Interaktive Weltkarte

Das sind die Risiko-Länder für Geschäftsreisen

Der Dienstleister International SOS hat seine Risikoprognose für 2020 vorgestellt. Begleitend nahm er eine Umfrage unter 1300 Entscheidungsträgern aus dem Geschäftsreisebereich vor.

Gefährlich bleiben demnach Reisen nach Syrien, Jemen, Libyen und in große Teile Afrikas. Manche Länder auf dem Schwarzen Kontinent wurden erneut heraufgestuft, und auch in Teilen Mittelamerika (Honduras, Belize) sind die Gefahren gewachsen. Auch Geschäftsreisen in Staaten wie Venezuela, Mexiko oder Pakistan stellen weiterhin ein enormes Risiko dar. Umgekehrt zählen Staaten wie Finnland, die Schweiz, Slowenien und Norwegen zu den sichersten der Welt.

Der Sicherheitsdienstleister International SOS hat seine neue Travel Risk Map veröffentlicht. Darauf sind die einzelnen Staaten entsprechend ihrer Risikoeinschätzungen unterschiedlich eingefärbt. Teilweise sind auch nur bestimmte Regionen eines Landes gefährlich. Dabei unterscheidet iSOS nach den Kritierien medizinische Versorgung, Kriminalität und Verkehrssicherheit. Zu einer interaktiven Karte gelang man über den Link:
https://www.travelriskmap.com/#/planner/map/security

Als grundsätzliches  Ergebnis formulierte iSOS diese Top-10-Gesundheits- und Sicherheitsrisiken. Ihnen sollten Unternehmen im Jahr 2020 Priorität einräumen:

1. Risiken resultierend aus geopolitischen Verschiebungen werden die wichtigste Herausforderung im Bereich der Mobilität von Unternehmen sein.
2. Fragen der psychischen Gesundheit werden an Bedeutung gewinnen.
3. Körperliche Gesundheit: Unternehmen müssen sich aktiver um den Schutz der körperlichen Gesundheit ihrer Belegschaft kümmern.
4. Cyber-Kriminalität wird ein zunehmendes Sicherheitsrisiko darstellen.
5. Der Klimawandel wird das Risiko von Umweltkatastrophen verschärfen.
6. Die Zahl der Ausbrüche von Infektionskrankheiten durch bekannte wie auch durch neu auftretende Krankheitserreger wird aufgrund mehrerer Faktoren zunehmen, darunter Klimawandel, zunehmende Urbanisierung, abnehmende Impfraten und Sicherheitsinstabilität.
7. Bleisure-Travel: Die Frage, ob die Fürsorgepflicht der Arbeitgeber auch so genannte Bleisure-Reisen umfasst, wird verstärkt diskutiert werden.
8. Millennials und die Generation Z, die mit anderen Vorlieben, Erwartungen und Einstellungen gegenüber Risiken an den Arbeitsplatz gehen, werden Unternehmen zunehmend herausfordern, ihre Risikostrategien weiter zu entwickeln.
9. Es wird mehr öffentlichkeitswirksame Rechtsstreitigkeiten zum Thema Fürsorgepflicht geben.
10. Start-ups und KMU, die möglicherweise über zu wenig Ressourcen und Erfahrungen verfügen, werden es schwer haben, die Fürsorgepflichten zu erfüllen.

Die Resultate der Umfrage unter den Reiseentscheidern wiederum stellen sich wie folgt dar. Das Unternehmen wollte wissen, welche Faktoren 2020 am ehesten zu Änderungen im Reiseverlauf führen werden:

1. Sicherheitsbedrohungen (68 Prozent) – 23 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
2. Zivile Unruhen (52 Prozent) – 14 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
3. Geopolitische Unruhen (52 Prozent) – 20 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
4. Naturkatastrophen (51 Prozent) – 15 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

51 Prozent der Befragten meinen, dass die Gesundheits- und Sicherheitsrisiken im Jahr 2019 gestiegen sind, 47 Prozent erwarten, dass die Risiken auch im kommenden Jahr steigen werden.

