Meine Woche | KW43

Margensteuern, Herbsturlaub und drohende Rezession

fvw

An dieser Stelle berichtet BizTravel-Chefredakteur Oliver Graue über seine Woche im Business Travel.

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Nach A1 wird ein nächstes, ebenfalls EU-bestimmtes Thema zu einem Aufreger in der Geschäftsreise- und MICE-Branche: die sogenannte Margenbesteuerung. Es sind nur fünf Zeilen im Umsatzsteuergesetz – die aber haben es in sich. Folge könnte nämlich sein, dass für gebuchte Reiseleistungen künftig der Vorsteuerabzug entfällt. Damit verteuern sich für Unternehmen vor allem Hotels und MICE-Leistungen um bis zu 19 Prozent.

Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das Deutschland verpflichtet, in seiner Sonderregelung für Reiseleistungen im §25 des Umsatzsteuergesetz den B2B-Bereich genau so zu behandeln wie den B2C-Bereich. Und dort gilt derzeit die Margenbesteuerung: Nicht der komplette Umsatz von Reiseleistungen wird besteuert, sondern die Differenz zwischen Nettoeinkaufs- und Nettoverkaufspreis. Im Gegenzug fällt der Vorsteuerabzug weg.

Zugegeben: Das Thema ist extrem komplex. Sehr ausführlich erörtern wir es in der aktuellen fvw (auf 3 Seiten) – und an dieser Stelle wird es mit Sicherheit auch das eine oder andere Mal erneut zum Thema. Spätestens wenn feststeht, wie der Begriff "Reiseleistungen" tatsächlich zu interpretieren ist. Denn vor allem davon hängt es ab, ob es für die Unternehmen wirklich teurer wird oder nicht.

Dienstag, 22. Oktober 2019

Sind Sie, liebe Leserinnen und Leser, noch in den Herbstferien, schon wieder zurück – oder haben Sie gar keinen Urlaub genommen? Zumindest hoffe ich, dass Sie nicht zu den vielen Tausend Geschädigten der Thomas-Cook-Pleite gehören. Leidtragende sind aber nicht nur Urlauber, die gerade auf die "schönste Zeit des Jahres" verzichten müssen, sondern auch jene Hotels, die von Cook das Geld für die vergangenen zwei Monate nicht bekommen haben – denn der Veranstalter hatte ein Zahlungsziel von 60 Tagen ausgehandelt.

Für viele Anbieter können die kommenden Monate daher zu einer Durststrecke werden, die es zu überstehen gilt. Denn für die nächste Saison muss sich vermutlich kaum ein Hotel Gedanken über seine Auslastung machen: Die Thomas-Cook-Konkurrenten reißen sich geradezu um die Hotelkapazitäten und die Reisebüros des insolventen Konzerns, hier ist es zu einem regelrechten Wettlauf gekommen. Und die Sparte "Thomas Cook Sports", die Reisen etwa für Manchester United oder den FC Liverpool organisierte, ist auch bereits wieder anderswo untergekommen: bei der britischen Geschäftsreisekette Clarity.

Was eigentlich wiederum eine gute Nachricht ist: Die Nachfrage nach Reisen – auch nach Pauschalreisen – ist ungebrochen. Allein die Marktsituation führte also nicht zum Ende des britischen Traditionskonzerns.

Montag, 21. Oktober 2019

Wie gut geht es uns? Droht Deutschland tatsächlich die Rezession? Oder sind wir sogar schon mittendrin, merken es aber (noch) nicht, weil die Baubranche nach wie vor boomt und an vielen Stellen Fachkräftemangel herrscht?

Die Nachrichten, die seit einigen Monaten aus der deutschen Wirtschaft kommen, klingen jedenfalls nicht gut. Fast täglich berichten die Zeitungen von neuen Entlassungswellen, vor allem große Konzerne wie die Deutsche Bank streichen Tausende Jobs. Und Sorgen bereitet auch die Lage in der Autoindustrie, wo es längst nicht mehr so problemlos läuft wie in den vergangenen Jahren. Das hat weniger mit der E-Mobilität zu tun (die Nachfrage ist noch sehr schwach), dafür aber umso mit sinkender Gesamt-Nachfrage in den meisten Teilen der Welt.

Für uns jedenfalls stellt sich die Frage: Was bedeutet diese Entwicklung für die Geschäftsreisen-Branche? Fangen Unternehmen wieder an, verstärkt auf die Kosten zu achten, setzen sie gar den Rotstift in einem größeren Ausmaß an? Bekanntlich ist der Reise-Etat – neben dem Marketing – oft der erste Posten, an dem im Falle einer (drohenden) Krise gekürzt wird.

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