Wissen für Tagungsplaner und Travel Manager

Zertifizierte Business-Hotels

Sterne, Siegel oder Internet-Bewertungen: Wem sollen Firmen glauben, wenn sie eine geeignete Tagungsstätte oder ein gutes Seminarhotel suchen?

Gewusst wohin? Keine ganz einfache Frage, wenn es ums passende Business-Hotel geht. Schließlich haben Geschäftsreisende oder auch Tagungsplaner spezielle Anforderungen an „ihr“ Haus: Funklöcher und fehlende W-LAN-Zugänge sind ebenso eklatante Mängel wie zu geringe Lichtstärke und schlechte Matratzenhygiene. Hinzu kommen die korrekte Ausweisung der Hotelrechnung und die Lage. Natürlich gibt es nützliche Entscheidungshilfen. So vergibt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband einen bis fünf Sterne aufgrund von 270 Kriterien – allerdings richtet sich das Schema eher an den Bedürfnissen normaler Urlauber aus.

Für Urlauber, nicht für Tagungsplaner

Bei vielen Online-Portalen wiederum erfolgen die Gästebewertungen nach Punkten, angereichert durch persönliche Kommentare der Nutzer. Diese jedoch sind nicht nur mühsam zu lesen, sondern oft auch höchst widersprüchlich. Und nach wie vor sind sie häufig gefälscht. „Bis zu ein Drittel der Bewertungen sind Fakes“, schätzt beispielsweise der Touristikexperte Roland Conrady von der Fachhochschule Worms.

Auch für Peggy Gabriels Kollegen Olaf Lehmann, Travel Manager beim Pharmaunternehmen Grünenthal, sind Internet-Bewertungen daher ebenso wenig aussagekräftig wie Sterne. Lehmann kommt es vor allem auf Lage und Anbindung des Hotels an: Sind Geschäftstermin oder Meeting schnell zu erreichen? „Bei uns führen persönliche Erfahrungen, also ein internes Feedback, zu einer richtigen Entscheidung“, sagt er. Manche Firmen haben gar eine Datenbank aufgebaut, in der Geschäftsreisende nach jedem Business-Trip ihre Erfahrungen niederschreiben. Ein Rot-Gelb-Grün-Raster gibt eine Grobbewertung, und wer nähere Angaben wünscht, liest dann die Kommentare.

Ein Aufwand, den nicht jedes Unternehmen leisten kann. Für viele Betriebe bleiben daher die Sterne eine Art „objektiver Anker“, wie es Markus Luthe, Chef des Hotelverbands Deutschland (IHA), formuliert: „Für Travel Manager sind sie eine Erkennungsmelodie, aber sicher noch keine Symphonie.“

Als besonders hilfreich gilt für etliche Unternehmen das vom VDR vergebene Siegel „Certified Business Hotel“. Seit genau einem Jahr unternimmt die Prüffirma BTME (Business Travel Meetings Events) die Zertifizierungen im Auftrag des Verbands: Nach bestandener Prüfung gibt es das Siegel. „Laut aktueller Umfragen treffen wir mit dem Certified Business Hotel den Nerv der Geschäftsreisenden“, wirbt Till Runte, BTME-Geschäftsführer: „Denn diese Reisenden wollen auch vor oder nach Geschäftsterminen im Hotel arbeiten können. Das decken wir ab mit Kriterien wie ausreichende Arbeitsfläche, gute Beleuchtung, Stromversorgung am Schreibtisch, Handy-Erreichbarkeit und W-LAN.“

Extra Kriterien für Tagungen und Konferenzen

Aber auch Aspekte wie die Matratzenhygiene – hier werden Nachweise einer regelmäßigen Reinigung verlangt – spielen eine Rolle. Dabei hat der VDR seine Prüfkriterien gerade erst aktualisiert. Neue Mobilfunknetze wie Vodafone, O2 und E-Plus wurden aufgenommen, und W-LAN zumindest im öffentlichen Bereich ist Pflicht.

Das Seminarhotel mit Sternchen

Ein bis fünf Sterne: Die Landesverbände des Dehoga klassifizieren seit 1996 Hotels nach dem Sterne-Prinzip. Die Prüfung ist freiwillig; zur genauen Unterscheidung gibt es die Bezeichnungen „garni“ (nur Frühstück) und „S“ für „Superior“ (höhere Qualität). Die Kriterien und damit die Sterne-Vergabe reichen von einer Unterkunft für einfache Ansprüche, Zimmer mit Dusche/WC (1 Stern) bis zu Unterkünften für höchste Ansprüche (5 Sterne) mit 24-Stunden-Rezeption und mehrsprachigen Mitarbeitern.

Beispiel: vier Sterne: Nötig hierfür sind: 18 Stunden Rezeption besetzt, 24 Stunden erreichbar, Lobby mit Sesseln, Frühstücksbüfett oder Karte mit Room-Service, Sessel mit Beistelltisch, Bademantel, Hausschuhe auf Wunsch, Kosmetikartikel, große Ablagefläche im Bad, Internet-Zugang.

