagader-Ultraschall!

Intensives Abschlussgespräch

Vor dem Abschlussgespräch mit Professor Noll ist dann doch Zeit für einen Snack – Banane, Apfel und Fruchtjoghurt. Denn jetzt wird ausgewertet und analysiert. Die gute Nachricht gegen 14 Uhr: Ich bin zwar gesund, die eine oder andere Kleinigkeit „sollte sich dennoch mal ein Facharzt genauer anschauen“, rät mir Noll, in dessen Praxis ein riesiger Wimpel des Erstligisten Schalke 04 hängt.

So läuft der Check-up ab

Am Vortag: Anreise ins Vila Vita Rosenpark. Zu empfehlen ist ein Bummel durch die Marburger Fachwerk-Altstadt. Am Abend Wellness im Hotel (Saunen und Pool).Um 7 oder 8 Uhr morgens beginnt der Check-up mit EKG, Ultraschall und Blutabnahme im Hotel. Danach Frühstück.Ab 8.45 oder 9.45 Uhr orthopädische und internistische Untersuchungen im MMVZ, auf Wunsch danach urologische Untersuchung und/oder Augenarzt. Jeweils Abschlussgespräche mit den Ärzten und im Anschluss Sport- und Ernährungsberatung. Ende gegen 17 Uhr. Shuttle ins Hotel, evtl. eine weitere Übernachtung im Vila Vita.Infos: E-Mail an info@mmvz.de

Zwölf MMVZ-Besucher hat sich Noll heute angeschaut, da bleibt für jeden Einzelnen genügend Zeit für ein ruhiges und ausführliches Gespräch. Ein kompletter schriftlicher Bericht folgt zwei Wochen später per Post. Im MMVZ arbeiten sieben Ärzte, fünf Physiotherapeuten und Ernährungsspezialisten. Hinzu kommt ein „Netzwerkverbund“, wie es MMVZ-Chef Happel nennt: neun Mediziner, die bei Befunden weiter diagnostizieren. Happel selbst arbeitete als selbstständiger Physiotherapeut, bevor er 2005 das Zentrum eröffnete.Die weitaus meisten Check-up-Gäste kommen von der Deutschen Vermögensverwaltung: Über 1000 Mitarbeiter sendet der Familienbetrieb jedes Jahr zur Kontrolle nach Marburg. Auch aus Eigennutz: „Fällt ein Leistungsträger längere Zeit aus, weil er schwer erkrankt ist. wird das fürs Unternehmen schnell teurer als die 1250 Euro, die der Check-up kostet“, sagt Happel.Ohne Eigenverantwortung geht es aber nicht. „Manager vernachlässigen ihren Körper und gehen nur selten zum Arzt“, berichtet Happel: „Das ist gefährlich, da Stoffwechselerkrankungen schleichend daherkommen, Vorsorge also nötig ist.“ Der Check-up ist ein Anstoß – den Lebensstil ändern muss hingegen jeder selbst. Peter Klein, der seit zehn Jahren als Sportwissenschaftler beim MMVZ arbeitet, redet mir am Ende des Tages ins Gewissen. Detailliert erklärt er mir, was ich häufiger und was ich weniger essen sollte und entwirft mit mir und für mich einen individuellen Bewegungsplan. Und der klingt gar nicht mal so grausam.

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