Nach Kritik

Bund kippt Regelung für zwei Bahn-Sitzplätze

Behördenmitarbeitern des Bundes sollte es erlaubt werden, bei Bahnfahrten auch den Nachbarsitz zu reservieren, um mögliche Ansteckungsgefahren durch Corona zu reduzieren. Dieses Vorhaben wird nicht umgesetzt.

Das Bundesinnenministerium setzt eine umstrittene Regelung aus, dass Bundes-Beschäftigte bei Dienstreisen mit der Bahn zum besseren Corona-Schutz auch zwei Sitzplätze buchen können. Man nehme zur Kenntnis, dass dies in der Öffentlichkeit für Irritationen sorge, sagte ein Sprecher.

Es gebe derzeit in der Bundesregierung Gespräche, wie ganz allgemein mit der Situation auch mit Blick auf den Personenverkehr umzugehen sei. Im Zuge dessen werde die bisherige, allein für Behördenmitarbeiter geltende Regelung "vorläufig außer Kraft gesetzt". Als Eigentümer der Deutschen Bahn werde man sich nun eine neue Lösung dafür überlegen, wie auch in den Zügen die nötigen Abstände besser als bisher eingehalten werden können.

Verbände schlagen beispielsweise vor, entweder für alle Reisenden den jeweiligen Nachbarsitz buchbar zu machen – wie das auch manche Fluggesellschaften inzwischen eingeführt haben. Oder eine allgemeine Reservierungspflicht einzuführen, um zumindest mögliche Infektionsketten nachverfolgen zu können.

Das Ministerium verwies auf die Grundregel im Kampf gegen Corona, Abstand zu halten – und dass Infektionsrisiken stiegen, je geringer Abstände seien. Diese Gedanken hätten die Regelung zu zusätzlichen Erstattungsmöglichkeiten geleitet: Ein freier Sitzplatz neben dem eigenen mache die Einhaltung der Abstandsregeln besser umsetzbar.

Dabei habe der Bund allein als Arbeitgeber reagiert. Keinesfalls habe es Privilegien für bestimmte Personengruppen geben sollen, teilte das Ministerium mit.

Konkret geht es um eine Regelung von Mitte November, wonach für Bahnfahrten bis Ende März 2021 ein zusätzlicher Nachbarsitzplatz gebucht werden kann. Die Beförderungsbedingungen der Deutschen Bahn sehen allerdings vor, dass der Anspruch auf einen bezahlten und reservierten Platz erlischt, wenn er 15 Minuten nach Abfahrt nicht eingenommen wird.

Mehrere Bundesministerien hatten mitgeteilt, dass sie für derzeit sehr wenige Dienstreisen nur einen Platz buchen.
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