Meine Woche | KW15

Warum sich der Trend zur Maske schon 2019 abzeichnete

Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel
FVW Medien
Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel

An dieser Stelle berichtet BizTravel-Chefredakteur Oliver Graue über seine Woche im Business Travel.

Ein witziger Zufall: In meinem Blog "Modischer Mundschutz und verweigerte Handschläge" hatte ich gestern darüber geschrieben, dass wir möglicherweise bald alle mit Mundschutz herumlaufen werden und dass auch Mode-Designer die Masken für sich entdecken werden. Nun musste ich mich eines Besseren belehren lassen: Das ist Schnee von gestern.

Bei meiner derzeit laufenden Alte-Zeitungen-Aufräum-Aktion stieß ich nun auf einen Artikel vom September 2019. Unter der Überschrift "Klappe schick halten" wird dort über einen neuen Trend spekuliert: das Tragen von Mundschutzmasken. Als noch wirklich niemand etwas von Corona ahnen konnte, mutmaßte die Redakteurin, dass sich "Zellstoffabdeckungen für die untere Gesichtshälfte zum populären Accessoire entwickeln". Und sie verwies darauf, dass es längst "Exemplare von Gucci oder Louis Vuitton" gibt.

Ganz ehrlich: Wussten Sie das? Ausgangspunkt des Artikels war die Tatsache, dass das einstige Super-Model Naomi Campbell immer schon Mundschutz trägt, wenn sie unterwegs ist. Und dies nicht in Erinnerung an Michael Jackson, der sich bekanntlich gern hinter der Maske verschanzte, sondern aus Angst vor Viren.

Als Bilder von Campbell mit Maske im Internet auftauchten, erntete sie damals Spott und hämisches Gelächter – selbst von Kolleginnen (wir nennen jetzt besser keine Namen). Heute dürfte sich dieses Bild ein wenig gewandelt haben. Geht mir ja genauso: Noch vor zwei Wochen fand ich es komisch, wenn ich im Supermarkt jemandem begegnet bin, der einen Munschutz trug. In China – ja, klar. Aber doch nicht in Deutschland!

Inzwischen drehe ich mich danach nicht mal mehr um. Höchstens wenn dieser mit besonders bunten Blumen oder Bienen bedruckt ist. Das habe ich bisher allerdings nur im Internet gesehen, noch nicht in der Realität.

Übrigens ist auch nicht der Schutz vor Smog der Hauptgrund, warum die Masken gerade in Fernost so beliebt sind. Heutzutage spielt das sicher eine Rolle (besonders in China), aber tatsächlich tragen die Menschen in Japan das Stück Vlies bereits seit mehr als 100 Jahren. Damals gab es noch keinen Smog. Aber es gab die Spanische Grippe, die zwischen 1918 und 1920 zu weltweit mehr als 27 Mio. Toten geführt hatte. Als Vorbeugung gegen sie wurde den Japanern damals die Maske empfohlen.

Wird der Mundschutz also wirklich bald zum Alltagsgegenstand? Also auch für die Zeit nach Corona? Könnte sein. Ich wage an dieser Stelle noch eine weitere Prognose: Ist alles überstanden, werden wir auch mehr Hut (oder Mütze) tragen. Das allerdings nur für eine eher kurze Zeitdauer: so lange nämlich, bis die Friseure es geschafft haben, die Haarpracht der deutschen Bevölkerung in eine wieder ansehnliche Form zu bringen.
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