Kommentar zur Preispolitik der Bahn

Geschäftsreisende aufs Abstellgleis

Firmenkunden haben es beim Monopolisten Deutsche Bahn bereits heute schwer. Nun benachteiligt der Schienenkonzern sie noch mehr.

„Wir optimieren unseren Service“ – so lautete die Überschrift einer Pressemitteilung, die wir kürzlich von einer Fluggesellschaft erhielten. Darin kündigte die Airline an, dass sie ihre bis dato im Ticketpreis inkludierten Leistungen wie Snacks und Getränke an Bord künftig zusätzlich berechnet – natürlich ohne den Ticketpreis dafür entsprechend zu senken. Gemeint war mit der Überschrift also eher eine Selbstoptimierung. Formuliert jedoch nach dem Motto: Wir streichen den Service, tun aber so, als wären wir jetzt noch kundenfreundlicher.

Euphemismus – so nennen Fachleute diese Art der Darstellung. Etwas, das im Grund überhaupt keine Vorteile bringt, wird in rosaroten Farben präsentiert. In der Hoffnung, dass der Journalist und die Öffentlichkeit darauf hereinfallen.

Inzwischen scheint sich auch die Deutsche Bahn dieses Stilmittels zu bedienen. „Wir bieten Geschäftsreisenden künftig mehr Flexibilität“, teilte sie mit. Und meinte damit ihr neues (natürlich teureres) Flex-Ticket für die 2. Klasse. Der angebliche Vorteil: Dank einer verlängerten Gültigkeit kann die Dienstfahrt künftig innerhalb von neun Tagen angetreten werden statt an einem einzigen. Dass es bis vor kurzem sogar möglich war, zum Normalpreis eine Rückfahrt innerhalb eines ganzen Monats vorzunehmen, das verschweigt der Konzern.

Und was heißt überhaupt „Vorteil“? Genau betrachtet steckt hinter dem gepriesenen „Flex-Ticket“ nichts anderes als eine Preiserhöhung. Man nennt sie heutzutage nur nicht mehr Preiserhöhung – sondern spricht lieber von (siehe oben) Optimierung. Denn im Gegenzug lässt sich die klassische Fahrkarte künftig nicht mehr kostenfrei innerhalb von neun Tagen stornieren, sondern nur noch bis zum Anreisetag. Wird später gecancelt, lässt sich die DB dies künftig mit 19 Euro bezahlen.

Weitere genannte Initiativen wie das City-Ticket ohne Bahncard nützen höchstens den Endverbrauchern – nicht aber den Firmenkunden. Diese verfügen dank Bahn Corporate längst über die inkludierte ÖPNV-Weiterfahrt. Und auf den Sparpreis können sie gar nicht mehr zurückgreifen.

„Wir halten die neuen Tarifbedingungen der Bahn und die Sparpreis-Entscheidung des DB-Konzerns für äußerst unglücklich, da hier Geschäftsreisende gegenüber anderen Kunden benachteiligt werden“, formuliert es VDR-Präsidiumsmitglied Inge Pirner. Zumal die Bahn darüber hinaus den Travel Managern das Leben immer schwerer macht: Getreu dem Vorbild der Airlines sind die DB-Manager dabei, ein Tarifwirrwarr zu schaffen, in dem keiner mehr den Durchblick hat. Das könnte allerdings gewollt sein. Denn wenn es zu viele Optionen und ein zu großes Ratenchaos gibt, dann bleibt den Firmen ja immer noch der „einfache“ Flex-Preis. Kostet halt mehr.

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