Meine Woche | KW18

Auto First – Warum wir das Umdenken jetzt umdenken müssen

Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel
FVW Medien
Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel

Schiene statt Straße oder Himmel – so lautete das Credo angesichts der Klimadebatte noch vor einigen Wochen. Nun heißt es: Alle zurück auf die Straße! Denn Corona macht das Auto zum sichersten Verkehrsmittel.

So schnell ändern sich die Zeiten! Es ist noch gar nicht so lange her, da ging es, wenn man die Zeitung aufschlug, eigentlich nur noch um eines: ums Klima. Vor einer regelrechten "Katastrophe" wurde gewarnt, und ja, zugegeben: So ganz erledigt hat sich die Klima-Diskussion auch heute noch nicht. Zwar dürfte der absolute Stillstand der weltweiten Wirtschaft und des Verkehrs dazu führen, dass es der Umwelt so gut geht wie seit Jahrzehnten nicht mehr und wir sogar unsere ehrgeizigen Klima-Ziele erreichen – doch vergessen dürfen wir das Thema auch nach Corona freilich nicht. Richtig ist aber, dass viele Menschen mittlerweile drängendere Probleme haben, von finanziellen Schwierigkeiten bis hin zum möglichen Job-Verlust.

Und Tatsache ist auch: Über das vor Corona gestartete Umdenken in der Mobilität müssen wir uns ganz neue Gedanken machen. "Wir müssen das Umdenken umdenken" – so brachte es dieser Tage Inge Pirner, Vizepräsidentin des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR), auf den Punkt. Eine sehr gute Formulierung, wie ich finde!

Denn egal ob im Flieger oder in der Bahn: Wo immer Menschen auf engem Raum beieinander sitzen, ist das Gesundheitsrisiko erhöht. Die Fluggesellschaften haben zwar erste Vorschläge gemacht, wie sie das Fliegen hygienischer machen wollen – bei der Bahn warten wir auf solche Aussagen noch. Dass zwei Fahrgäste nebeneinander oder dicht hintereinander sitzen können, scheint aber ausgeschlossen. Zumal sich im ICE nicht einmal die Fenster öffnen lassen und die Klima-Anlagen im Zug sicher nicht über die Qualität ihrer Pendants in den Flugzeugen verfügen dürften.

In jedem Fall müssen Unternehmen damit rechnen, dass ihre Beschäftigten – sobald das Reisen wieder möglich ist – einen klaren Favoriten bei den Verkehrsmitteln haben: das Auto! Da sie sich in aller Regel ganz allein in dem Fahrzeug aufhalten, besteht keine Ansteckungsgefahr. Auch ersparen sie sich zeitraubende, weil geregelte Einsteigeprozesse – und Masken müssen sie ebenfalls keine tragen.

Ein Rückschritt in der Klima-Debatte muss dies aber trotzdem nicht sein. Denn Inge Pirner schlägt vor, die voraussichtliche "Hoch-Zeit" für das Auto zu nutzen, um verstärkt neue Antriebsmöglichkeiten zu testen. Also zum Beispiel die Elektromobilität. Weil sich die Menschen beim Reisen noch spürbar zurückhalten werden (vor allem bei Auslandsreisen), ist für die kommenden Monate mit eher kürzeren Geschäftsfahrten und mit weniger Staus auf den Autobahnen zu rechnen. Ideal also für den E-Antrieb!

Und mit noch etwas könnten wir dann endlich starten: mit einer weniger hysterischen und vor allem ideologiefreien Klima-Debatte. Ohne Frage, Klimaschutz ist enorm wichtig und muss auf dem vorderen Plätzen der Politik bleiben. Aber bitte mit Vernunft und Augenmaß statt wie bislang mit Panikmache!







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