Russland und die GUS

Die besten Flüge und Airlines

Russlands Luftverkehr wandelt sich: Von einst Hunderten Airlines bleiben nur wenige übrig – und die wiederum legen westliche Standards an. Für Firmen und Geschäftsreisende eine positive Entwicklung.

Gute Nachrichten für Travel Manager und Geschäftsreisende

Die Luftfahrtbranche Russlands konsolidiert und wandelt sich. Zunehmend halten westliche Maßstäbe Einzug, von Privatisierungen über die Liberalisierung des Wettbewerbs bis hin zur langsamen Abkehr vom Prinzip der Provisionszahlungen an Reisebüros. Der Luftverkehr in dem Riesenreich wird „westlicher“, wird vertrauter: Für Travel Manager und Geschäftsreisende ist das eine gute Nachricht. Zumindest so lange, wie die Konzentration am Himmel nicht überhand nimmt und die Gesellschaften noch wirklich konkurrieren.

Immerhin: Die Transparenz wächst, und weil die „Großen“ immer mehr Strecken in ihr Netz aufnehmen und diese auch über westliche Reservierungssysteme wie Amadeus buchbar machen, ist Fliegen in Russland kein Roulettespiel mehr. Kleine und kleinste Gesellschaften mit unaussprechlichen Namen und Maschinen aus sowjetischer Zeit sind immer seltener zu finden. Stattdessen bauen die Großen ihre Marktmacht aus – in aller erster Linie natürlich Aeroflot, Russlands Nummer eins. Die alte sowjetische Größe von 10.000 Flugzeugen wird Aeroflot zwar nie mehr erreichen. Doch die Gesellschaft wächst wieder stark: Den 139 Jets, die der Flotte derzeit angehören, stehen 183 Bestellungen gegenüber, darunter jeweils 22 Airbus A-350 und Boeing B-787 Dreamliner. Hohe Beträge investiert Aeroflot zudem in die Produktqualität. Auch die Mitgliedschaft in der Luftfahrt-Allianz Skyteam sowie etliche Auszeichnungen für den Bordservice sollen den einstigen Ruf als problembeladener Sowjet-Flieger vergessen machen.

Der Platzhirsch: Aeroflot

Geschichte: Die größte russische Fluggesellschaft wurde 1923 gegründet und gehört damit zu den ältesten Airlines weltweit. Zu Sowjetzeiten zählte Aeroflot zeitweise mehr als 10.000 Flugzeuge; mit dem Zerfall der UdSSR Anfang der 90er-Jahre splitteten sich jedoch Hunderte Gesellschaften von ihr ab. Seit 2006 ist Aeroflot Mitglied der Luftfahrt-Allianz Skyteam um Air France-KLM. Ziele: Aeroflot bedient ein dichtes Netz an Strecken innerhalb Russlands (31 Städte); insgesamt fliegt die Gesellschaft 250 Destinationen in 51 Ländern an. In Deutschland werden Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und München angesteuert. Dresden wird ab Mai 2014 statt bislang vier Mal pro Woche (Winter: drei Mal) sogar täglich angeflogen. Flotte: Aeroflot verfügt über eine der jüngsten Flotten. Von den insgesamt 139 Maschinen stammen 111 von Airbus. Bis 2016 sollen 22 Langstreckenflugzeuge der Typen A-350 und Boeing B-787 hinzukommen. Außerdem fliegt Aeroflot die neuen Regionaljets vom Typ Suchoi Superjet SSJ-100. Heimatflughafen: Drehkreuz ist der Airport Moskau-Scheremetjewo. Dort ist Aeroflot am Ende 2009 neu eröffneten Terminal D ansässig.

