Starker Rückgang

Innerdeutscher Flugverkehr schrumpft massiv

Innerdeutsche Strecken dienen meist dem Geschäftsreise- oder Umstiegsverkehr.
Pixabay, CC
Innerdeutsche Strecken dienen meist dem Geschäftsreise- oder Umstiegsverkehr.

In der derzeitigen Klimadebatte stehen innerdeutsche Strecken immer wieder in der Kritik. Tatsächlich hat ihre Zahl enorm abgenommen, und eine Rolle spielen sie fast nur noch für den Geschäftsreise- und Umsteigeverkehr.

Mehr als jeder fünfte innerdeutsche Flug ist seit 2004 entfallen. Auf diese Daten aus der SRS-Analyse verweist aktuell der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Damit will er der momentan von Klimaaktivisten verstärkt geäußerten Kritik an diesen Verbindungen entgegentreten. Zuletzt hatten sich vergangene Woche die beiden Kandidaten der großen Parteien zur Europawahl, Manfred Weber (Konservative) und Frans Timmermanns (Sozialisten), für eine Abschaffung der innereuropäischen Kurzstrecken von unter 1500 Kilometern ausgesprochen.

Den Flugplandaten zufolge verzeichnen den stärksten Rückgang die Flüge, die weniger als 400 Kilometer lang sind: Ihr Minus liegt bei 31 Prozent. Um 16 Prozent gingen die Strecken zwischen 400 und 600 Kilometern zurück, um 25 Prozent die über 600 Kilometer langen Routen. Damit machen innerdeutsch fliegende Passagiere nur noch einen Anteil von elf Prozent an allen Fluggästen in Deutschland aus. Die Zahl der Europa-Flüge nahm im selben Zeitraum um 24 Prozent zu, die der Langstrecken sogar um 56 Prozent.

Dabei verteidigt der BDL die derzeitige Notwendigkeit innerdeutscher Flugverbindungen. Denn genutzt würden sie allermeistens von zwei Passagiergruppen. Erstens seien dies die Geschäftsreisenden, die ihren Business-Trip an einem einzigen Tag erledigen müssen, was mit der Bahn bei längeren Strecken in aller Regel nicht möglich ist. Und zweitens handelt es sich um Zubringer zu Drehkreuzen wie Frankfurt oder München, von wo die Passagiere dann ihren Europa- oder Langstreckenflug antreten.

Als Beispiel nennt BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow die am stärksten in der Kritik stehende Strecke zwischen Nürnberg und München: So gut wie niemand nutzt auf dieser Verbindung das Flugzeug, um einfach nur in die jeweilige Stadt zu gelangen. Vielmehr steigen 97 Prozent der Fluggäste in München in eine Mittel- oder Langstrecke um. Wegen der deutlichen Entfernung des Münchner Flughafens vom Hauptbahnhof der Stadt ist die Bahn oft keine Alternative.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Verena Bock
    Erstellt 22. Mai 2019 11:22 | Permanent-Link

    Hallo Herr Graue,

    wie passt hier die gegenteilige Aussage des Artikels "Von wegen Flugscham" veröffentlicht am 22. Mai 2019. Hier wird von + 6% Wachstum Winterflugplan 2018/19 zu VJ Zeitraum gesprochen.
    Oder beziehen Sie sich nur auf ausgewählte Strecken?
    Beste Grüße Verena Bock

  2. Robert WINTER
    Erstellt 22. Mai 2019 12:28 | Permanent-Link

    Die Strecke Nürnberg - München hat eine hohe Notwendigkeit für Umsteiger - der Zug ist vielfach unpünktlich und mit einem Koffer sich vom Gleis 15 bis in die überfüllte S-Bahn im Tiefgeschoss zu quälen welche dann nochmal 50 min - überfüllt und mit Ausfallrisiko der Stammstrecke - zum Flughafen benötigt ist indiskutable. Kunden würden dann einen Zubringer nach Paris und Amsterdam nutzen - ist das dann umweltfreundlicher?

