Lufthansa-Chef

Wir sind die Guten der Globalisierung

Alexandre de Juniac und Carsten Spohr
Andreas W. Schulz
Alexandre de Juniac und Carsten Spohr

Klimaschutz, Steuern, Politik und Wirtschaftlichkeit – darüber diskutierten Fluggesellschaften und Politiker bei einer Tagung der internationalen Luftfahrt in Berlin. "Wings of Change" – in Anspielung auf den Scorpions-Hit –, so war die Iata-Konferenz überschrieben.

"Der Tourismus", sagt Lufthansa-Chef Carsten Spohr, "ist die einzige globale Industrie, die für stabile Konditionen sorgt. Wir in der Luftfahrt sind die Guten in der Globalisierung. Ohne uns gäbe es keine Globalisierung." Mit diesen Worten machte Spohr bei der Veranstaltung des internationalen Luftfahrtverbandes Iata in Berlin gleich zu Beginn klar, dass er die Branche aus der Defensive wieder "in die Offensive" bringen möchte: "Wir müssen klarer in der Öffentlichkeit sagen, was unsere Branche zum Thema Nachhaltigkeit tatsächlich leistet."

Damit setzte er auch einen Hieb gegen die Politik, die durch den parlamentarischen Staatssekretär des Verkehrsministeriums, Steffen Bilger, vertreten war. Spohr beschwerte sich, "dass der weitaus größte Teil der Einnahmen der Luftverkehrssteuer nicht für die Umwelt eingesetzt wird. Mit zwei Milliarden Euro könnte man eine ganze Menge machen. Deshalb bin ich enttäuscht".

Bilger zeigte zwar Verständnis und gab zu, "dass der Luftverkehr unter einem enormen Wettbewerbsdruck stehe und mit weiteren Marktaustritten zu rechnen sei". Doch so richtig glauben wollten ihm die Manager der Fluggesellschaften diese Worte nicht. Immerhin signalisierte Bilger, "in den nächsten Jahren 200 Mio. Euro für die Erforschung alternativer Kraftstoffe einzusetzen".

Auch Filip Cornelis, Direktor für Luftfahrt bei der EU in Brüssel, hob hervor, dass die neue Kommission unter Ursula von der Leyen für sich das Thema Nachhaltigkeit prominent platziert hat. "Mittelfristig werden synthetische Kraftstoffe entscheidend dafür sein, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Wir sehen dabei das Power-to-Liquid Verfahren als förderungswürdig an." Eine Forderung, die die Branche schon länger der Politik vorhält, hier endlich aktiver zu werden.

Auch wurde von vielen Beteiligten die mittlerweile seit Jahrzehnten anstehende Reform der Luftverkehrskontrollzentren über Europa angesprochen, der sogenannte "Single European Sky". Für den Iata-Chef Alexandre de Juniac ein anhaltender Albtraum: "Es ist unglaublich, am Boden haben wir keine Kontrollen mehr, aber unverändert in der Luft." Mit einer dynamischen Vereinheitlichung und Effizienz der sogenannten ANP (Air Navigation Service Providers) wäre eine CO2-Einsparung von rund 10 Prozent mit einem Schlag über Europa möglich.

"Bisher wird dies durch nationale Egoismen blockiert", wie der Chef der polnischen Airline LOT, Rafal Milczarski, frustriert feststellt. Einen endlichen Durchbruch erhofft man sich von der kommenden deutschen EU-Präsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte 2020.

Die Fluggesellschaften, die mit einer "Marge von sechs Euro pro Passagier leben müssen", sagt de Juniac, erhofften sich besonders durch den Einsatz neuer moderner Flugzeuge und Techniken, bis zu 20 Prozent Treibstoff einzusparen. Spohr verweist dabei auf gewaltige Investitionen, die auch dem Klima zu Gute kommen: "25 Prozent unserer Kosten sind Treibstoff. Wenn wir neue Flugzeuge bestellen, bekommen wir sie in 5 Jahren geliefert und fliegen sie dann 25 Jahre. Ein langer Zeitraum, der sorgfältig geplant sein muss."
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