Billigflieger in Startlöchern

Aeroflot putzt sich heraus – auch vor dem Hintergrund, dass Russlands Regierung ihren derzeitigen Anteil an der Airline von 51,2 Prozent auf gut 25 Prozent stutzen will. „Moskau wird Fördergelder streichen und in Richtung Privatisierung hinarbeiten“, sagt Russland-Experte und Geschäftsreiseberater Winfried Barczaitis. Auch die geplante Gründung einer Billigflugtochter sieht Barczaitis in diesem Zusammenhang. Noch nutzen Russen selbst für sehr lange Entfernungen den Zug: Tickets für reguläre Flüge können sie sich häufig nicht leisten. Und manchmal existieren Verbindungen auf dem Luftweg erst gar nicht, wovon auch Geschäftsreisende ein Lied singen können. Mit 40 Jets will Aeroflot seine Günstig-Tochter im nächsten Jahr starten, zunächst mit innerrussischen Strecken von Moskau nach St. Petersburg und in den Süden der Föderation. Möglich wird dieser Schritt aber nur, weil Moskau an einer Liberalisierung des Luftverkehrs im Land arbeitet. „Künftig sollen auch ausländische Piloten in Russland fliegen dürfen – derzeit können wegen des noch geltenden Verbots Hunderte Stellen nicht besetzt werden“, sagt Winfried Barczaitis. Die Verpflichtung, Passagiere an Bord zu verpflegen, soll wegfallen, und Zusatzgebühren für Gepäck sollen ebenso legal sein wie der Verkauf nicht-umtauschbarer Flugtickets. All dies hat echte Billigflieger bislang unmöglich gemacht, wie die gescheiterten Versuche mit Sky Express und Avianova zeigten: Die Kosten wären zu hoch. Der Markt ist in Bewegung, und nicht allein Aeroflot rüstet sich für neue Zeiten. Ein Großbündnis am Himmel ist gerade erst mit der Partnerschaft der privaten Gesellschaften Transaero (St. Petersburg/Moskau) und UTair (Chanty-Mansijsk) entstanden. Die beiden Airlines, die gemeinsam 19,6 Mill. Passagiere befördern, planen zwar keine Fusion, aber immerhin einheitliche Flugpreise, aufeinander abgestimmte Flugpläne und einheitliche Service-Qualität. Ein Vorteil für Geschäftsreisende, die zu einem Ort jenseits der großen russischen Städte fliegen: Über die international agierende Transaero buchen sie die Anschlussflüge von UTair zu Inlandszielen gleich mit.

Der Herausforderer: Transaero

Geschichte: Russlands Nr. 2 ist vergleichsweise jung: 1991 wurde Transaero als erste rein private russische Fluggesellschaft gegründet. Der erste Flug führte nach Tel Aviv. Vorstandsvorsitzende Olga Pleschakowa platzierte ihr Unternehmen 2006 an der Börse. Ziele: Transaero ist auf Auslandsstrecken fokussiert. Um verstärkt Inlandsziele abzudecken, besteht eine Kooperation mit UTair. In Deutschland steuert die Gesellschaft Berlin, Frankfurt und München an. Flotte: Bislang setzte Transaero in ihrer Flotte (96 Maschinen) ausschließlich auf Boeing. Erstmals wurden nun Airbus-Jets der Typen A-380 und A-320-neo bestellt, die ab 2015 ausgeliefert werden sollen. Heimatflughafen: Drehkreuz ist der Airport Moskau-Domodedowo, Sitz der Airline ist St. Petersburg.

6500 deutsche Firmen aktiv

„UTair verfügt über ein starkes innerrussisches Netz, während Transaero vor allem ins Ausland fliegt“, sagt Barczaitis. Ihre Kooperation starten die beiden Airlines zunächst für ihre Flüge nach und bis Moskau-Wnukowo. Darüber hinaus will UTair einen Militärflughafen gut 180 Kilometer von Moskau entfernt (Kaluga) zu einem zivilen Airport ausbauen. Das dürfte vor allem Unternehmen, die in dieser Region in großer Anzahltätig sind, freuen: „Die Kosten sind im Vergleich zu Moskau wesentlich niedriger“, so der Russland-Spezialist. Zu denen, die in Kaluga produzieren, gehört der Autohersteller VW. Fakt ist: Die Zahl der Geschäftsreisenden, die nach Russland fliegen, wächst nach wie vor. Gut 6500 deutsche Firmen sind im Riesenreich aktiv, und verstärkt werben die russischen Fluggesellschaften um deutsche Business Traveller – auch wenn es traditionell als äußerst schwierig gilt, „deutsche Firmen von Lufthansa loszueisen“, wie der Manager einer russischen Airline beklagt. Was sicher auch daran liegt, dass in den Köpfen der meisten Travel Manager noch immer das Bild von den angeblich unsicheren russischen Airlines spukt. Ein echtes Klischee, denn tatsächlich stehen die großen Anbieter ihren westlichen Wettbewerbern in Sachen Sicherheit in nichts mehr nach. Auch die in Jekaterinburg ansässige Ural Airlines – eine der russischen Top-10-Airlines – erhält von Branchendiensten regelmäßig Bestnoten und verfügt im Gegensatz zu manch hiesiger Linie sogar über einen eigenen Flugsimulator. Zudem punkten Ural Airlines, Aeroflot, S7 und Transaero nicht nur mit praktisch ausschließlich westlichen, meist sehr jungen Maschinen, sondern heimsen für ihren Bordservice – vor allem in der Business Class – immer wieder Preise ein. Und sie gewähren ein engmaschiges innerrussisches Streckennetz. Aeroflot beispielsweise fliegt 31 Städte in ihrem Heimatland an, und auch S7 und Ural Airlines halten etliche Ziele für Geschäftsreisende bereit, die jenseits von Moskau zu tun haben. Ural Airlines etwa verfolgt das „ZweiStundenKonzept“, wie es AirlineChef Sergej Skuratow nennt: Die meisten Städte, die das Unternehmen von Moskau aus anfliegt, sind gut zwei bis drei Stunden von der russischen Hauptstadt entfernt – sowohl die europäischen Ziele wie Köln als auch die innerrussischen. Fast zeitgleich kommen die Maschinen nachmittags aus Westeuropa an, um zu innerrussischen Zielen wie Nowosibirsk, Jekaterinburg, Tscheljabinsk, Irkutsk oder Tschita weiterzufliegen. „Das gewährt den Geschäfts reisenden schnelle Anschlüsse“, so Skuratow.

