Lounges am Flughafen

Geschäftsreisende im siebten Himmel

Flughafen-Lounges trumpfen mit ungewöhnlichen Ideen und Konzepten auf. BizTravel sagt, wie Premium-Passagiere verwöhnt werden.

Geschäftsreisende als Lounge-Hopper

Für Meilenmillionäre, Business- und First-Reisende sind sie eine Selbstverständlichkeit: die mehr als 1000 Wartesäle der modernen Art an den internationalen Flughäfen. Vor allem Geschäftsreisende, die längere Transferzeiten zu überbrücken haben, können in den Lounges arbeiten – oder sich noch mal kräftig entspannen. Ein Plus, auf das auch Economy-Passagiere nicht verzichten müssen. Weil Unternehmen in der Krise ihre Reiserichtlinien verschärft haben, dürfen zwar viele Geschäftsreisende nicht mehr vorn im Flieger Platz nehmen. Doch manche Airlines und Luftfahrtallianzen bieten den Zutritt alternativ gegen eine Gebühr an. Einige externe Dienstleister haben daraus sogar ein Geschäftsmodell gemacht.

Welche Lounge am schönsten ist, wo es das beste Essen gibt und an welchen Flughäfen das Personal am nettesten lächelt – das ist natürlich vor allem Geschmackssache. Lounge-Hopper teilen ihre Erfahrungen im Internet mit, und wer auf der Seite www.youtube.com die Stichworte „Lounge“ und „Airport“ eingibt, kann sich in 2000 Videos schon vor seiner Abreise ein Bild machen. Tatsache ist: Die größten und edelsten Wartesäle richten die meisten Airlines in ihren Heimat-Airports ein.

Die Lufthansa Tower Lounge in Frankfurt ist ein Beispiel dafür – aber auch die fast ebenso neuen First-Class- und Welcome-Lounges. In Ersterer können sich Erste-Klasse-Passagiere der größten deutschen Fluglinie in einem Wellness-Bereich von den Strapazen ihres Flugs erholen. „Natürlich ist das noch etwas fremd für die Besucher, doch das Interesse ist groß“, sagt Lufthansa-Manager Jan Bärwalde. Was auch daran liegen mag, dass 80 Prozent der Wartegäste Männer sind, und für die gehören „Hot Rock Body Massagen“ oder „Wake Up Scrubs“ eben noch nicht zum Alltag.

Sie vergnügen sich eher im Wii-Raum. Und schwenken dort ihre Arme und Beine vor dem Nintendo-Bildschirm. Oder sie legen sich in einem der beiden Tagesräume aufs Ohr. Oder testen die 80 Whiskey-Sorten, die an der Bar bereitstehen. Gut 300 Personen halten sich laut Bärwalde an guten Tagen in der Lounge auf: wohlhabende Mitbürger, Minister, Diplomaten, Geschäftsführer, gut verdienende Manager, Filmstars. Fast wie Fremdkörper wirken da die Mitglieder der britischen Rockband, die in abgetragenen Jeans und mit wuscheligen Haaren vor der Rezeption stehen.

Emirates am Düsseldorfer Flughafen

Ebenso neu ist die Welcome Lounge. Sie gibt ankommenden Langstrecken-Reisenden der First und Business Class die Möglichkeit, sich unter die Dusche zu stellen, ihren Anzug aufbügeln zu lassen oder sich für das bevorstehende Kunden-Meeting am Frühstücksbüfett ausgiebig zu stärken. Zu den Lounges, die immer wieder prämiert werden, zählen die Angebote der Golfstaaten. In Dubai etwa hat die Fluggesellschaft Emirates ihren Business-Saal mit Wasserfontäne, vielen Palmen und über 400 Ledersesseln ausgestattet. Konkurrent Qatar Airways betreibt in Doha sogar ein Terminalgebäude, das allein First- und Business-Class-Passagieren vorbehalten ist. Inbegriffen sind Konferenzräume, Massagen und Kinderbetreuung.

Letztere wiederum hat Emirates quasi ausgegliedert: Um allein reisende Kinder kümmert sich die Fluggesellschaft in ihrer Lounge für „unbegleitete Minderjährige“. Dort können die kleinen Gäste malen, lesen und fernsehen. In Deutschland hat Emirates übrigens gerade am Düsseldorfer Flughafen ihren größten Wartesalon hierzulande eröffnet. Dessen Einrichtung orientiert sich am großen Vorbild Dubai, und inklusive ist auch hier der persönliche Chauffeur-Service: Ein Taxi bringt First- und Business-Gäste von zu Hause zum Flughafen.

Himbeerroter Billardtisch

Eine gediegene, ruhige Atmosphäre, Ledersessel, Fernseher, Tageszeitungen aus aller Welt und Snacks: Das ist heutzutage internationaler Standard, was die Ausstattung der Lounges angeht. Manche Warteräume verfügen darüber hinaus über Duschen, Wäscheservice und Gebetsräume. Dass es auch ungewöhnlicher geht, zeigen Beispiele wie das „Clubhouse“ von Virgin Atlantic in London-Heathrow. Multimilliardär Richard Branson, Gründer und Besitzer der Airline, bietet seinen wartenden Premium-Gästen darin ein kleines Kino, einen himbeerroten Billardtisch, „Clubhouse Burger“ gegen den Hunger, eine Kinderecke sowie Selbstbräuner-Duschen. Und empfangen werden die Passagiere gleich von einem Schuhputzer, der ihre Schuhe zunächst auf Vordermann bingt. Stil muss sein.

