Hotels in Osteuropa

Und immer wieder Luxus

Die Dominanz der Luxusmarken im Osten ist unübersehbar, günstige Hotels fehlen. Travel Manager müssen oft teuer buchen. BizTravel gibt einen Überblick.

Soldaten, Panzer und Raketen auf dem Roten Platz. Eine an Sowjetzeiten erinnernde Machtdemonstration, die zwischen Luxushotels, Edelboutiquen und Pepsi-Leuchtreklame geradezu skurril anmutet. „Unsere Armee und unsere Flotte kommen wieder zu Kräften, ebenso wie unser ganzes Land“, verkündete Präsident Dmitri Medwedew im Mai 2008 stolz. Sein Motto: Wir sind wieder wer.

Diese Manifestation der Stärke wäre gar nicht nötig. Ob Wirtschafts- und Bauboom oder die stabile Konjunktur – ökonomisch ist das Zentrum des einstigen Ostblocks so stark wie seit Langem nicht mehr. Auf internationalen Indizes führt Moskau bereits das zweite Jahr in Folge die Liste der teuersten Städte der Welt an, noch vor dem langjährigen Spitzenreiter Tokio. Vor allem die vielen Geschäftsreisenden treiben die Preise von Immobilien und Hotels weiter in die Höhe. „Hier herrscht Goldgräberstimmung“, sagt Oliver Eller, Chef im erst ein Jahr alten Ritz-Carlton-Hotel nahe dem Kreml.

Die Edelhotels boomen

Das gilt insbesondere für die großen Hotelketten. Hyatt zum Beispiel, ab diesem Winter mit zwei Hotels in Moskau vertreten, verhandelt bereits jetzt für Haus drei und vier. Kempinski, das 1998 das erste Fünf-Sterne-Hotel an der Moskwa eröffnete, hat gerade für zwei weitere Hotels gezeichnet. Rezidor-Chef Kurt Ritter plant zusätzlich zu drei Radisson-SAS-Hotels und einem Park Inn ein Regent-Hotel. Und die Edelherbergen Peninsula, Rocco Forte und Mandarin Oriental stehen kurz vor Abschluss ihrer Verhandlungen, während direkt neben dem Roten Platz das Four Seasons auf seine Eröffnung im kommenden Jahr wartet.

Doch was für die Hotelketten gut klingt, hört sich bei manchen Geschäftsreiseplanern weniger euphorisch an. Spricht etwa Peter Roth, Chef des künftigen Grand Hyatt in neuen Geschäftszentrum Moskau City, von „unendlichen Möglichkeiten“, beklagen Firmenkunden den Mangel an guten Mittelklassehotels mit verlässlicher Qualität und erschwinglichen Preisen. Ein Travel Manager bringt es auf den Punkt: „Zwar gibt es in Russland eine Fünf-Sterne-Hotellerie, aber deren Preise sind extrem hoch.“

Zimmerpreis: 329 Euro

Laut neuester Studie des Geschäftsreiseanbieters HRG müssen Unternehmen für ein Zimmer in der russischen Metropole durchschnittlich 329 Euro bezahlen. Das sind 93 Prozent mehr als noch im Jahre 2004, und kaum eine Reiserichtlinie deutscher Firmen gestattet einen derartigen Übernachtungspreis auch nur annähernd. „Gibt es keine günstigeren Hotels, müssen wir eben in den sauren Apfel beißen“, sagt eine Geschäftsreiseplanerin stellvertretend für ihre Kollegen.

Jedenfalls fast. Denn trotz der immensen Raten gibt es kaum Häuser oder Ketten, die nicht zu Verhandlungen mit Unternehmen bereit wären. „Und wenn wir ursprüngliche 350 Euro auf 280 Euro herunterhandeln können, dann ist das zumindest ein kleiner Erfolg“, tröstet Annina Tiefenbacher, Travel-Management-Beraterin von Steinberg & Partner.

Die Dominanz der Luxusmarken ist unübersehbar. Auch deshalb, weil die Hotelketten wissen, dass Reisende im unbekannten Osten lieber bei einer ihnen vertrauten Hotelmarke einchecken. Dennoch gibt es auch Drei- und Vier-Sterne-Häuser – zumindest in russischen Metropolen wie Moskau und St. Petersburg und oft in osteuropäischen Staaten wie Tschechien, Polen oder Ungarn und den baltischen Ländern Litauen, Lettland und Estland. Wer über HRS etwa nach einer Unterkunft in der eher kleinen lettischen Hauptstadt Riga sucht, erhält gleich 60 Angebote – darunter qualitativ hoch bewertete Häuser bereits ab 50 Euro.

