Meine Woche | KW 35

Entspannt, lax, einfach – Deutschlands Corona-Politik

Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel
FVW Medien
Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel

An dieser Stelle berichtet BizTravel-Chefredakteur Oliver Graue über seine Woche im Business Travel.

Montag, 24. August 2020

Ist Ihnen zu warm unter der Maske? Finden Sie die Reiseregeln für die verschiedenen Urlaubsziele vewirrend? Empfinden Sie ein oder zwei Stunden Wartezeit für einen Corona-Test nach dem Urlaub als zu lang? Wer Fragen wie diese mit "ja" beantwortet, der sollte niemals auf die Idee kommen, nach China zu reisen – jedenfalls nicht in Corona-Zeiten: Er (oder sie) würde verzweifeln. Denn unsere deutschen Corona-Maßnahmen sind geradezu lächerlich – verglichen mit dem, was an Regelungen für einen China-Trip nötig ist.

Ein Freund, der in China arbeitet, ist Ende Juli zu einem Heimaturlaub nach Deutschland gekommen – erstmals seit Corona-Ausbruch. Dass für einen Hin- und Rückflug derzeit gut 3000 Euro hinzublättern sind (für die Economy Class), nahm er hin. Auch wurde sein Flug vor dem endgültigen Abheben mehrfach verschoben – um mehrere Tage. Zum Glück zeigte sich sein Arbeitgeber flexibel, was das genaue Urlaubsdatum anging.

Als immenser Aufwand erwiesen sich hingegen die vor dem Rückflug zu erledigenden Formalitäten. So musste nicht nur ein ganz neues Visum beantragt werden, natürlich persönlich im Konsulat (obwohl mein Kumpel über ein Dauervisum verfügt, dessen Gültigkeit wegen Corona jedoch ausgesetzt ist). Auch musste er bereits zwei Tage vor seinem Flug nach Frankfurt reisen, um dort einen ersten Corona-Test vorzunehmen. Dort blieb er kurzerhand bis zum Abheben – es hätte sich nicht gelohnt, noch einmal hin- und herzufahren.

Außerdem konnte er die Zeit nutzen, um die gefühlt 100 Angaben über sich zu machen, die China von ihm schriftlich verlangt – samt "schneller epidemiologischer Untersuchung". Auch die fünfseitige "Flughafen- und Quarantäne-Checkliste" galt es noch durchzuarbeiten mit wichtigen Hinweisen dazu, was man sich noch in Deutschland für die zweiwöchige Isolation besorgen sollte (auf die empfohlene Yoga-Matte hat er meines Wissens jedoch verzichtet). Obligatorisch hingegen war es, das zuständige Nachbarschaftskommittee in China zu informieren.

Die wirklichen Hindernisse hat er allerdings noch vor sich: Natürlich werden in China weitere Corona-Tests fällig, am Flughafen beträgt die Wartezeit durchschnittlich vier bis fünf Stunden. Allein fürs Aussteigen aus der Maschine (jeweils in 50er-Gruppen) werden zwei Stunden veranschlagt.

Zudem muss mein Kumpel, bevor er an seinen chinesischen Wohnort zurückkehren kann, zunächst für zwei Wochen in strikte Selbstisolation in ein vom chinesischen Staat ausgewähltes Hotel. Sein Zimmer darf er nicht verlassen, die Hotelkosten von etwa 1600 Euro muss er selbst tragen. Zu essen gibt es natürlich "chinesisch": Wer's nicht mag, hat die Chance auf eine wirksame Diät. Eine Kleinigkeit sind die täglichen Fiebermessungen.

Damit nicht genug. Nach Zentralquarantäne und erneutem PCR-Test darf er zwar an seinen Wohn- und Arbeitsort reisen, muss sich dort aber erneut für eine Woche in Quarantäne begeben – es könnte ja auf der (nicht allzu langen) innerchinesischen Reise etwas passiert sein ...

Gibt es noch irgendjemanden, der sich über die angeblich "so strengen" deutschen Corona-Regeln beschwert?!

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