Mehr als nur ein Stopp nach Cornwall

Bristol und Bath wollen Veranstaltungsplaner locken

Gut bewachte Fähre
Alle Fotos: Andreas W. Schulz
Gut bewachte Fähre

Bristol stand einst für Arbeitslosigkeit und Architektursünden. Längst jedoch hat sich die Stadt zur Kulturmetropole gewandelt. Und das benachbarte Bath trägt das Prädikat als Unesco-Weltkulturerbe.

Was haben Wallace & Gromit, Banksy, Cary Grant und Robinson Crusoe gemeinsam? Klar, sie alle kommen aus Bristol. Kaum eine Stadt in England hat in ihrer rund 1000-jährigen Geschichte so viele Wendepunkte erlebt. Bristol wurde im 18. Jahrhundert durch den Sklavenhandel reich, erlebte in den 1970er-Jahren intensiv den Niedergang der Hafenindustrie und strukturellen Wandel der britischen Wirtschaft.

Damals verband der Name Bristol Arbeitslosigkeit und Architektursünden. Heute ist die Stadt, die mehr als 450.000 Einwohner zählt, nicht mehr wiederzuerkennen. Bildung und Kultur stehen hoch im Kurs. Die Akademikerrate ist mit die höchste im ganzen Land, die Universität von Bristol genießt einen exzellenten Ruf und Aerospace (Airbus), Finanz- , Film- und Kommunikationsbranche sichern gut bezahlte Jobs. Bristol präsentiert sich dem Besucher als eine Stadt, die zu leben weiß, kulturell, bunt, kommunikativ und kreativ.

Banksy-Girl
Andreas W. Schulz
Banksy-Girl

Auch für das Veranstaltungsgeschäft fühlt sich Bristol gut aufgestellt, mit spektakulären Orten, etwa im noch neuen Museum Being Brunel des genialen Ingenieur Isambard Kingdom Brunel (1806 bis 1859). Zu seinen Bauten gehört auch die 215 Meter lange Hängebrücke Suspension Bridge, die in 75 Metern Höhe über den Fluss Avon in Bristol führt, sowie das wohl größte und spektakulärste Dampfsegelschiff SS Great Britain. Dieses beföderte für die damalige Zeit luxuriös Passagiere bis nach New York und umsegelte die Welt 32-mal.

Ganz neu ist das Aerospace Bristol Museum: Hier können die Gäste unter den imposanten Tragflächen der letzten im Liniendienst eingesetzten Concorde (der letzte Flug fand am 26. November 2003 statt) von British Airways Platz nehmen und beim Galadinner ahnen, wie das Reisen mit 2,5-facher Schallgeschwindigkeit war.

Wer in Bristol ist, sollte sich Zeit nehmen, die vielen Angebote der Stadt und der Region kennenzulernen. Mit dem Nachbarort Bath, der nur 12 Bahnminuten von Bristol entfernt liegt, öffnet sich dem Besucher eine Zeitreise von der antiken Therme der Römer bis zur klassizistischen zeitlos eleganten Architektur des 18. Jahrhunderts. Diese prägt noch heute das Stadtbild.

Suspension Bridge in Bristol
Andreas W. Schulz
Suspension Bridge in Bristol

Kein Wunder, dass Bath das Prädikat als Unesco-Weltkulturerbe erhalten hat. Auch Bath bietet Plätze für exquisite Veranstaltungen. Besonders spektakulär dürfte die neue Therme The New Royal Bath sein, die die alte Salus-Per-Aquam-Tradition (also Heilung durch Wasser) fortführt. Die moderne Therme, die 2006 öffnete, bietet über mehrere Etagen 40 verschiedene Behandlungsformen an. Der Höhepunkt ist aber das offene Bad auf dem Dach des Gebäudes, wo man bei 33,5 Grad einen fantastischen Blick auf die imposante Bath Abbey und die historische Altstadt hat.

Normalerweise ist dieser Platz für Veranstaltungen nicht zugänglich. Die Therme plant aber, wie Alex Whitfield, der Marketing- und Kommunikationsmanager sagt, „zukünftig Veranstaltungen nach dem Publikumsverkehranzubieten“. Gleich gegenüber der Therme befindet sich das Fünf-Sterne-Hotel The Gainsborough Bath SPA, das dem Betreiber der Therme, den YTL-Hotels gehört.

Kathedrale von Bristol
Andreas W. Schulz
Kathedrale von Bristol

Das kleinere Bath mit rund 85.000 Bewohnern hat im Vergleich zu Bristol wesentlich weniger Hotelkapazitäten anzubieten, gerade zu den saisonalen Spitzenzeiten. „Da ist es gut, wenn Bristol quasi um die Ecke liegt“, wie es salopp Neil Priscott, der Marketingchef von Visit Bath ausdrückt.

Zugleich zieht der Tourismusmagnet Bath mit 6 Millionen Besuchern im Jahr hauptsächlich Tagesgäste an. Dasselbe gilt für Bristol – zum Unwillen der Stadt. „Die Region Bristol/Bath hat ein fantastisches und einfach zu erreichendes Umland wie Wiltshire mit Stonehenge, Avebury oder Salisbury. Es ist einfach schade, dass viele Gruppen auf dem Weg nach Cornwall hier oft nur einen kurzen Zwischenstopp von wenigen Stunden machen“, sagt Jon Chamberlain, Marketingchef von Visit Bristol.

Römische Therme in Bath
Andreas W. Schulz
Römische Therme in Bath

Das ist noch eine Herausforderung für die beiden Städte, die eng miteinander kooperieren. Vielleicht hilft da das Great West Way Projekt, eine von London bis Bristol führende 125 Meilen-Wegstrecke, die schon im Mittelalter von Englands Königen ausgearbeitet wurde. „Diese Strecke, die von landschaftlichen und historischen Besuchspunkten gekrönt ist, ist jetzt in einem groß angelegten millionenschweren Projekt entwickelt und ausgebaut worden und kann sowohl per Auto, Eisenbahn, auf dem Fluss beziehungsweise Kanal, per Fahrrad oder zu Fuß erkundet werden“, sagt Florence Wallace, die Travel Trade & PR Managerin von Visit Wiltshire.

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