Statt Flug

Klimadebatte belebt Nachtzug-Nachfrage

Sie gibt es nicht mehr: die Nachtzüge der DB.
Deutsche Bahn
Sie gibt es nicht mehr: die Nachtzüge der DB.

Der Schlafwagenverkehr ist zwar nur ein Nischengeschäft. Doch die ÖBB will ihn ausbauen, und die SBB denkt über eine Neubelebung nach.

Schon vor 15 Jahren hat man auch in der Geschäftsreisebranche darüber diskutiert: Sind Nachtzüge eine Alternative zum Flug innerhalb Deutschlands oder in einige Städte des benachbarten Auslands? Befürworter argumentierten damit, dass die Beschäftigten ausgeschlafen zur Besprechung kommen – statt mitten in der Nacht aufzustehen, um den 6-Uhr-Flieger zu erreichen.

Durchgesetzt hat sich das Angebot aber nie so richtig. Wegen zu hoher Verluste gab die Deutsche Bahn das Nachtzug-Geschäft denn auch vor wenigen Jahren ganz auf. Die Klimadebatte belebt die Diskussion nun allerdings wieder: Vereinzelt denken auch Geschäftsreisende darüber nach, sich auf die Schiene statt in den Himmel zu begeben. In Schweden, Ausgangspunkt der Greta-Bewegung, handeln bereits einige Unternehmen so.

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die nach dem Aus des DB-Nachtzugs einige Strecken übernommen haben, wollen ihr Netz in jedem Fall erweitern. Ab 2022 würden insgesamt 13 neue Garnituren geliefert, gefahren werden mit Öko-Strom.

Auch die Schweizerischen Bundesbahnen, die diese Sparte bereits vor 10 Jahren aufgegeben hatten, denken über eine Wiederbelebung nach. Grund: das wachsende Klimabewusstsein der Kunden. Die Deutsche Bahn hat hingegen keine Pläne, sich wieder Schlaf- oder Liegewagen anzuschaffen. Diese seien nicht rentabel zu betreiben, da das Nachtzug-Geschäft für höchstens 1% der Fahrgäste interessant sei. Denkbar sei jedoch, dass normale ICE und IC auch verstärkt nachts verkehrten.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Joachim Holstein
    Erstellt 17. August 2019 15:18 | Permanent-Link

    Die Deutsche Bahn klammert sich leider immer noch an den falschen Behauptungen fest, die sie der Öffentlichkeit und dem Eigentümer bis 2015 serviert hat, aber in zwei Anhörungen des Verkehrsausschusses Anfang 2015 und Anfang 2017 zurücknehmen musste. Die immer wieder herausgestellten »1% der Fahrgäste« bezieht sich nur auf diejenigen, die in den Schlaf- und Liegewagen der Nachtzüge unterwegs waren. Etwa genauso viele waren aber in den Sitzwagen der Nachtzüge unterwegs, die von der DB als Intercity vermarktet wurden. Diese Gäste (samt ihrer Ticketerlöse) wurden beim Tagesverkehr verbucht, die Kosten wurden dem Nachtzug angelastet. Die Nachtzüge waren bis zum Schluss voll und gewannen sogar noch Fahrgäste dazu, wie die Bahn in einem »Monitoring« Ende 2016 zugab. Das beweist: Nachtzüge waren für weit mehr als 1% der Fahrgäste »interessant« - die meisten der Interessenten haben allerdings bei der DB zum Schluss keinen passenden Nachtzug mehr vorgefunden: München/Basel/Köln-Kopenhagen, Hamburg/Berlin/München-Paris sind die krassesten Fälle, in denen den Reisenden »ihr« Nachtzug weggenommen wurde.

  2. Thomas
    Erstellt 19. August 2019 10:05 | Permanent-Link

    "Denkbar sei jedoch, dass normale ICE und IC auch verstärkt nachts verkehrten." vs. "Befürworter argumentierten damit, dass die Beschäftigten ausgeschlafen zur Besprechung kommen ..." und sich die Nacht nicht in unbequemen Pullmansitzen um die Ohren schlagen.

    Manchmal ist es ganz einfach zu verstehen. Aber daran sieht man eben, dass im Hintergrund ganz andere Interessen am Werk sind.

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