Nahost-Experte bei der ABTA

Eine Präsidentin für Saudi-Arabien

ABTA-Präsident Hanno Kirsch (rechts) und ORF-Korrespondent Karim El-Gawhary.
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ABTA-Präsident Hanno Kirsch (rechts) und ORF-Korrespondent Karim El-Gawhary.

Vom Car Sharing bis zur Nahost-Problematik: Namhafte Ideengeber waren zu Besuch beim österreichischen Geschäftsreiseverband ABTA. Ziel: neue Trend rechtzeitig erkennen.

Integrierte multimodale Lösungen seien im Verkehrsbereich stark im Vordringen, sagte Robert Kahr,Geschäftsführer der Drive Now Austria. Car Sharing sei allerdings kein Ersatz oder Wettbewerber zum öffentlichen Nahverkehr, sondern eine Ergänzung. „Drei Viertel unserer Kunden haben auch eine Jahreskarte der Wiener Linien“, so Kahr. Das „Shared Mobility“ genannte Konzept erlaube in vielen Fällen eine bisher nicht gekannte spontane Mobilität.

Für den Business Travel gewinne Car Sharing besonders bei der Anbindung von Flughäfen und Firmenstandorten an Bedeutung. Zudem biete es sich speziell bei überlasteten Firmen-Fuhrparks an, da sich damit das Auslastungsrisiko verringern und Mobilitätskosten einsparen ließen.

Dorthin fliegen, von wo andere wegfliegen

Mit bewegenden Berichten über seine außergewöhnlichen „Geschäftsreisen“, die er seit 26 Jahren als Journalist und Autor unternimmt, faszinierte nachfolgend der bekannte ORF-Korrespondent Karim El-Gawharydas Publikum der abta Business Travel Lounge in Wien. „Ich fliege regelmäßig da hin, von wo die Leute wegfliegen“, charakterisierte der Nahost-Experte seinen gefahrvollen Aufgabenbereich.

Er sei regelmäßig in Konfliktregionen und Brennpunkten untewegs, meist in einem Vierer-Team mit Kameramann, lokalem Produzenten und Fahrer. Doch gebe es bei aller kalkulierter Risikobereitschaft auch für ihn No-Go-Areas: „Keine Geschichte ist es wert, dass man sie nicht mehr erzählen kann.“

„Arabischer Frühling“ noch nicht beendet

Man werde demütig angesichts der vielen tragischen Geschehnisse, stellte El-Gawhary, sichtlich selbst bewegt von den oft traumatischen Erlebnissen, fest. Zum Ergebnis des „Arabischen Frühlings“ befragt, meinte er, es sei noch nicht Zeit, endgültig Bilanz zu ziehen: „Wir sind noch mitten im Umbruch, der Wandel wird noch weitergehen.“

Europa sei jedenfalls mit der arabischen Welt verbunden, egal, ob es dies wolle oder nicht:„Die Realität der Flüchtlingsfrage treibt uns vor sich her.“ Es gehe nicht um das „Ob“, sondern um das „Wie“ und damit um die Frage, wie Europa diese Realität in vernünftige Bahnen bringe. „Wir werden uns in zehn Jahren fragen müssen, sind wir in Europa an dieser Frage gescheitert, oder waren wir ihr gewachsen“, so der Journalist und Buchautor.

Westen unterstützte Autokraten

Der Westen haber eine Mitverantwortung an der derzeitigen Situation, so El-Gawhary. Denn er habe Autokraten im Namen der Stabilität unterstützt. „Die arabische Welt ist für uns ein Problem, aber auch wir sind ein Problem für diesen Raum, beispielsweise durch Waffenlieferungen“, formulierte er.

Und El-Gawharys größter Traum? Dass es eine saudi-arabische Präsidentin gibt. „Dann gehe ich beim ORF mit Freuden in Pension.“

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