Umfrage

Jede fünfte Geschäftsreise wird digital ersetzt

Das Berliner Hotel Sofitel am Kurfürstendamm musste bereits Insolvenz wegen Corona anmelden: Der Branche brechen die Geschäftsreisen weg, die für 66 Prozent aller Übernachtungen sorgen.
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Das Berliner Hotel Sofitel am Kurfürstendamm musste bereits Insolvenz wegen Corona anmelden: Der Branche brechen die Geschäftsreisen weg, die für 66 Prozent aller Übernachtungen sorgen.

Der Beratungskonzern Morgan Stanley hat 200 Travel Manager in den USA, Asien und Europa befragt. Vor allem den Hotels bricht damit ein großer Teil ihres Geschäfts weg.

Etwa die Hälfte der befragten Travel Manager sitzt in den USA, jeweils ein Viertel in Asien und Europa. Die Umfrage wurde mit Blick auf das Hotelsegment vorgenommen, da laut Morgan Stanley die Hotelbranche im weltweiten Schnitt zwei Drittel ihres Umsatzes mit Geschäftsreisen macht.

Dem Umfrageergebnis zufolge werden aufgrund der Corona-Pandemie im kommenden Jahr noch etwa 31 Prozent aller Dienstreisen virtuell vorgenommen: Die Unternehmen rechnen damit, dass weiterhin nicht überall hin gereist werden kann. Langfristig und mit Sicht auf 2022 werde sich der Anteil der digitalen Reisen aber bei 19 Prozent enpendeln, sagten die Travel Manager.

Massive Folgen für die Hotels

Im Einzelnen erwarten für 2021 gut 54 Prozent der Befragten eine Verlagerung von 21 bis 40 Prozent der bisher persönlich vorgenommenen Reisen ins Netz. Für 2022 hingegen, wenn wieder mehr echte Reisen möglich sind, glaubt die Mehrheit an einen Wert von 11 bis 30 Prozent, der digital stattfindet.

Das habe massive Auswirkungen auf die Hotellerie. Da sie gut 66 Prozent ihrer Einnahmen nicht mit Urlaubern erziele, sondern mit Geschäftsreisenden, breche ihnen ein wichtiger Teil ihrer Einnahmen weg. Morgan Stanley rechnet für 2022 konkret mit einem Rückgang um 13 Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau.

Travel Manager sind aber unsicher

Dennoch bleibt ein Hoffnungsschimmer für die Branche. 41 Prozent der befragten Travel Manager gaben in der Umfrage nämlich zugleich an, dass sie über die mögliche Verlagerung von echten Reisen ins Netz "sehr unsicher" seien. Möglicherweise werde sich die virtuelle Variante doch nicht so stark durchsetzen, wie nun angenommen werde.

In jedem Fall erwarten die Reise-Verantwortlichen in den Unternehmen, dass ihre Geschäftsreisebudgets zunächst auch weiterhin deutlich fallen werden im Vergleich zu 2019. Für das zweite Halbjahr 2020 wird ein Minus von durchschnittlich 54 Prozent angenommen (zum zweiten Halbjahr 2019), für 2021 rechnet man mit einem Rückgang von ingesamt 29 Prozent (zu 2019).

Firmenraten bleiben im Fokus

Im Jahre 2021 würden 24 Prozent weniger Hotelzimmer gebucht als 2019, sagten die Travel Manager. Trotz dieser deutlich fallenden Nachfrage rechnen die Unternehmen dennoch nur mit leicht sinkenden Zimmerpreisen von 2 Prozent. Die ganz große Mehrheit will daher weiterhin am Prinzip der fest ausgehandelten Firmenraten festhalten.

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