Lesetipp

Poetische Reise zu sich selbst

Dörlemann

Nach seinem Geburtsdatum hat Dag Solstad – gefeierter Schriftsteller in Norwegen – sein Buch "16.7.41" benannt. Darin beschreibt er seine Jahre in Berlin ebenso wie die Rückkehr an seinen Geburtsort Sandefjord.

Knapp 20 Jahre ist es her, dass Dag Olstad für einige Zeit in Berlin lebte. Der heute 79-Jährige, der als einer der wichtigsten Schriftsteller gilt, beschreibt diese Monate in seinem Buch "16.7.41". Der Titel ist übrigens sein Geburtsdatum – um eine Autobiografie handelt es sich bei diesem Buch aber nicht. Und Solstad bestreitet sogar, dass der echte Solstad mit der Hauptfigur desselben Namens in seinem Buch identisch ist. Davon aber darf man natürlich ausgehen.

Dabei ist sein Werk, das er zwar als "Roman" bezeichnet, das aber eher aus zerstreuten Geschichten und Gedanken besteht, zweigeteilt. In einem ersten Teil berichtet Solstad über das Berlin der 0er-Jahre, wie er ziellos durch die Straßen und Kneipen zieht, was ihm gefällt und was gar nicht.

Deutlich poetischer fällt der zweite Teil aus. Darin reist er zurück in seine Kindheit – sowohl gedanklich als auch wirklich, weil er an einem Treffen mit seinen ehemaligen Klassenkameraden teilnehmen will. Nicht erst an seinem Geburtsort Sandefjord begegnet er dabei seinem lange und früh verstorbenen Vater, sondern schon auf einem Flug nach Frankfurt meint er ihn in einer Wolkenformation zu erkennen.

Immer geht es in seinen Überlegungen um Themen wie das Sich-Zurechtfinden im Leben, um Glück und Ruhe einerseits, aber auch um Verdrängtes und Vergessenes, um Bruchstellens des Daseins. Vor allem jedoch geht es um das eigene Schreiben, über das Solstad sinniert – ohne sich selbst dabei zu schonen.

Dag Solstad: 16.7.41. Erschienen im Verlag Dörlemann. 280 Seiten, Preis: 22 Euro.

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Erhältlich in den örtlichen Buchhandlungen und direkt beim Verlag.

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