Meine Woche | KW12

Wieso Corona den Herbst zum neuen Sommer macht

Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel
FVW Medien
Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel

An dieser Stelle berichtet BizTravel-Chefredakteur Oliver Graue über seine Woche im Business Travel.

Montag, 15. März 2020

Tschernobyl, 11. September, Finanzkrise, Fukushima, Terror in Brüssel, Paris und anderswo: Eigentlich dachte man ja, man hat schon so viel an unvorhergesehenen Ereignissen erlebt, dass es fürs Erste reicht. Tut es aber nicht. Mit Corona tritt nun etwas auf, dass in seinen Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft alles in den Schatten stellt.

Natürlich ist Corona nicht die Spanische Grippe, an der zwischen 1918 und 1920 mehr als 25 Millionen Menschen starben! Und hoffentlich ist es noch nicht einmal die Hongkong-Grippe, die allein in Deutschland 1968 mehr als 30.000 Tote forderte (weltweit bis zu 2 Millionen).

Was zumindest zeigt, dass Corona gar nicht so einzig- und neuartig ist, wie es manchmal dargestellt wird. Grippe-Pandemien gab es immer schon – neben der Spanischen und der Hongkong-Grippe übrigens auch noch die Russische Grippe (1890 bis 1895, 1 Million Tote) und die Asiatische Grippe (1957/58, 1 bis 2 Millionen Tote). Beruhigen kann das aber natürlich in keinster Weise.

Hoffnung könnte man aber aus einem anderen Umstand schöpfen: In China scheint sich das Leben zu normalisieren, die Zahl der Neuinfektionen geht deutlich zurück. Insgesamt hätte China damit gut zwei Monate unter der Hochphase von Corona gelitten. Auf Deutschland übertragen würde dies bedeuten, dass wir spätestens am 9. Mai wieder aufatmen könnten – immer vorausgesetzt, das Virus verhält sich genau so, wie es das im Januar in China tat.

Und vorausgesetzt: Alle Menschen halten sich an die strikten Notmaßnahmen, welche die Politik vorgibt. Einfach mal (mindestens) zwei Wochen zu Hause bleiben (bei allen, bei denen das geht): Nach allem, was die Virologen sagen, wäre das die beste Möglichkeit, um Corona so schnell wie möglich den Garaus zu machen!

Dienstag, 17. März 2020

Ich finde die Idee gar nicht so schlecht: Warum verschieben wir die diesjährigen Sommerferien nicht ausnahmsweise in den Herbst? Gelesen habe ich das heute in einem AHGZ-Interview mit dem Dorint-Eigentümer Dirk Iserlohe. Erst musste ich zwar etwas stutzen, inzwischen bin ich der Ansicht, man sollte darüber nachdenken.

Denn die Vorteile sind klar: Wenn im Sommer keine Sommerferien sind, also alle Leute zu Hause wären, ließen sich viele der ausgefallenen Tagungen, Kongresse und Messen nachholen. Das wäre für die Tagungsveranstalter ebenso vorteilhaft wie für Messebauer, Caterer und Tagungshotels: In der sonst Event-freien Zeit könnten sie einen Teil von dem wiedergutmachen, was sie im Frühjahr verloren haben. Zumal die Messestände ja produziert und die Messen vorbereitet sind.

Und auch die Familien und die Reisebranche würden profitieren. Denn für einen längeren Herbst-Urlaub würden – zumindest in 6 oder 7 Wochen – ganz sicher mehr Menschen buchen als für einen Sommer-Urlaub. Warum also die Sonne des Südens nicht einfach mal im November genießen?

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