Kreditkarten-Regulierung

Airplus warnt vor dramatischen Folgen

Sollte sich das EU-Parlament damit durchsetzen, die sogenannte Händlergebühr bei Kreditkarten-Zahlung zu reduzieren, könnte sich dies negativ auf die Branche und das Travel Management auswirken, so Airplus.

Patrick Diemer, Geschäftsführer des Kreditkarten-Anbieters Airplus, schlägt Alarm: „Wenn sich das EU-Parlament mit seinen Plänen durchsetzt, die Händlergebühren auf 0,3 Prozent herabzusetzen, würden zum einen die Gebühren für Corporate Cards drastisch steigen“, warnt Diemer. „Zum anderen würden sich die Kräfteverhältnisse in der Kreditkarten-Branche dramatisch verschieben.“ Denn die EU-Pläne sollen nur für Anbieter wie Mastercard und Visa gelten, beides Airplus-Partner. Für US-Wettbewerber American Express hingegen soll die Regulierung nicht greifen. Damit dürfte der Anbieter auch künftig von seinen Händlern beliebig hohe Gebühren erheben – und müsste anders als Airplus nicht auf einen erheblichen Teil seiner Einnahmen verzichten.

Hintergrund: Die Europäische Union will für die Kreditkarten-Zahlung weitaus niedrigere Händlergebühren (sogenanntes Disagio) vorschreiben. Statt wie bislang etwa 1,1 bis 1,5 Prozent sollen Händler, die Kreditkarten-Zahlung akzeptieren, nur noch 0,3 Prozent an den Anbieter entrichten. Dies soll letztlich den Verbrauchern zugute kommen, da die EU glaubt, dass Händler ihre Preise senken werden, wenn sie weniger Gebühren an die Kreditkarten-Herausgeber zahlen müssen.

Die EU-Kommission hatte diese Regelung allerdings bislang ausschließlich für den Markt der privaten Kreditkarten vorgesehen. Folge dürfte sein, dass Kreditkarten-Inhaber dann höhere Jahresgebühren zahlen müssten als bislang. Daraus wiederum würde vermutlich eine Verdrängung des dann teureren Plastikgeldes durch „echtes“ Bargeld resultieren.

Travel Manager zahlen mehr #/ZT#

Nun jedoch hat das EU-Parlament dafür plädiert, die Regulierungsregelung auch im Segment der Firmenkreditkarten umzusetzen, das die EU-Kommission bislang ausdrücklich ausgeschlossen hatte. Würde dies Realität, „müssten wir die Gebühren für die Airplus-Cards deutlich heraufsetzen“, sagt Diemer. Für Travel Manager würde es also teurer werden als bislang. Diemer schätzt, dass Airplus durch eine Disagio-Reduzierung von 1,5 auf 0,3 Prozent auf gut 20 Mill. Euro Einnahmen verzichten müsste.

Als weitaus dramatischer betrachtet er allerdings eine dann drohende Marktverschiebung. Denn die Regulierung soll zwar für Airplus gelten, nicht aber für den Wettbewerber American Express, der nach einem Modell arbeitet, auf das die EU keinen regulierenden Zugriff hat. Folge: American Express hätte einen enormen Preisvorteil und könnte seine Karten weitaus billiger anbieten als die Wettbewerber. „In diesem Fall wiederum könnte es zur Dominanz eines einzigen großen Anbieters kommen“, warnt Diemer, „mit allen negativen Folgen für Unternehmen und Travel Manager, die ein Monopolist nun mal nach sich zieht.“ Die US-Amerikaner sowie Diners beherrschen derzeit schätzungsweise 45 Prozent des europäischen Firmenmarktes.

Die europäischen Anbieter hoffen nun auf den EU-Ministerrat, der sich – nach EU-Kommission und EU-Parlament – als nächster mit dieser Frage beschäftigen wird und in der Regel einen Kompromissvorschlag vorlegt.

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