Zusätzlich prognostizieren die befragten Unternehmen, dass folgende drei Faktoren mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit als bisher zu Reiseänderungen führen werden:
1. Epidemien (31 Prozent) – werden für 2020 um 19 Prozentpunkte höher eingeschätzt, als die tatsächlichen Auswirkungen im Jahr 2018 waren.
2. Infektionskrankheiten (35 Prozent) – werden um 17 Prozentpunkte höher eingeschätzt als die tatsächlichen Auswirkungen im Jahr 2018 waren.
3. Inhaftierung und Entführung (29 Prozent) – werden um 17 Prozentpunkte höher eingeschätzt als die tatsächlichen Auswirkungen im Jahr 2018 waren.

"Die Mitarbeiter sind potenziell mit Sicherheitsrisiken in Bereichen konfrontiert, die bisher als sicher galten, wie etwa bei der Wahl der Unterkunft", sagt Martin Bauer, Regional Security Manager Deutschland und Österreich bei International SOS. "Sowohl etablierte globale Organisationen wie auch sogenannte Unicorns müssen dies im Auge behalten, um ihr Personal besser zu schützen und die Widerstandsfähigkeit ihrer Unternehmen zu erhöhen. Der Bedarf wird weiter ansteigen, da voraussichtlich mehr als 40 Prozent der Arbeitskräfte mobil sein werden."

Die sich verändernden Reisegewohnheiten bei Inlands- wie auch Auslandsreisen sowie die Diversifizierung der Belegschaft schaffen Grauzonen, so der Anbieter. Die Arbeitgeber passten die Reiserichtlinien jedoch nicht an neue Risikofaktoren an, und Reisende neigten dazu, die Richtlinien zu missachten, wenn diese die Nutzung bevorzugter Transportmittel oder Unterkünfte nicht vorsehen. Überraschenderweise beziehe weniger als ein Drittel der Unternehmen Cybersicherheit in ihre Reiserichtlinien ein. Eine Missachtung der Fürsorgepflicht könne Rechtsstreitigkeiten und Reputationsschäden nach sich ziehen und sich negativ auf Mitarbeiter und Geschäft auswirken.

- Lediglich 11 Prozent berücksichtigen Shared-Economy-Dienste in ihren Reiserichtlinien.
- Nur 26 Prozent der Unternehmen berücksichtigen die Bedürfnisse weiblicher Reisender in ihren Reiserichtlinien.
- 31 Prozent decken Cybersicherheit ab.
- Einer von zehn Befragten (11 Prozent) berücksichtigt LGBTQ+-Reisende.
- Fragen der psychischen Gesundheit sind in nur 15 Prozent der Reiserichtlinien ein Thema.
- Reisende mit Behinderungen finden nur bei 12 Prozent Regelungen für ihre Bedürfnisse.
- 22 Prozent der Reiserichtlinien enthalten Vorgaben für Bleisure-Reisen.

„Unternehmen investieren jedes Jahr viel Geld in neue Technologien, aber offenbar kaum etwas in die Sicherheit ihrer Mitarbeiter, obwohl neue Technologien am Markt sind", sagt Martin Bauer, Regional Security Manager: "Von Künstlicher Intelligenz bei der Lagebeobachtung über E-Learning-Kurse bis hin zur Lokalisierung von Reisenden wurden Fortschritte gemacht zum Schutz der Menschen." Die Ergebnisse im einzelnen:

- Information und Schulung der Mitarbeiter über Reiserisiken (53 Prozent).
- Kommunikation mit Mitarbeitern während einer Krise (47 Prozent).
- Bestätigung der Kenntnisnahme von Reiseinformationen vor Reiseantritt (45 Prozent).
- Lokalisierung von Mitarbeitern auf Dienstreisen (42 Prozent).
- Krisenmanagement (40 Prozent).
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