Ganz neu: das Mini-Hotel

Und auch in Russlands Metropolen gibt es Drei- und Vier-Sterne-Herbergen wie Holiday Inn, Novotel, Park Inn, Courtyard by Marriott oder Radisson SAS. Nur: Ihre Zahl ist noch gering, und ihre Preise liegen oft über dem, was Firmen im Westen für gleichwertigen Service auszugeben gewohnt sind. „Sobald ein westliches Hotel eröffnet, wird es automatisch als das jeweils beste empfunden“, sagt Kempinski-Chef Gianni van Dahlen. Folge: „Viele Vier-Sterne-Häuser positionieren sich im Fünf-Sterne-Bereich und verlangen 250 Euro statt 120 Euro.“

„Displaced Customers“ (verirrte Kunden) nennt Srdjan Milekovic, Hausherr im Moskauer Ararat Park Hyatt, diese Gäste, die wegen mangelnder Mittelklassehäuser im Luxushotel einchecken. Seine Kollegen Eller und Roth bestätigen: „Die buchen normalerweise nicht in unserem Segment, haben aber keine Alternative.“

Im Westen unbekannt

Extrem ist die Situation östlich von Moskau sowie in den zentralasiatischen GUS-Ländern. Häufig gibt es selbst in Großstädten mit über einer Million Einwohnern nur sehr wenige „akzeptable Hotels“, wie es Ekaterina Vlasova vom Lufthansa City Center Sindbad in St. Petersburg ausdrückt. Soll heißen: „Die Qualität vieler Häuser ist Geschäftsreisenden nicht zumutbar, und was bleibt, sind dann nur die teuren Luxushotels.“ Die wiederum sind bei großem Andrang schnell ausgebucht. „Wir suchen dann nach einem Mini-Hotel mit fünf bis zehn Zimmern“, erklärt Ekaterina Vlasova eine ganz neue Möglichkeit. Denn Pensionen hatte es im Osten nie gegeben, „und nun wird ihre Eröffnung sogar von der Regierung gefördert“.

Einziges Problem: Die meisten der kleinen russischen Häuser oder Mittelklassehotels mit guter Qualität sind im Westen unbekannt, und im Internet tauchen sie nicht auf. Im Vorteil ist, wessen Reisebüro über Partner im Osten verfügt. „Wir haben guten telefonischen Kontakt zu Häusern auch in kleineren russischen Städten“, sagt Ekaterina Vlasova. Und Travel-Management-Berater Jörg Martin von Corporate Travel Consulting CTC betont: „Ein Partnerbüro vor Ort hilft enorm.“

Große Ketten, große Pläne

Und: In Regionen, in denen die Grundstücks- und Immobilienpreise nicht völlig überhitzt sind, wird es zumindest in Zukunft eine Reihe neuer Standardhotels geben. Mit einer rosigen Zukunft kalkulieren aber weiterhin die Ketten mit höchstem und hohem Service-Niveau. Beispiel Hilton: Im März 2007 eröffnete die Gruppe ein Haus in Warschau, Ende 2008 kommt Kiew (Ukraine) hinzu. Oder die Swissôtels: Auf Moskau und Tallinn (Estland) folgt 2009 Novosibirsk. Selbst lockere Verbünde wie die Small Luxury Hotels of the World (SLH) setzen verstärkt auf die wachsenden Märkte in Osteuropa. „Kroatien, Moskau und Tschechien sind wichtige Ziele für uns“, konkretisiert SLH-Joint-Managing-Direktor Paul Kerr.

Noch tiefer in den Osten zieht es Hyatt. Senior Vice President Gebhard Rainer kündigt „eine starke Expansion“ an. So soll das bereits bestehende Hyatt-Portfolio in Baku (Aserbaidschan), Almaty (Kasachstan), Bischkek (Kirgistan), Kiew, Warschau, Moskau und Belgrad (Serbien) bis zum Jahr 2009 erweitert werden um Hotels in Duschanbe (Tadschikistan), Jekaterinenburg (Russland) und Tiflis (Georgien).

Full-Service-Häuser

Vorreiter in Osteuropa und der GUS war und ist Marriott. Nach Eröffnung des ersten Marriott-Hotels 1989 in Warschau ist die Kette heute mit mehr als 20 Häusern in Armenien, Georgien, Kasachstan, Polen, Rumänien, Russland, Tschechien und Ungarn vertreten. „Als Türöffner“ in wirtschaftlich erstarkenden Regionen sieht sich Osteuropa-Chef Michael Simon. Dominiert wird das Angebot von den Nobelmarken Ritz-Carlton, JW Marriott und Executive Apartments.

Im Fokus: 50 russische Städte

Rezidor-Chef Kurt Ritter schließlich plant die Expansion von Radisson-Hotels in die 50 wichtigsten Städte in Russland und seine Nachbarländer. Für Geschäftsreisende und Travel Manager aus Deutschland heißt das: W-LAN-Anschluss fürs Internet, weiche Betten, Warmwasser und die Akzeptanz von Kreditkarten gehören dann fast überall zum Standard – genau wie im Westen. Ob dem allerdings auch ein rasches und starkes Sinken der Hotelraten folgt, das bleibt abzuwarten.

