Meine Woche | KW 22

Warum ich gern "Snutenpulli" trage

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An dieser Stelle berichtet BizTravel-Chefredakteur Oliver Graue über seine Woche im Business Travel.

Deutschland ist ein Land der Dialekte. Wann immer ich Besuch bekomme etwa aus Großbritannien, Skandinavien oder Russland (vor Corona natürlich), äußern sich die Gäste erstaunt und fasziniert von der Sprachenvielfalt, die unser Land zu bieten hat. Zwar verwendet man auch anderswo nicht in allen Regionen die "Hochsprache", doch die enorme Anzahl der Dialekte hierzulande und deren teilweise deutliche Andersartigkeit im Vergleich zur offiziellen Sprache weisen sie bei weitem nicht auf.

Wenn ich in Deutschland unterwegs bin, macht es mir Spaß, die unterschiedlichen Dialekte zu hören. Und ich finde es immer wieder spannend, welch verschiedene Begriffe es für ein- und denselben Gegenstand gibt: Das Brötchen etwa heißt bei uns in Hamburg "Rundstück" (mit spitzem "s" – leider hört man dieses Wort nur noch selten), anderswo spricht man beispielsweise von Semmel, Weck, Schrippe, Weggli, Mütschli oder Laabla.

Und da ich schon als Jugendlicher von Dialekten fasziniert war, beherrsche ich nach wie vor – naja, zumindest teilweise – dat Kölsche. "Du kannst das aber gut!", loben mich Freunde und Bekannte, wenn ich ein wenig kölsch daherrede (und nicht nur Kölsch trinke). Worauf ich nur begegnen kann: "Na klar doch! Dat is jo ming Muttersproch!" Dabei stamme ich aus dem Bergischen Land, wo man keineswegs genau so redet wie in Köln, sondern eigentlich in jedem Ort wiederum ganz anders.

Besonders sympathisch ist mir auch das Plattdeutsche. Meine (niedersächsischen) Großeltern haben untereinander plattdeutsch geredet, wenn wir Enkel nicht verstehen sollten, was sie sagen – also wenn sie sich gestritten oder über uns unterhalten haben. Das Problem: Wir haben tatsächlich nichts verstanden.

Sehr gelungen finde ich daher auch den Ausdruck, der sich bei uns im Norden für die Mundschutzmaske zunehmend einbürgert: Wir sprechen vom "Snutenpulli", also vom Pullover für die Schnüss, wie wir wiederum im Rheinland den Mund genannt haben. Das klingt in meinen Ohren gleich viel harmloser – und eigentlich sogar schon sehr sympathisch. Während man den Mundschutz als zwar nötiges, aber eher lästiges Übel empfindet, möchte man den Snutenpulli unbedingt tragen!

Meine einzige etwas negative Erfahrung in Sachen Dialekte hatte ich als Student in München. Gleich an einem meiner ersten Tage zeigte ich in einer Bäckerei auf ein leckeres Teilchen, das ich gern haben wollte: "Bitte geben Sie mir ein solches Schweineohr", bat ich die Verkäuferin. Sie antwortete: "Ja, gut – aber das heißt bei uns Schmetterlingsauge!"

Mit ihr verdorben habe ich es dann endgültig, als es ans Bezahlen ging. "Warten Sie", sagte ich und wollte freundlich sein: "Ich hab's klein und kann Ihnen einen Groschen geben!" (Damals bezahlten wir noch in D-Mark). Daraufhin errötete sie und blaffte mich an: "Groschen gibt es hier nicht! Aber gern nehme ich ein Zehnerl ..."

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