Iata schlägt Alarm

Flugzeuge sind voll, aber die Gewinne sinken

Volle Ränge bei der 75. Iata-Jahrestagung in Seoul.
Andreas W. Schulz
Volle Ränge bei der 75. Iata-Jahrestagung in Seoul.

Teures Öl, ein aggressiver Wettbewerb und Überkapazitäten machen der Luftfahrt zu schaffen. Zudem wächst die Sorge, dem explodierenden Passagierwachstum nicht gerecht werden zu können.

Als Lufthansa-Chef Carsten Spohr den neuen Airbus A-350-900 von München zur IATA-Jahrestagung nach Seoul betrat, konnte er zufrieden sein: In allen drei Buchungsklassen war die Auslastung hoch, mit einem auffallend großen Anteil koreanischer Fluggäste – ganz den sehr guten Zahlen entsprechend, die das Drehkreuz München der Lufthansa-Gruppe derzeit beschert.

Nicht ganz so entspannt sah IATA-Boss Alexandre de Juniac zur Eröffnung der mittlerweile 75. Jahrestagung des weltweit größten Luftfahrtverbands die aktuelle und kommende Entwicklung, auch wenn die Branche insgesamt noch schwarze Zahlen schreibt. Innerhalb weniger Monate reduzierte der Verband seine Prognose von 35,5 Mrd. auf nunmehr 28 Mrd. US-Dollar Gewinn. Der Grund sind rasant steigende Ölpreise, die „rund 25 Prozent der operativen Kosten ausmachen", sagt IATA-Chef-Ökonom Brian Pearce. Aber auch die zunehmend instabile Weltwirtschaft mit starken protektionistischen Strukturen spielt eine Rolle.

Hohe Kerosinkosten und Überkapazitäten am Markt

Dabei sieht es auf den ersten  Blick für die Branche ja immer noch passabel aus: volle Flugzeuge, jedoch bei sinkenden Margen, bedingt durch aggressiven Wettbewerb, Überkapazitäten, steigende Stückkosten und natürlich die weiter galoppierenden Ölpreise. De Juniac ist da schon zufrieden, wenn von den 28 Mrd. Dollar umgerechnet auf den einzelnen Passagier eine kleine Marge von 6,12 Dollar bei den Fluggesellschaften hängen bleibt. „Es ist ein ordentlicher Gewinn unter Anbetracht der Umstände“, hebt der IATA-Boss hervor.

Noch sind die Gewinne leicht über den Kapitalkosten, aber die durchschnittliche Netto-Marge der Branche mit gerade einmal 3,2 Prozent ist nicht besonders üppig. Die Branche steht darüber hinaus vor gewaltigen Herausforderungen, weiter ihre CO2-Emissionen abzubauen, um in der Öffentlichkeit nicht permanent am Pranger zu stehen. Das Corsia-Abkommen, welches ab 2020 ein CO2-neutrales Wachstum erleichtern soll, muss bis 2050 die Netto-Emissionen auf die Hälfte der Emissionen von 2005 drücken. Der Verband sieht hier seine Anstrengungen in der Öffentlichkeit zu wenig gewürdigt.

Kritik an fragmentierten Lufträumen

Hier wird auch gern immer wieder die Politik in ihrem Versagen zitiert, etwa die seit Jahrzehnten schwelende Debatte in Europa um einen „Single European Sky“ endlich voranzubringen. IATA-Europa Chef Rafael Schvartzman sieht ein anhaltendes Ärgernis in Europas weiterhin „hoch fragmentierten Lufträumen, mit allein 37 Air-Navigations-Anbietern und 63 En-Route Luftfahrtkontrollzentren. 56.300 Menschen wollen da ihre gut dotierten Jobs behalten“, gibt Schvartzmann ernüchternd zu bedenken.

Die IATA-Jahrestagungen sind zugleich auch immer wieder eine hervorragende Bühne, auf Tuchfühlung mit den Chefs der aktuell 291 Airline-Mitglieder zu kommen. Besonders bewegt hier die Gemüter das anhaltende Flugverbot für die Boeing B-737max. Offiziell verweist die IATA auf ihr Vertrauen in die zuständigen (nationalen) Regulierungsbehörden. Aber es könnte sich ein Szenario abzeichnen, dass etwa die amerikanische Luftaufsichtsbehörde FAA als erste die B-737max wieder fliegen lässt, hingegen andere Behörden etwa in Europa oder Asien ihre abschließenden Prüfungen noch nicht beendet haben.

B-737max-Flugverbot macht weiter Sorgen

Für Airline-Bosse wie Carsten Spohr von Lufthansa oder Choon Phong Goh von Singapore Airlines wäre dies ein Zustand, den es unbedingt zu vermeiden gilt. „Das schafft nicht gerade Vertrauen in der Öffentlichkeit“, warnte Spohr. Auffallend war, dass Boeing selber, obwohl wichtiger Sponsoring-Partner der IATA-Tagung, wie auch Airbus, die Gelegenheit nicht nutzte, sich zum aktuellen Stand der Untersuchungen zu äußern. Für die IATA und ihre Fluggesellschaften ist es am wichtigsten, dem gewaltigen Ansteigen der Passagierzahlen in den kommenden Jahren auch nur ansatzweise gerecht zu werden.

Dazu müssen die Flughäfen ihre Infrastruktur verbessern, heißt es. Schließlich, so hebt de Juniac hervor, „müssen wir unsere Lizenz verdienen, für Sicherheit und Nachhaltigkeit zu stehen. Das sind Aktionen, die heute und nicht erst morgen angepackt werden müssen“.
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