Nach den Übergriffen

Busgruppen stornieren Köln-Besuch

Deutsche Bahn AG

Aus Angst vor Kriminalität streichen Urlauber aus dem In- und Ausland ihre Köln-Aufenthalte. Auch bei Geschäftsreisenden herrscht Unsicherheit. Laut Polizeigewerkschaft könnten doch Flüchtlinge unter den Tätern sein.

Als Folge aus den gewaltsamen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln haben erste Besuchergruppen ihre Köln-Aufenthalte bereits gestrichen. Das berichten Medien und Veranstalter. Josef Sommer, Geschäftsführer von Köln-Tourismus, spricht gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger davon, dass das Image seiner Stadt einen Knacks erlitten habe.

Ein Veranstalter berichtet, dass bereits zwei englische Busgruppen ihre Touren storniert haben. Sie hatten Besuche für die Karnevalszeit geplant. Sommer verweist als Beispiel zudem auf eine Familie aus dem Erzgebirge, die eigentlich ihren Sommerurlaub 2016 in der Domstadt hatte verbringen wollen. „Sie werden verstehen, dass wir Leib und Leben nicht unter diesen Umständen aufs Spiel setzen“, zitierte Sommer aus der Absage.

Zudem berichtete er von Hunderten Mails und Anrufen besorgter Reiseveranstalter und Touristen. „Man kann sagen, dass zwei Drittel der Gäste sehr besorgt sind, ob sie eine Köln-Reise noch antreten können, und ein Drittel schon artikuliert, von einer Köln-Reise Abstand zu nehmen“, zitiert dpa den Tourismus-Chef der Rheinstadt.

Geschäftsreisende haben Sorge vor Trip

Ähnlich sind die Erfahrungen beim Hotel- und Gaststättenverband Köln. Ganz besonders Geschäftsreisende sorgten sich um ihre Sicherheit in der Stadt. Köln sei zwar seit längerem für seine vergleichsweise hohe Kleinkriminalität bekannt, nun aber werde das Negativ-Image der Stadt immer größer. Die Kölner Messe verzeichnet vor allem besorgte Anfragen aus dem Ausland.

Grund dürfte sein, dass ausländische Medien umfangreich über die Ereignisse in der Silvesternacht berichten. Selbst in den USA war das Thema auf den Titelseiten zu finden. Wie berichtet, hatten Hunderte Täter mutmaßlich nordafrikanischer Herkunft mehr als 100 Frauen in Köln bedroht, begrapscht und ausgeraubt.

Drastische Töne aus Holland

In den europäischen Medien wird mit Hinblick auf die Herkunft der Täter ganz besonders vor dem Entstehen einer „Parallelgesellschaft“ in Deutschland gewarnt. Die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) etwa warnt davor, Ereignisse wie in Köln „aus politisch korrekter Beflisseneit“ herunterzuspielen. Die NZZ verweist auf das Beispiel England, wo in den vergangen Jahren junge Frauen und Mädchen von einer pakistanischen Bande missbraucht wurden. Die offene Debatte in Deutschland lasse hoffen, dass es hierzulande nicht so weit kommen wird.

Hollands wichtigste Tageszeitung, „De Telegraaf“ ist weniger optimistisch und wählt drastische Worte. Sie sieht die Schuld für Köln bei den „nützlichen Idioten der Flüchtlingsindustrie“. Diese redeten denjenigen nach dem Mund, die herunterspielten, dass die vielen jungen Männer unter den Flüchtlingen „mittelalterliche, um nicht zu sagen archaische Ansichten zum Verhältnis von Mann und Frau“ hätten.

Polizeileitung verschwieg Ereignisse offenbar gezielt

Indes deutet immer mehr darauf hin, dass die Kölner Polizeileitung die Ereignisse bewusst verschwiegen und die Bevölkerung möglicherweise auch angelogen hat. So wurde in einer Pressemitteilung am Neujahrstag von einer „weitgehend friedlichen und entspannten Silvesternacht“ geschrieben. Tatsächlich jedoch berichten betroffene Polizisten und Augenzeugen davon, dass die dramatischen Übergriffe auf Frauen bekannt waren und es sogar zu etlichen Personalienfeststellungen und Ingewahrsamnahmen kam.

Zudem wiesen Polizeileitung und Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker jeden Verdacht als unsinnig zurück, unter den Tätern könnten auch Flüchtlinge sein. Polizisten, die in der Nacht auf der Domplatte eingesetzt waren, berichten jedoch genau davon: Die weitaus meisten der kontrollierten Personen hätten sich nur „mit dem Registrierungsbeleg als Asylsuchender“ ausweisen können. Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft geht davon aus, dass sich Flüchtlinge zumindest unter den Verdächtigen befinden. (OG)

Lesen Sie auch: „Nach den Übergriffen: Hotelier meldet sich zu Wort“ (Links s. unten)

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