Geschäftsreiseverband

Anonyme Rassismus-Vorwürfe gegen GBTA

Whistleblower beschuldigen Verbandschef Scott Solombrino des sexistischen und rassistischen Fehlverhaltens. Er wurde beurlaubt. Dem Verband selbst wird Intransparenz vorgeworfen.

Auch der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR), Partnerverband der GBTA und Teil des internationalen Netzwerks, distanziert sich von der "alarmierenden Sprache", welche der Geschäftsführer in einer Mail verwendet haben soll.

Auch über die weiteren Behauptungen, die über das Verhalten der Verbandsführung aufgestellt würden, sei man besorgt, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung des VDR mit sechs anderen europäischen Geschäftsreiseverbänden des Netzwerks. 

Zugleich wehren sich die Verbände gegen Vorverurteilungen. "Wir werden das Ergebnis der Untersuchung (im Fall Scott Solombrino) abwarten, bevor wir uns weiter äußern", heißt es in dem Schreiben. Man stehe mit dem GBTA-Vorstand in Kontakt.

Die GBTA hat Scott Solombrino beurlaubt, nachdem anonyme Vorwürfe gegen ihn untersucht worden seien. Die ersten Ergebnisse rechtfertigten eine weitere Überprüfung der Angelegenheit, heißt es. Nun soll ein externer Anwalt in New York die Anschuldigungen formell überprüfen.

In Luxushotels übernachtet

In einer mit "aktuelle und ehemalige Beschäftigte der GBTA" unterschriebenen Mail wurde über angeblich frauenfeindliche und rassistische Äußerungen des GBTA-Chefs berichtet. Zudem soll er Mitarbeiter respektlos behandelt und auf Kosten des Verbands in Luxushotels übernachtet haben. Letzteres gelte aber auch für weitere Mitglieder der Geschäftsführung.

Den anonymen Anschuldigungen zufolge soll Solombrino sich in vielen Dingen dem Sprachgebrauch von US-Präsident Trump angeschlossen haben. Corona soll er als "chinesische Erkrankung" bezeichnet haben, Mexikaner seien "dreckig", und für Kanadier und Europäer interessiere er sich nicht. Auch soll er eine frauenfeindliche Haltung an den Tag legen.

GBTA-"Intransparenz" kritisiert

Über die Angelegenheit berichtete als erstes das US-Geschäftsreise-Fachmagazin "The Company Dime". In den Anschuldigungen geht es aber nicht nur um persönliche Vorwürfe gegen Solombrino. Angeprangert wird auch ein grundsätzliches Versagen der Struktur der GBTA. Einkäufer werfen dem Verband Intransparenz vor.

Solombrino selbst weist die Vorwürfe gegen ihn zurück; es handele sich um eine "anonyme Hetzkampagne". "Im Geschäftsleben und als Führungskraft habe ich die Männer und Frauen um mich herum immer mit Ehrlichkeit und Fairness behandelt", betont er. Zwar habe er seine Worte nicht immer besonders sorgfältig gewählt, dennoch habe er während seine 44-jährigen Karriere "nie eine einzige Beschwerde am Arbeitsplatz erhalten". 

Zudem verweist Solombrino auf seine Unterstützung der Organisation Winit, die Frauen unterstützt, die in der Reisebranche Karriere machen wollen. Dies werde er selbstverständlich fortsetzen.




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