Handlungsbedarf

Scheinbuchungen schmerzen Hotels

IHA-Hauptgeschäftsführer Markus Luthe
Christian v. Polentz/transitfoto.de
IHA-Hauptgeschäftsführer Markus Luthe

Deutsche Hotels kämpfen zunehmend mit Scheinbuchungen aus dem Ausland. Vor allem Reisende aus Asien erschleichen sich damit Visa. IHA-Hauptgeschäftsführer Markus Luthe schlägt Alarm.

Hotelzimmer, die nur für den Fall des Falles gebucht und am Ende nicht genutzt werden: Darüber ärgern sich die Hoteliers zunehmend. Da die meisten Drittportale garantieren, dass die Räume bis 18 Uhr des Anreisetages freigehalten werden und anschließend automatisch und gebührenfrei verfallen, bleiben die Betreiber bei No Shows auf den Zimmern sitzen – und damit auf den Kosten.

Denn auf die Schnelle am Abend noch einen anderen Gast zu finden, das dürfte schwierig bis unmöglich sein. Vor allem aus diesem Grund haben einige der großen Ketten in den vergangenen Monaten ihre Stornierungsbedingungen verschärft. Wer den gebuchten Raum nicht mindestens 48 oder gar 72 Stunden vor Anreise absagt, muss die Übernachtung bezahlen. Die Folge: Travel Manager versuchen zunehmend, die Gebührenfreiheit auch bei Stornierung in ihren Jahresgesprächen mitzuverhandeln.

Buchungsdaten oft gefälscht

Jetzt allerdings sorgt ein weiteres Thema für Aufregung bei den deutschen Hoteliers: Scheinbuchungen aus dem Ausland. Da es auch hierbei um die Stornierungsbedingungen geht, hängt es mit der anfangs genannten Problematik zwar zusammen. Und dennoch ist es etwas anders: Mehr und mehr buchen Ausländer Zimmer "ins Blaue hinein und stornieren dann wieder, sobald ihnen das Visum erteilt wird", sagt Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbandes IHA. Und immer häufiger machen sie sich erst gar nicht die Mühe zu stornieren, sondern erscheinen einfach nicht.

Auch wenn No Shows eigentlich zu bezahlen sind, geschieht dies nicht, und der Hotelier hat keine Chance, den ihm rechtlich zustehenden Betrag einzufordern. Denn Name, Anschrift und Kreditkarten-Nummern der vermeintlichen Kunden stimmen nicht. Sie wurden bereits bei der Buchung über das Drittportal falsch eingegeben. Vor allem kleinere Hotels fügt diese Problematik enormen wirtschaftlichen Schaden zu. Bei einer IHA-Umfrage berichteten 52 Prozent der Hoteliers von einer gestiegenen Zahl unechter Reservierungen in den ersten acht Monaten des vergangenen Jahres.

Die befragten 650 Hotels gaben an, dass es sich dabei größtenteils um Buchungen aus Indien, China und Ländern aus dem arabischen Raum handelt. "Manche Hotels nehmen Anfragen mit bestimmten Länderkennungen in der E-Mail erst gar nicht mehr an", berichtete Luthe.

Dies funktioniert aber nur, wenn die Reisenden über das Hotel selbst reservieren wollen. Die Regel ist allerdings, dass sie Drittplattformen wie Booking nutzen. Auf diesen jedoch ließe es sich "so simpel buchen, ohne irgendwelche Sicherheiten", sagt der IHA-Geschäftsführer. Das Problem: Mit Buchungen über ein Fremdportal kauft das Hotel gewissermaßen die Katze im Sack. Eine direkte Kommunikation mit dem anfragenden Gast ist in aller Regel nicht möglich.

Kostenübernahme statt Hotelnachweis

Der Hotelverband sieht die einzig mögliche Abhilfe daher in einer Änderung der Visapolitik durch die deutsche Bundesregierung. "Visa sollten nicht mehr nur bei Nachweis einer Unterkunft beantragt werden können", fordert Markus Luthe. Der Europäische Rat stehe in dieser Frage fest an der Seite der Hotelbranche. "Statt Hotelnächte nachzuweisen sollte eine Reisekosten-Übernahme oder eine entsprechende Bestätigung von Reisebüros vorgelegt werden", nennt der IHA-Chef mögliche Alternativen für die Beantragung der Einreise-Genehmigung.

Kann der Gast zahlen?

Der Sichtvermerk solle stattdessen auch beantragt werden können, wenn ein Tourist oder das Reisebüro nachweisen könnten, dass der Gast den Trip bezahlen könne. "Damit könnte das Problem unechter Hotelzimmer-Buchungen zumindest entschärft werden", argumentierte Luthe. Die Hoteliers jedenfalls dürfte dies klar erleichtern.

Beliebtes Deutschland

Ob bei Geschäftsreisen, MICE-Aufenthalten oder Urlaub: Deutschland hat 2018 eine neuen Bestmarke bei den Übernachtungszahlen erreicht. Die Gästeübernachtungen stiegen auf den Rekordwert von 477 Millionen, teilt das Statistische Bundesamt mit. Das wäre ein Plus von 4 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Mehr als 40 Mio. Gäste kommen inzwischen aus dem Ausland, so viele wie nie zuvor. Da für viele Deutschland-Reisende eine Visumpflicht gilt, verschärft sich auch das Problem der Scheinbuchungen von Hotelzimmern. Denn entsprechende Reservierungen gelten oft als Nachweis für das Gewähren eines Visums für den Deutschland-Besuch.

Schwarzes Schaf Booking?

Die meisten Fake-Buchungen kommen der IHA-Umfrage zufolge von einem einzigen Portal: Mehr als 68 Prozent der Hoteliers gaben Booking.com als Quelle der Scheinreservierungen an. Der niederländisch-amerikanische Konzern beherrscht den Markt der Hotelbuchungen: Laut europäischem Hotelverband Hotrec laufen zwei Drittel aller Internet-Reservierungen in Europa über diesen Giganten. Schon aus diesem Grund dürfte er auch für die weitaus meisten Faken-Buchungen stehen. Allerdings steht Booking wegen seiner ungewöhnlich hohen Zahl an Stornierungen bei der Branche in der Kritik. Die Stornierungsrate soll deutlich höher liegen als bei anderen Portalen und erst recht als bei den Hotel-Websites selbst.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Wolfram Lawall
    Erstellt 22. März 2019 20:13 | Permanent-Link

    "Visa sollten nicht mehr nur bei Nachweis einer Unterkunft beantragt werden können" - das predige ich seit Jahren. Wir hatten auch schon Deutsche Botschaften im Herkunftsland des Buchenden in Kenntnis gesetzt. Wir checken, wenn angegeben, jede Kreditkarttennummer und vermerken im jeweiligen Buchungsportal die Buchung mit "Ungültiger Kreditkarte". Der Gast wird vom Portal verständigt und wenn er nicht binnen 24 Stunden eine gültige Kartennumer nachliefert wird die Buchung automatisch storniert. Die meisten Fake-Buchungen schafft man sich so vom Hals, auch wenn es Arbeit erfordert.

Fachmedien und Mittelstand Digital Logo
Nutzungsbasierte Onlinewerbung
stats