Alle Kriterien: www.hotelsterne.de

Als Prüfer fungieren ausschließlich Profis aus dem Geschäftsreise-Bereich. Insgesamt 23 Praktiker kommen zum Einsatz, darunter renommierte Tagungsplaner, Travel- und Eventmanager wie Marcus Nowara (Siemens), Annette Trautmann (ZF Friedrichshafen), Thomas Ansorge, Bettina Zimmer (SAP) und Holger Leisewitz (Beiersdorf). Einen ganzen Tag lang nehmen sie Zimmer, Parkplätze und Treppenhäuser genau unter die Lupe.

Ähnlich verhält es sich bei dem zweiten wichtigen Siegel, das gemeinsam von VDR, der Vereinigung Deutscher Veranstaltungsorganisatoren, dem German Convention Bureau und der Deutschen Gesellschaft für Verbandsmanagement vergeben wird: „Certified Conference Hotel“. Für jeden Konferenzraum fertigen die Prüfer ein Datenblatt an, auf dem Aspekte wie Helligkeit, Schalldichte, Deckenhöhe oder Lage von Steckdosen und Starkstromanschlüssen vermerkt sind. Insgesamt 73 Kriterien gilt es zu erfüllen. Allein Chefprüfer Holger Leisewitz hat bereits 150 Hotels unter die Lupe genommen – mit „erstaunlich niedriger Durchfallquote“, lobt er die Qualität in der deutschen Hotellerie.

Einziger Nachteil: Bislang verfügen erst jeweils etwa 300 Hotels über die Siegel – immerhin kosten sie um die 1000 Euro. Manchmal bleibt Firmen also doch nur der Blick auf Sterne und Gästekommentare wie die von Anika, Oli oder „Bärchen46“. Dass die aber nicht der Weisheit letzter Schluss sind, sollten Buchende immer im Auge behalten.

Darauf gebe ich Dir Brief und Siegel!

Certified Business Hotel: Das Siegel ist ein vom Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) eingeführtes System zur Zertifizierung von Hotels, die über den Partner BTME erfolgt. Mit dem Gütesiegel Certified Business Hotel können Geschäftsreisende und Travel Manager auf einen Blick ein Business Hotel erkennen, das ihren Bedürfnissen entspricht.

Kriterien: Der VDR entwickelte einen Prüfungskatalog mit insgesamt 60 Kriterien, die Professionalität in Ausstattung und Dienstleistung garantieren sollen. Gerade erst wurde dieser Katalog aktualisiert. Kriterien sind zum Beispiel: Internet-Zugang, Mobilfunkerreichbarkeit, 24 Stunden lang geöffneter Parkplatz, helle Ausleuchtung der Arbeitsfläche im Zimmer und nachgewiesene Einhaltung der Matratzenhygiene. In Deutschland verfügen gut 300 Hotels über das Siegel. Sie zahlen 670 Euro Nutzungsgebühr pro Jahr und 300 Euro Prüfungsgebühr. Alle drei Jahre testet der VDR neu. Eine komplette Liste mit den Hotels: www.vdr-service.de

Tagungshotels: Das Pendant im Tagungsbereich heißt „Certified Conference Hotel“. Vergeben wird das Siegel, das gut 260 Häuser tragen, von VDR, GCB, Verbände-Vereinigung und Veranstaltungsplaner.de.

Grüne Hotels: Ganz neu ist das Siegel „Certified Green Hotel“, das bislang 18 Häuser bekommen haben, die ökologisch besonders nachhaltig wirtschaften. Es lässt sich als Zusatzmodul zu den Siegeln „Certified Business“ oder „Certified Conference Hotel“ erwerben. Alle Informationen zu den Siegeln: www.btme.de

Erst mal gucken, was die anderen schreiben

Urlauberportale: Nur vage Entscheidungshilfen können Bewertungsportale wie Holidaycheck, Hotelkritiken.de, Tiscover oder Trivago bieten. Denn sie wenden sich vor allem an Urlaubs- und nicht an Geschäftsreisende. Bei einem „Überfliegen“ der Kommentare lassen sich höchstens sehr grobe Richtungen herauslesen.

Hotelportale: Besser geeignet sind die Punkte-Bewertungen auf Hotelbuchungsportalen wie HRS, hotel.de, ehotel oder booking.com. Hier werden Geschäftsreisende meist gesondert erfasst, zudem sind die Bewertungen nach bestimmten Kriterien sortiert und die Kommentare eher kurz. ehotel kooperiert mit Tripadvisor. Bei HRS, hotel.de, ehotel und booking.com etwa können jeweils bis zu 10 Punkte vergeben werden. Hotels im Bereich zwischen 8 und 10 erfüllen eine sehr hohe Zufriedenheit.

Vorsicht: Um sich vor möglichen Manipulationen zu schützen, sollten Nutzer darauf achten, dass mindestens 200 Gäste über das Haus abgestimmt haben. Experten schätzen, dass bis zu 35 Prozent der Bewertungen im Internet gefälscht sind – sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht.

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