Ein Paradies für rauchende Geschäftsreisende

Die australische Qantas fährt in Sydney für ihre First-Class-Passagiere einen der besten Köche des Kontinents auf: Neil Perry, berühmt für seine Schwertfischsteaks. Die Sitzecken der Lounge ähneln einem 50er-Jahre-Hotel, und die 30 Meter lange Wand ist ein botanischer Garten, vertikal begrünt mit 8400 Pflanzen. In Zürich tut die Swiss etwas für die rauchenden Business-Class-Kunden: Sie, die sonst in kleine Glaskästen oder nach draußen verbannt werden, dürfen hier bequem an der „Smokers Bar“ Platz nehmen. Zu den architektonisch futuristischen Modellen zählen die frisch eröffneten Lounges von ANA (All Nippon Airways) in den japanischen Flughäfen Fukuoka und Sapporo. Sie sind im trendigen Japan-Design gehalten. Trotz aller Unterschiede haben alle Konzepte am Ende eines gemeinsam: Sie sind licht, luftig, verspielt und beruhigend. Also genau so, wie man sich Flughäfen landläufig eigentlich nicht vorstellt.

Lounge-Zutritt für alle Passagiere

Auch Economy-Passagiere brauchen auf Entspannung in einer Flughafen-Lounge nicht zu verzichten. So bieten vereinzelt Fluggesellschaften oder Airports den Zugang gegen Eintrittsgeld an. Dies gilt etwa für die Vip-Lounge in Frankfurt (vorherige Anmeldung) und die Europa-Lounge in München, die auch Karteninhaber beispielsweise von Airplus (15 bis 20 Euro Eintritt) oder Mastercard bzw. Visa (jeweils 24 Euro) nutzen dürfen. Für die Hugo-Junkers-Lounge in Düsseldorf zahlen Kreditkartenbesitzer pauschal 16,50 Euro, in Hamburg werden pro Besuch 23,80 Euro berechnet.

Externe Dienstleister bieten darüber hinaus spezielle Produkte an, die den Lounge-Zugang auch Gästen der Touristenklasse gestatten. Größter Anbieter ist Priority Pass: Je nach Höhe der Selbstbeteiligung beim einzelnen Lounge-Besuch zahlt man für die Mitgliedschaft zwischen 99 und 399 Euro (freier Eintritt). Dafür dürfen weltweit 600 Lounges besucht werden. Airplus-Karten-Besitzer erhalten auf diese Gebühren im ersten Jahr Abschläge.

Das erwartet Geschäftsreisende an den großen Flughäfen

Klangsessel: Frankfurt Von sanften Klängen umhüllt lässt es sich in der neuen Lufthansa Tower Lounge am Frankfurter Flughafen entspannen. Wer sich in einen der kreisrunden Sonic Chairs (Klangsessel) setzt, hat die Wahl zwischen Popmusik, einem Symphonie-Orchester und einem spannenden Hörspiel.

Neu: Riga Frisch eröffnet hat Air Baltic ihre Business-Class-Lounge in Riga. Bei lettischem Bier und mit Blick auf die Startbahn lässt sich die Wartezeit auf den Anschlussflug gut verbringen. Außerdem stehen sieben Internet-Computer bereit.

Wein: Paris Brandneu ist der weiträumige Business-Class-Salon von Air France am Terminal 2E, eine von acht Lounges der Airline am Flughafen Paris-CDG. Und wie es sich für Franzosen gehört, können die Gäste aus einem reichhaltigen Weinangebot wählen.

Kanada Das Ahornblatt ist das Nationalsymbol Kanadas – und „Ahornblatt“ (Maple Leaf) nennt Air Canada auch ihre 20 preisgekrönten Lounges im Land. Bequeme, ergonomische Ledersessel gehören ebenso dazu wie handyfreie Zonen.

Japan Gleich zwei neue Lounges an den Airports Fukuoka und Sapporo hat ANA eröffnet. Im trendigsten Japan-Schick gehalten, liegen die Salons gleich hinter der Sicherheitskontrolle. Erst vor einem Jahr wurde die Lounge in Tokio-Haneda eröffnet.

Dubai Mit einer riesigen Wasserfontäne, zahlreichen Palmen und über 400 Sesseln ist die Business-Lounge von Emirates in Dubai ausgestattet. Die Essensauswahl ist groß: Das Angebot reicht von Früchten bis hin zu Sushi und Peking-Ente.

Bahrein Einen Hauch Orient versprüht die Lounge der Fluggesellschaft Gulf Air in Bahrein. Der mehrfach ausgezeichnete Warteraum bietet Business-Arbeitsplätze, einen speziellen Familiensektor, Entspannungszonen sowie Gebetsmöglichkeiten.

Kopenhagen Viel Holz und große blaue Sessel sind prägend für die Lounge der Fluggesellschaft SAS in Kopenhagen. Die Atmosphäre ist typisch skandinavisch: ruhig, modern und gemütlich. Zudem gibt’s leckere Snacks und Internet-Computer sowie WLAN.

Zürich Die längste Loungebar aller Fluggesellschaften befindet sich im Business-Bereich von Swiss am Flughafen Zürich: Sie misst genau 28,6 Meter. Der Kaffee gilt als vorzüglich, zudem bietet die Lounge Duschkabinen und Massagesessel.

Bangkok Lederne Schlafsessel, wahlweise schokobraun, blau und violett, stehen Besuchern der Thai-Business-Lounge in Bangkok zur Verfügung. Für Kinder gibt es eine Spielecke, die First-Class-Abteilung offeriert sogar fünf Wohnzimmer.

Qatar Weit mehr als „nur“ eine Lounge: Qatar Airways bietet ihren Firstund Business-Passagieren gleich ein eigenes Terminal in Doha. Wellness, Duty-free, Konferenzräume, Kinderbetreuung und ein Business-Center zählen zu der Premium-Offerte.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats