Geschäftsreisekette

BCD verliert 3000 Jobs wegen Corona

Höchstens ein Viertel des Geschäftsreise-Umsatzes von 2019 glaubt BCD in diesem Jahr zu erzielen.
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Höchstens ein Viertel des Geschäftsreise-Umsatzes von 2019 glaubt BCD in diesem Jahr zu erzielen.

Drastischer Stellenabbau bei Europas größter Geschäftsreisebürokette: Mehr als jeder fünfte Arbeitsplatz verschwindet. Der Umsatz sank in der Corona-Hochphase auf nur noch 1 Prozent im Vergleich zu 2019.

Dass seit acht Monaten kaum noch Geschäftsreisen stattfinden, trifft die Business-Travel-Anbieter hart. Nachdem in Deutschland traditionsreiche Reisebüros wie Fahrenkrog und Emil Hess sogar bereits schließen mussten, trifft es nun Europas größte Kette: BCD Travel verliert während der Pandemie mehr als 3000 seiner insgesamt 14.000 Arbeitsplätze.

Das sagte der Besitzer und Milliardär John Fentener van Vlissingen in einem Gespräch mit der Wirtschaftszeitung "Het Financieele Dagblad" (FD). Dieser Schritt sei absolut schmerzlich, zumal zu Beginn der Krise viele Firmenkunden sogar zu Preiserhöhungen bereit gewesen seien, um Kürzungen in den BCD-Teams zu vermeiden.

Um die Durststrecke zu überstehen, habe die van-Vlissingen-Familie das Eigenkapital des Unternehmens erhöht. Seine Kinder, die ein Drittel der Aktien besitzen, verzichteten bereits auf die Dividende für 2019. Und in den USA, wo BCD 70 Prozent seines Umsatzes erzielt, werde ein Kredit für die nächsten Jahre für eine starke Liquidität sorgen.

Die finanzielle Verfassung der Kette bezeichnet van Vlissingen gegenüber FD als "besser als bei den Konkurrenten". Gerade in den USA habe man jüngst viele neue und großen Kunden gewonnen, darunter beispielsweise Netflix. Dennoch werde der Umsatz in diesem Jahr vermutlich nur 25 Prozent des Wertes von 2019 betragen.

Auch wenn es in den kommenden Monaten einen Impfstoff geben sollte, erwartet van Vlissingen keine schnelle Erholung. "Das Virus ist etwas, das wir für einen großen Teil des nächsten Jahres noch in Betracht ziehen müssen", sagte er gegenüber FD. Zudem werde sich vor allem durch die Nutzung von Web-Konferenzen der Geschäftsreisemarkt künftig anders darstellen als heute.

Ein Umsatzniveau wie 2019 werde erst in fünf Jahren wieder erreicht sein. Schneller werde dies bei privaten Urlauben der Fall sein. Reisen werde in Zukunft zwar teurer sein als heute, doch die meisten Menschen seien bereit, dafür tiefer in die Tasche zu greifen.

Die BCD Group hatte van Vlissingen 1975 gegründet. Außer BCD Travel gehören zu ihr der Online-Reise-Anbieter Travix, das Unternehmen Park'n Fly sowie der Consolidator Airtrade. Die rund 14.000 Mitarbeiter sind in 109 Ländern tätig. BCD Travel entstand aus der einst von TUI gegründeten Geschäftsreisekette TQ3, die mit World Travel BTI und The Travel Company zusammengeführt wurde.

In Deutschland kam BCD Travel 2018 auf einen Umsatz von 1,9 Mrd. Euro. Weltweit betrug dieser etwa 23 Mrd. Euro.
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