Burn-Out-Syndrom

Fertig mit der Welt

iStockphoto

Schwere Erschöpfung und Depression. Burn Out ist längst mehr als ein Modewort. Besonders Manager im mittleren Segment leiden daran. So deuten Sie die Anzeichen richtig.

Angst um den Arbeitsplatz

„Die Zahl der Menschen mit Erschöpfungssyndromen wächst rasch“, sagt Professor Michael Stark, Chefarzt des Westklinikums Hamburg. „Besonders risikoreich ist es jetzt in der Krise, wo viele Angst um ihren Arbeitsplatz haben.“ Der Begriff Burn Out (ausbrennen) wurde 1974 vom deutschen Psychoanalytiker Herbert Freudenberger geprägt. Symptome zeigen sich nervlich und körperlich. Reizbarkeit und innere Leere zählt Stark ebenso dazu wie Herzklopfen und Magenprobleme. „Selbst im Urlaub fühlt man sich wie ein Hamster im Rad.“ Am Ende stehen Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Gefährdet sind Menschen, „die meinen, ständig Leistung zeigen zu müssen, um anerkannt zu werden“, beschreibt Stark den so genannten Typ A. Aber auch äußere Ursachen sind möglich – mangelnde Transparenz am Arbeitsplatz bis zu einer allgemeinen Angst: Wann trifft die Krise unsere Firma? „Wir müssen in jedem Einzelfall die Gründe genau erkunden“, sagt Stark. Sein Kollege Professor Burghard Andresen, Chefarzt an der Hamburger Universitätsklinik Eppendorf, hat einen Diagnosebogen mit 240 Fragen entwickelt. „Das Ausfüllen ist zeitaufwändig, man muss es den Mitarbeitern schmackhaft machen“, sagt er. Doch Uwe Gerecke, Betriebsarzt der Stadtwerke Hannover, hat gute Erfahrungen gemacht. Der Vorstand willigte ein, dem Betriebsrat wurde Schweigepflicht versichert. 86 Prozent der Beschäftigten machten mit. In Teams wurden die Ergebnisse besprochen. Bilanz: „Viele Kollegen fühlen sich von ihren Vorgesetzten unzureichend informiert“, erklärt Gerecke. Seither schult das Unternehmen seine Führungskräfte, und Beschäftigten wird eine Vielzahl von Angeboten gemacht: vom Stressmanagement-Kursus bis zur einwöchigen Kurzzeittherapie. „Natürlich sind wir als Stadtwerke privilegiert, kleinere Firmen können sich das nicht leisten“, räumt Gerecke ein. Aber etwas anderes schon: Seit neuestem gibt es im Konzern einen Entspannungsraum – weil jeder Mitarbeiter auf einen Quadratmeter Platz verzichtete.

Kundendruck oft sehr hoch

Es gibt weitere Ursachen. So ist für Professor Ulf Kadritzke von der Berliner Fachhochschule die heutige Flexibilität im Job oft nur eine Scheinflexibilität. „Die meisten Mitarbeiter sind von den Anforderungen externer und interner Kunden abhängig“, sagt er. Geschäftsreiseplanern ist das vertraut: Gerade sie stehen ständig im Spannungsfeld von Reisenden als ihren internen Kunden, Management und Leistungsanbietern. Hinzu kommen unklare Erwartungen der Vorgesetzten, hoher Termin- und Leistungsdruck. Und: Kollegen, die engagiert und mit Leidenschaft bei der Sache sind, stellen für ihre Chefs zwar einen echten Glücksfall dar. Doch wer sich selbst auf Dauer ausquetscht, dem bleibt am Ende keine Zeit mehr zum „Ausatmen, zum Entspannen“, so Kadritzke. Die aber ist das beste Rezept gegen Burn Out. „Natürlich wirkt gute Arbeit anti-depressiv“, betont Betriebsarzt Gerecke Sie sollte aber nicht alles sein. „Wir haben ein Seelen-Energiefass – das ähnelt dem Benzintank beim Auto“, erklärt Stark. „Wenn der Tank beim Auto leer ist, dann leuchtet ein rotes Licht auf, und wir fahren zur Tankstelle. Privat hingegen missachten wir das Warnlicht.“ Der benötigte „Sprit“ findet sich auch in Freizeit, Familie und Sport. „Viele müssen erst wieder lernen zu genießen.“ Sagt Stark – und schwärmt vom „tollen Wellnessbereich im Falkenstein“. Keine Werbung, sondern Tipp: In dem bei Frankfurt gelegenen Hotel fand der Burn-Out-Kongress statt.

Das führt zu Burn Out

Persönliche Gründe: außergewöhnlich hohes Engagement, verbunden mit geringer Wertschätzung seitens des Arbeitgebers, hohes Bedürfnis nach Anerkennung durch andere, Unzufriedenheit mit eigener Leistung, mangelndes Stress-Management. Arbeitsplatz: strenge Hierarchien, extremes Konkurrenzdenken, großer Termin- und Leistungsdruck, mangelnde Transparenz der Arbeitsstrukturen, fehlende Wertschätzung. Allgemeine Gründe: Angst vor Arbeitslosigkeit und vor der Zukunft, zu wenig Zeit für Hobbys, Familie, Freunde und Sport, mangelnde Fähigkeit zu genießen und sich gehen zu lassen.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats