Meine Woche | KW 40

Von Corona-Tristesse und vom Glücklichsein

Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel
FVW Medien
Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel

An dieser Stelle berichtet BizTravel-Chefredakteur Oliver Graue über seine Woche im Business Travel.

Freitag, 25. September 2020

Die zweite Corona-Welle rollt mit aller Wucht auf uns zu, und die Stimmung in der Geschäftsreise-Branche verschlechtert sich zunehmend. Inzwischen rechnen immer weniger Unternehmen und Anbieter damit, dass sie bereits in den nächsten 6 Monaten wieder einigermaßen "normal" unterwegs sein werden.

Bei der jüngsten Runde des VDR-Barometers sagten statt wie im August noch 4,0 Prozent nun mehr als 16 Prozent der Travel Manager, dass sie mit firmeninternen Reisebeschränkungen über das 1. Quartal 2021 hinaus rechnen. Immerhin 60 Prozent sagten, kurzfristig entscheiden zu wollen, ob und wann es mit ihren Dienstreisen wieder losgeht.

Der Absturz ist besonders tief, da ausgerechnet im vergangenen Jahr die Ausgaben für Geschäftsreisen ein Rekordniveau erreichten. Laut neuester VDR-Geschäftsreiseanalyse gaben die deutschen Unternehmen 2019 mehr als 55,3 Mrd. Euro fürs berufliche Unterwegssein aus. Das ist so viel wie niemals zuvor.

Und: Auch nach Corona wollen fast 40 Prozent der Firmen nur noch "geschäftskritische" Business-Trips zulassen – alles andere soll ins Internet abwandern, sprich: in Webkonferenzen. Die große Mehrheit der Unternehmen geht daher davon aus, dass sich die Zahl der Geschäftsreisen in der Zukunft um bis zu 30 Prozent verringert.

Ob es tatsächlich zu diesem immensen Volumenrückgang kommt, muss erst einmal abgewartet werden. Sollte es einen Impfstoff geben, der das Reisen wieder ermöglicht, werden die einen oder anderen sicher erneut umdenken. Davon bin ich überzeugt – zumal es bei Geschäftsreisen immer auch um die soziale Komponente geht, um Small Talk und um persönliches Kennenlernen. Und nicht allein um den nüchtern-fachlichen Faktenaustausch.

Dass sich der Markt schon in ein oder zwei Jahren erholen wird, glaube ich allerdings auch nicht. André Lüthi vom Schweizerischen Reiseverband SRV bringt es gut auf den Punkt. Unserem Schweizer Partnermagazin Travel Inside sagte er, die Reisebüros und die anderen Branchenmitglieder müssten jetzt "alle in eine Art Winterschlaf gehen". Mit dem Geld, das noch vorhanden sei, müssten "die lebensnotwendigen Funktionen so lange wie möglich aufrechterhalten" werden. Dramatisch werde es nur, wenn auch Ende 2021 die Welt immer noch dicht sein sollte.

Dienstag, 29. September 2020

Bei aller Tristesse, die das Virus und der Markt derzeit bieten, gibt es natürlich auch Glück. Dazu muss man allerdings nach Liechtenstein fahren – immerhin ein Land mit vergleichsweise niedriger Corona-Ansteckungsgefahr. Unter dem Motto "Global Happiness" (also "weltweites Glück") startete dort dieser Tage eine Ausstellung, organisiert vom Schweizer Entwicklungsdienst Helvetas.

"Global Happiness" handelt nach Auskunft der Initiatoren von einer glücklichen, nachhaltigen Welt und nimmt die Frage auf, wie alle Menschen auf der Erde zufrieden und innerhalb der Ressourcen des Planeten leben können. "Das Glücksstreben ist eine alte, weltweite Sehnsucht des Menschen", heißt es in der Einladung, die ich dieser Tage bekommen habe: "Wie kann dieses nachhaltige Glück aussehen?"

Jeder Besucher kann in der Ausstellung übrigens sein eigenes "Glücksniveau" testen, und natürlich geht es um das "Bruttonationalglück" in Bhutan. Und: Im Rahmen des "Glücksfundus" präsentieren Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner, was für sie persönlich Glück bedeutet. Dazu soll in den kommenden Wochen die Sammlung von Glücksobjekten stattfinden.

Das hört sich fast nach viel zu viel Glück an – mitten in Corona-Zeiten.

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