Luxushotels investieren in Kasachstan

Tatyana Khan ist Marketing-Chefin des Hyatt Regency in Almaty. Ein Job, um den sie ihre Kollegen in anderen Hotels beneiden: Trotz Preisen von bis zu 300 Euro sind im Durchschnitt 80 Prozent der 285 Zimmer des Hauses besetzt – fast ohne Werbung.

Wen wundert’s. „Wenn Gäste aus Europa nach einem Fünf-Sterne-Hotel in Almaty suchen, dann landen sie fast immer bei uns“, sagt die Hotelexpertin, die zuvor in Dubai arbeitete. Denn außer dem Hyatt bietet die Millionenstadt nur ein Interconti sowie das größtenteils von Türken gebuchte Hotel Ankara. Weil die Nachfrage jedoch weit höher ist als das Angebot, „sind unsere Raten hoch“, räumt sie ein. Neben Studienreisenden übernachten im Hyatt, das eine Mischung aus internationaler Modernität und kasachischer Gastlichkeit bietet, Geschäftsreisende, Piloten, Politiker und Künstler.

Doch schon bald wird das Haus, 1995 von Österreichern gebaut, in die Marketing-Offensive gehen. Denn andere internationale Ketten wie Marriott, Kempinski, Holiday Inn sowie kasachische Besitzer planen oder eröffnen neue Hotels. „Wir sind dabei, unser Haus umfassend zu renovieren und stellen uns auf mehr Marketing ein“, sagt Tatyana Khan. Dass in Almaty die Hotelpreise rasch fallen werden, ist aber unwahrscheinlich. Denn auch bei den neuen Hotels handelt es sich durch die Bank um Luxushäuser.

Tipps für Geschäftsreisen nach Moskau

Russische SIM-Karte: Da die Handy-Rechnung für Gespräche ab Russland leicht ein Loch in die Kalkulation reißt, empfehlen Kenner, die eigene SIM-Karte vor Ort gegen eine russische einzutauschen.

Kreditlimit erhöhen: Geschäftsreisende nach Moskau tun gut daran, unter Umständen ihr Kreditkartenlimit zu erhöhen, damit sie nicht schon nach dem ersten Dinner mit ihrem russischen Geschäftspartner ohne Geld dastehen.

Kostenfrei surfen: In den Moskauer Luxushäusern von Ritz-Carlton, Hyatt und Radisson-SAS surfen Web-Reisende kostenfrei, in anderen Hotels häufig sehr preisgünstig.

Metro fahren: Wegen des extrem dichten Verkehrs können Autofahrten in Moskau (auch zum Flughafen) mehrere Stunden dauern. Schneller geht’s mit der Metro – aber vorher Kenntnisse der kyrillischen Schrift aneignen!

Transfers buchen: Von der Taxifahrt vom Flughafen nach Moskau raten Landeskenner ab. „Ausländer sollten immer einen Transfer buchen, sonst werden sie abgezockt“, rät der Ritz-Carlton-Manager Alexander Regelmann. Die Kriminalität in der Moskauer Innenstadt hat hingegen stark abgenommen.

Hotels in Osteuropa

Moskau Novotel (2), Park Hyatt, Grand Hyatt, Holiday Inn, Kempinski, Ritz-Carlton, Renaissance, Park Inn, Sheraton.

St. Petersburg Novotel, Ibis, Hilton, Kempinski, Renaissance, Radisson SAS, Le Meridien.

Almaty Hyatt Regency, Intercontinental, JW Marriott (Ende 2008).

Baku Park Hyatt, Holiday Inn.

Kiew Hyatt Regency, Interconti, Radisson.

Tallinn Radisson SAS und gute Hotels der Mittelklasse ab 60 €.

Tiflis Park Hyatt (2009), Marriott, Courtyard by Marriott, Sheraton.

Riga Hyatt Regency (2009), Radisson SAS und weitere, z.T. sehr gute Mittelklassehotels, z. B. Laro, Dodo, Garden Palace ab 45 €.

Vilnius Novotel, Crown Plaza, Holiday, Radisson SAS, Le Meridien und diverse hochwertige Mittelklassehotels wie Ambassador, Amicus oder Centrum ab 50 €.

Warschau Sofitel, Novotel (2), Ibis (3), Etap, Hilton, Hyatt Regency, Interconti, Holiday Inn, Marriott, Radisson SAS, Le Meridien, Westin, Sheraton etc. – das Preisniveau ist eher niedrig.

Bukarest Sofitel, Novotel, Kempinski, Crown Plaza, JW Mariott und weitere gute Hotels der Mittelklasse ab 75 €.

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