  3. Oliver Graue
    Erstellt 27. Mai 2019 10:35 | Permanent-Link

    Hallo Frau Bock, die Zahlen im obigen Artikel beziehen sich auf SÄMTLICHE innerdeutsche Flugstrecken für den Vergleichszeitraum 2004 bis 2018, es ist also die Langzeitentwicklung. Das 6-Prozent-Plus (sagen Sie mir bitte nochmal, wo und wann Sie den Text gesehen haben?) betrifft möglicherweise einig und allein die Entwicklung in den Winterflugplänen 2018/2019. So würde ich dies derzeit interpretieren. Beste Grüße, Oliver Graue

  4. Verena Bock
    Erstellt 27. Mai 2019 11:58 | Permanent-Link

    Hallo Herr Graue,
    vielen Dank. Die genannte Zahl war in dem Artikel "Von wegen Flugscham" im Tagesspiegel zu lesen.
    Viele Grüße Verena Bock

  5. Leonie Ernst
    Erstellt 28. Mai 2019 14:21 | Permanent-Link

    Eine Ergänzung zum Kommentar von Herrn Winter:

    Auch wenn die Bahn auf der Strecke von Nürnberg nach München Flughafen aus den von Ihnen genannten Gründen tatsächlich oft keine akzeptable Option ist - inzwischen gibt es z.B. auch gute Fernbusverbindungen, die ab dem ZOB Nürnberg ohne Zwischenhalt den Flughafen München ansteuern (und umgekehrt). Diese Alternative habe ich selbst bereits mehrmals genutzt. Natürlich muss man auch hier Zeitpuffer für mögliche Verspätungen auf der Autobahn einkalkulieren, aber komfortabler als die Bahnverbindung und umweltfreundlicher als ein Flug ist die Alternative für diese Strecke allemal.

    Sofern man bereit ist, im Sinne der Umwelt ein wenig an Komfort/Zeit im Vergleich zum Flugzeug abzugeben, ist eine Zubringer-Flugverbindung zwischen den beiden Städten aus meiner Sicht nicht mehr unverzichtbar und die Kritik an der Strecke durchaus berechtigt.

  6. Robert Winter
    Erstellt 28. Mai 2019 15:47 | Permanent-Link

    Hallo Frau Ernst,

    der Fernbus ist sicher eine Alternative, müsste aber deutlich ausgebaut und auf Abflüge in München angepasst werden. Als Beispiel, ich habe im Juni einen Abflug in München um 11:30 Uhr, der Flixbus 09:00 - 10:55 Uhr ist nicht möglich (mind. eine Stunde vor Abflug sollte man schon in MUC sein), die Verbindung um 06:20 - 08:05 Uhr ist dann doch sehr früh ... das Flugzeug in Nürnberg startet übrigens um 09:50 Uhr, abgestimmt auf die Abflüge um die Mittagszeit.

    Ja, man sollte bereit sein für die Umwelt und nachfolgende Generationen etwas zu tun, aber zunächst sind zuverlässige und sinnvolle Alternativen zu schaffen um diese Diskussion zu führen. Derzeit sind diese nicht verfügbar und der Flug als Zubringer weiter alternativlos.
    Beste Grüße

  7. Oliver Graue
    Erstellt 28. Mai 2019 16:41 | Permanent-Link

    Ich denke, im Sinne von CSR und Nachhaltigkeit müsste auch beim Fernbus geprüft werden, welchen Arbeitsbedingungen die Fahrer unterliegen. Gerade zuletzt war dies erneut ein Diskussionsthema in der Branche. Denn zur Nachhaltigkeit gehört meiner Ansicht nach neben der ökologischen auch immer noch eine soziale Variante: Werden Lenk- und Ruhezeiten eingehalten? Werden die Fahrer anständig bezahlt?

  8. Jens Maier
    Erstellt 18. Juni 2019 21:26 | Permanent-Link

    Leider stimmt kaum etwas, was in diesem Artikel steht :(

  9. Jens Maier
    Erstellt 18. Juni 2019 21:27 | Permanent-Link

    (Ich bin beim Rat der Deutschen Fluggesellschaften)

  10. Winter Robert (GSC-PM22)
    Erstellt 18. Juni 2019 22:42 | Permanent-Link

    Die letzte Kernaussage ist korrekt, fast alle Fluggäste sind Anschlussreisende der Mittel- und Langstrecken, der Bahnanschluss von München ist leider unzuverlässig und aufwändig

Fachmedien und Mittelstand Digital Logo
Nutzungsbasierte Onlinewerbung
stats