Gibraltar

Spanien schießt gegen England

Im Streit um den diplomatischen Status des zu Großbritannien gehörenden Felsens verschärft Madrid die Grenzkontrollen und droht mit Sperrung des Luftraums.

Beide Staaten – Spanien und Großbritannien – sind Mitglied der Europäischen Union (EU). Das aber hält sie nicht davon ab, weiterhin erbittert über Gebietsansprüche zu streiten und sich gegenseitig zu drohen. Die EU plant angeblich eine Beobachtermission.

London hat im Madrider Außenministerium Protest gegen die verschärften spanische Grenzkontrollen eingereicht. Außerdem müsse Spanien seine Äußerungen erklären, es prüfe eine Einreisegebühr von jeweils 50 Euro zwischen dem britischen Gebiet und Spanien. Auch hatte Madrid damit gedroht, den Luftraum für britische Flugzeuge zu sperren, so dass Starts und Landungen in Gibraltar nicht mehr möglich sind.

Spanien hat die scharfen Kontrollen indes als sein „unwiderrufliches“ Recht verteidigt. Angeblich seien sie nötig, um „rege Schmuggelaktivitäten“ zu unterbinden. Zigaretten sind in Gibraltar zollfrei und daher deutlich preisgünstiger als in Spanien zu bekommen. Politische Beobachter halten dies jedoch für einen Vorwand. Sie gehen davon aus, dass dem derzeit wirtschaftlich verarmten Spanien das vergleichsweise erfolgreiche Gibraltar ein Dorn im Auge ist.

Die EU-Kommission kündigte jetzt an, sie werde Beobachter an die Grenze schicken, um festzustellen, ob die Kontrollen angemessen seien. Die Mission werde jedoch frühestens im September oder Oktober beginnen. Seit einigen Tagen kontrolliert der spanische Zoll an der Grenze jedes Fahrzeug und verursacht damit lange Staus.

Der Streit war am Wochenende eskaliert, nachdem Spaniens Außenminister José Manuel Garcia-Margallo eine Gebühr von 50 Euro pro Grenzübertritt in beide Richtungen vorgeschlagen hatte. Das Geld könne an spanische Fischer gehen, die wegen eines neuen Riffs vor Gibraltar Einbußen hätten. Dieses künstliche Riff soll spanische Fischer aus den zu Gibraltar gehörenden Gewässern fern halten.

Gibraltar gehört seit 1713 zu Großbritannien. Spanien erkennt die britische Herrschaft über den „Felsen“ jedoch nicht an und fordert die „Rückgabe“ des 6,8 Quadratkilometer kleinen Territoriums.

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