Der Aufsteiger: Ural Airlines

Geschichte: Als Nachfolgerin der Aeroflot-Division Swerdlowsk (Jekaterinburg) wurde Ural Airlines 1993 als private Fluggesellschaft gegründet. Sie zählt heute zu den modernsten Airlines des Landes und verbucht wachsende Passagierzahlen. Ziele: Seit April 2012 fliegt Ural Airlines von Köln nach Moskau – vom 16. Februar 2014 an vier Mal pro Woche. Ab Moskau bestehen günstige Anschlüsse in russische Städte wie Tscheljabinsk, Tschita, Nowosibirsk, Irkutsk, Jekaterinburg, Nischnewartowsk und Ulan-Ude. Flotte: Derzeit betreibt Ural Airlines 25 Maschinen des Typs Airbus A-319/320. Nächstes Jahr soll die Flotte auf 30 Jets an- wachsen, darunter neue A-330. Heimatflughafen: Drehkreuze sind Moskau-Domodedowo und Jekaterinburg.

Alle Flüge führen über Moskau

Noch hält sich die Zahl der Städte in Russland, die per Direktflug ab Deutschland zu erreichen sind, in Grenzen. In aller Regel ist es nötig, auf einem der drei Moskauer Flughäfen (Domodedowo, Scheremetjewo und Wnukowo) umzusteigen. An der Hauptstadt geht also kein Weg vorbei – doch auch dies könnte sich in der Zukunft ändern. „Noch ist Moskau das einzige echte Drehkreuz sowohl für internationale als auch innerrussische Flüge“, sagt Berater Winfried Barczaitis. Allerdings stehen weitere Großflughäfen wie Jekaterinburg, Nowosibirsk, Krasnodar und Samara in den Startlöchern, prognostiziert er – auch sie könnten sich zu sogenannten Hubs, also UmsteigeAirports, entwickeln. Spätestens ab 2018, wenn die FußballWM in Russland stattfindet. Denn, so Barczaitis: „Von all diesen und weiteren Flughäfen werden Flüge zu den Austragungsorten starten.“

Die „Neuen“: Airlines der GUS-Staaten

Mit dem Zerfall der Sowjetunion haben sich nicht nur eine Reihe neuer Staaten (wieder-)gegründet. Die meisten von ihnen, die mit Russland heute in der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) kooperieren, verfügen auch über eigene Airlines. Wir stellen die größten Gesellschaften vor: Air Astana, seit 2002 als britisch-kasachisches Joint Venture geführt, zählt heute zu den modernsten und erfolgreichsten Fluggesellschaften. Ab Frankfurt startet sie täglich nach Astana und Almaty. Von dort bestehen Anschlüsse zu weiteren innerkasachischen Zielen, in zentralasiatische Städte wie Bischkek und Taschkent sowie nach Sibirien und Westchina. Die Flotte besteht aus jungen Maschinen von Airbus, Boeing und Embraer. UIA (Ukraine International Airlines): Die Fluggesellschaft, 1992 nach westlichen Standards gegründet, ist zu 100 Prozent in Privatbesitz. Ab Deutschland startet UIA in Berlin, Frankfurt und München täglich in die ukrainische Hauptstadt Kiew. Von dort bietet sie Anschlüsse in andere Städte der Ukraine, nach Russland und Zentralasien an. Die Flotte besteht aus 19 Boeing-B-737-Jets. Belavia: 1996 als Nachfolgerin der weißrussischen Aeroflot-Division gegründet. Die Airline fliegt in Deutschland ab Berlin, Frankfurt und Hannover in Weißrusslands Hauptstadt Minsk. Flotte: 25 Boeing- und Bombardier-Jets. Uzbekistan Airways: Die nationale Fluggesellschaft Usbekistans verbindet Frankfurt mit der Hauptstadt Taschkent und verfügt über 47 Maschinen, darunter 15 Boeing, 12 Airbus und 12 Iljuschin. Somon Air: Die private tadschikische Airline, 2008 gegründet, verfügt über 6 Boeing-Maschinen und verkehrt unter anderem zwischen Frankfurt und Duschanbe. Azal: Die staatliche Fluggesellschaft aus Aserbaidschan fliegt ab Frankfurt nach Baku. Ihre Flotte besteht aus 27 Jets (13 Airbus). Armavia: Die armenische Airline musste vor wenigen Monaten Insolvenz anmelden.

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