Fernreisen erst 2021

Experten sehen schwarz für den Sommerurlaub 2020

Verhindert das Coronavirus alle Ferienreisen in diesem Jahr? Da etliche Länder weiterhin Einreisen verbieten werden, könnte richtiger Urlaub erst 2021 wieder möglich sein.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat es wie gestern berichtet bereits angedeutet: Seine Fluggesellschaft wird die Zahl ihrer Maschinen deutlich verringern, da er nicht davon ausgeht, dass die Menschen in absehbarer Zeit wieder so reisen werden, wie dies bis zur Corona-Krise der Fall war. Mindestens 70 Flugzeuge will die Lufthansa-Gruppe daher stilllegen – darunter viele Großraummaschinen für Langstreckenflüge.


Spohr steht nicht allein mit dieser Auffassung. Die Stimmen werden lauter, die für das ganze Jahr 2020 mit einem eher geringen Reiseaufkommen rechnen. Grund: Die meisten Länder werden ihre Einreisesperren erst in mehreren Monaten aufheben – dann aber ist es für Sommerurlaub zu spät.

Profitieren könnte als erstes der Deutschland-Urlaub. "Wahrscheinlich tritt zuerst im Inland eine Lockerung ein, wodurch es mehr Inlandreisen gäbe", sagt Christian Laesser, Touristik-Professor an der Universität St. Gallen, in einem Gespräch mit der Neuen Zürcher Zeitung. "In einer weiteren Phase ist eine europäische beziehungsweise eine kontinentale Lockerung denkbar."

Erst in einer letzten Phase, wenn wirklich alle Restriktionen aufgehoben seien, werde es wieder zu Fernreisen kommen, etwa nach Asien oder Amerika. Im besten Fall sei dies 2021 so, sagt Laesser – möglicherweise sogar erst später. Voraussetzung sei, dass es wirksame Medikamente oder eine Impfung gegen Corona gibt.

Dass zumindest im Spätsommer oder Herbst 2020 wieder Urlaub in Deutschland möglich sein wird, daran glaubt der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern. Er schlägt deshalb vor, alle Sommerferientermine zu verschieben – und zwar auf August und September. Im Juni oder Juli hingegen seien vermutlich längst noch nicht alle Räume für Ferien- und Freizeitgestaltung wieder freigegeben.

Sommerferien ausnahmsweise im Herbst?

Auch andere Stimmen haben bereits gefordert, die Sommerferien 2020 ausnahmsweise in den Herbst zu verlegen, um den Menschen das Reisen in diesem Jahr noch möglich zu machen.

Auf diese Weise könnten die Menschen trotz Corona in diesem Jahr doch noch Ferien genießen, und die Hotels und Zielgebiete müssten nicht ganz auf Einnahmen aus dem Tourismus verzichten. Zudem könnten die Schüler im Juni und Juli dann den Stoff nachholen, den sie derzeit wegen Corona versäumen.

Ähnlich äußert sich Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. "Ich glaube, dass wir für die nächsten Jahre vielleicht sogar einen Boom des Inlands-Tourismus und damit auch einen Boom bei uns im Land Schleswig-Holstein erleben können", sagte er.

Zielgebiete mit viel Platz sind im Vorteil

Im Vorteil könnten nach Corona solche Zielgebiete sein, die den Urlaubern viel Platz bieten. Größere Ansammlungen dürften auch künftig wegen der Ansteckungsgefahr verboten sein. "Ich glaube, dass das für den Inlands-Tourismus sehr wohl eine sehr gute Wiederbelebung auch schon in diesem Jahr bedeuten kann", sagt Buchholz. Denn Auslandsreisen würden viele Menschen voraussichtlich erst später wieder antreten.

Sollte das Coronavirus sich nicht bis zum Sommer verzogen haben, gebe es für die Reisebranche gravierende Folgen, warnte der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung Thomas Bareiß. "Sollte die Sommerreisezeit in Gefahr sein, so bedeutet das für die Tourismuswirtschaft, die Hotels und Restaurants, eine kaum vorstellbare Katastrophe", sagte er gegenüber der dpa. Bareiß setzt sich unter anderem für eine Gutschein-Lösung ein, die Reiseunternehmen in der aktuellen Krise Liquidität sichern soll.

"Ich glaube nicht, dass die Deutschen in diesem Sommer schon wieder Urlaubsreisen machen können", sagte indes Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Pandemie werde das Land noch bis zum Sommer beschäftigen. "Darum glaube ich, dieser Sommer wird anders. Wir werden wohl nicht wie gewohnt ins Auto, in den Zug oder ins Flugzeug steigen und in die Ferien fahren." Möglicherweise könne dies aber zu Teilen wieder im Herbst der Fall sein.
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