Meine Woche | KW 27

Zwischen Wumms, Bumms und R-Werten

Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel
FVW Medien
Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel

An dieser Stelle berichtet BizTravel-Chefredakteur Oliver Graue über seine Woche im Business Travel.

Dienstag, 30. Juni 2020

Als jemand, der beruflich jeden Tag mit dem geschriebenen (naja, getippten) Wort zu tun hat, interessiere ich mich sehr für Begriffe, die man nicht so häufig hört – oder sogar erstmals. Sei es, weil es sich um Neuschöpfungen handelt, also um Innovationen, oder sei es, weil diese Wörter schlicht der Vergessenheit anheimgefallen und aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verschwunden sind.

Eine ehemalige Kollegin hat es sich sogar zum Hobby gemacht, "vergessene" Wörter zu sammeln. Lotterbube, Morgenblau, Bandsalat, Hagestolz, Glücksblümchen, Luftikus oder Juni-Traum – vermutlich fallen jedem nicht mehr ganz so jungen Leser dieser Kolumne solche Begriffe ein, wenn er oder sie einmal genauer darüber nachdenkt. Am besten natürlich in einem ruheseligen, schneeglücklichen Augenblick.

Daneben stehen die völlig neuen Begriffe – und damit meine ich jetzt nicht die Jugendsprache, sondern die Wörter, die uns die Corona-Krise beschert hat. Oder haben Sie früher jemals über R-Werte, Aerosolwolken, Alltagsmasken oder Kernfamilien nachgedacht? Über Kontaktsperren, Spuckschutzscheiben oder Exit-Strategien?

Was die Anglizismen angeht, also schrecklich "denglische" Begriffe wie Home Schooling, Lockdown oder Social Distancing, hoffe ich ja auf ein schnelles Verschwinden – denn die bereichern unsere Sprache nicht, sondern verderben sie.

Die große Frage ist dennoch: Welche Wörter werden dauerhaft bleiben – also nach Corona? Na klar, über Klopapier wird man auch in Zukunft sprechen, und der Ausspruch "bleiben Sie gesund!" könnte zumindest bei einer kleinen Minderheit weiterbestehen.

Am "Virologen-Podcast" hingegen hänge ich nicht (auch wenn ich ihn inhaltlich sehr schätze), so dass am Ende vielleicht nur zwei Begriffe überleben: Wumms und Bumms. Denn wir wissen: Sollte es einen schnellen wirtschaftlichen Wiederaufschwung geben, dann verdanken wir diesen dem "Wumms". Und gibt es ihn nicht, dann ist aus dem Milliardenprogramm der Bundesregierung eben ein "Bumms" geworden.

In diesem Sinne: ein wummsig-schöne Woche!


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