Kosice

Impressionen aus der Kulturhauptstadt

BizTravel/Oliver Graue

Neben Marseille trägt das slowakische Kosice in diesem Jahr den Titel "Kulturhauptstadt Europas". BizTravel hat sich in der Stadt umgesehen.

Gewiss, Kosice ist eine Industriestadt: Die meisten Menschen kamen in den 40er-Jahren des vorigen Jahrhunderts in die ostslowakische Stadt. Zwischen 1930 und heute vervierfachte sich die Einwohnerzahl: Heute leben knapp 240.000 Menschen in Kosice, das bis 1918 fast 1000 Jahre lang Kaschau hieß, und das von Ungarn und Deutschen geprägt wurde.

Kosice lebt vom Stahl; zu den größten Arbeitgebern zählen aber auch der Energiekonzern RWE und die Deutsche Telekom. Doch Kosice kann mehr als Industrie – es kann Kultur. Eine echte Perle ist die Altstadt, die seit 1995 in einer großangelegten Restaurierung von realsozialistischem Beton und hässlichen KP-Denkmälern befreit wird. Die Hauptstraße Hlavna mäandert wie ein Fluss um eine Insel herum. Auf der wiederum thront das Prunkstück der Stadt: der aus dem 15. Jahrhundert stammende mächtige Elisabeth-Dom.

Eine Straße nur für Handwerker

Noch bis ins 20. Jahrhundert war Kosice bei Künstlern und Mußiggängern populär: Sie bummelten durch die pittoreske Altstadt, besuchten die Theater und verbrachten ganze Tage in den gemütlichen Kaffeehäusern. Eine Atmosphäre des schönen Lebens, die sich in der Stadt zunehmend wieder herausbildet. Längst laden zahlreiche kleine Cafes, in denen der Kaffee noch selbstgeröstet wird, zum Verweilen ein, Restaurants bieten das Nationalmenü Halusky (Spätzle mit Ziegenkäse), und in der Töpfergasse haben sich gut ein Dutzend Kunsthandwerker angesiedelt. In hübschen Läden kann man ihre Produkte zu günstigen Preisen kaufen und ihnen bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Kosice ist auf der Suche nach sich selbst. "Immer waren wir Teil von etwas", sagt Ivana Takacsova vom Fremdenverkehrsamt – Ungarn regierten hier, später die Habsburger, und am Schluss, bis 1993, gehörte Kosice zur nicht mehr existierenden Tschechoslowakei. Der jetzige Staat – die unabhängige Slowakei – ist gerade mal 20 Jahre alt, und vor allem junge Menschen suchen ihre Wurzeln, erforschen die Geschichte. Zu der gehört auch, dass 1944 fast 15.000 Juden aus Kosice nach Ausschwitz geschickt wurden – nur wenige kehrten zurück. Heute wird das jüdische Viertel restauriert.

Die Stadt der fünf Kulturen

Trotz immer wieder mal aufflammender nationalistischer Töne in der Politik: Das Zusammenleben von Slowaken und Ungarn gestaltet sich problemfrei. Die ungarische Minderheit pflegt ihr Brauchtum, hält die Geschichte wach: In Kassa, wie die Ungarn die Stadt nennen, erblickte ihr berühmter Dichter Sandor Marai das Licht der Welt, und Franz Rákóczi, Nationalheld der Magyaren, liegt im Elisabeth-Dom begraben. Zu Problemen kommt es mitunter mit den 5000 Roma in Kosice. Viele von ihnen sind arbeitslos und sozial schwach – mit allen daraus folgenden Konsequenzen.

Slowaken, Ungarn, Deutsche, Juden, Roma – viele Nationen drückten Kosice ihren Stempel auf. Und ihre Kultur. Auch daran erinnert die Stadt im Kulturjahr 2013 mit mehreren Hundert Veranstaltungen bis hin zum Flashmob auf öffentlichen Plätzen. Die bekommen 2013 übrigens neue Namen: Sämtliche Plätze der Stadt werden künftig an die Künstler erinnern, die einst in Kosice lebten.

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Informationen

Flug: Derzeit gibt es nur zwei Möglichkeiten, auf dem Luftweg Kosice zu erreichen: mit Austrian über Wien und mit Czech Airlines über Prag. Ab Sommer soll eine Direkverbindung ab Deutschland mit einem Billigflieger hinzu kommen: Der Airport verhandelt derzeit mit Easyjet, Ryanair und Wizz Air.

Hotels: Das Spektrum an Unterkünften ist breit. Vier-Sterne-Häuser kosten um die 80 bis 100 Euro pro Nacht, eine Alternative sind freundlich geführte Pensionen wie das Horse Inn (um die 60 Euro).

Tagungen: MICE-Kapazitäten bieten zahlreiche Hotels mit Tagungsräumen von 5 bis zu 350 Personen. Das Kongresscenbter Spolecensky bietet 1000 Personen Platz. Für außergewöhnliche Empfänge bieten sich zum Beispiel das historische Rathaus (450 Pers.), das Staatstheater (550), die Kulturfabrik (120) oder die "Untere Brücke" an – ein Teil des unterirdischen Verteidigungssystems der Stadt aus dem 13. Jahrhundert (250 Personen). Das Kosice Convention Bureau hilft bei der gesamten Planung. Infos: www.meetkosice.eu

Kulturhauptstadt: Das komplette Programm findet sich auf www.kosice2013.sk

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