Georgien

Mit Wein und Wellness auf Urlauberjagd

An frühchristlichen Klöstern mangelt es in Georgien nicht.
Andreas W. Schulz, Andreas W. Schulz
An frühchristlichen Klöstern mangelt es in Georgien nicht.

Georgien gilt als eines der aktuellen Trendziele. Mit Weinanbau, 2400 heißen Quellen, frühchristlichen Klöstern und moderner Architektur will das Kaukasus-Land Touristen locken – und mit neuen Flügen.

Es kommt nicht gerade oft vor, dass Reisende vom frisch gekürten Chefpiloten der Air France, Jean Fernandez, persönlich begrüßt, geflogen und beim Verlassen des Flugzeugs mit einem roten Teppich verabschiedet werden. Das kann aber passieren, wenn in der ersten Reihe der Business Class die Staatspräsidentin von Georgien sitzt und es der Erstflug von Paris-CDG nach Tiflis, der Hauptstadt von Georgien ist.

Für das kleine, kontrastreiche Land zwischen Europa und Asien sind neue Flugverbindungen immens wichtig, um "die Entwicklung der Wirtschaft und des Tourismus voranzubringen", sagt die erst vor wenigen Monaten gewählte Präsidentin Georgia Salome Zurabishvili nach ihrer Ankunft in Tiflis. Das Land am Kaukasus (drei Viertel der Fläche sind bergig) hat eine sehr bewegte Geschichte, die immer wieder bis in die jüngste Vergangenheit von kriegerischen Konflikten geprägt war.


Jüngst hat sich Georgien allerdings stabilisiert und seine Anfang 2016 formulierten Reformziele im Bereich Wirtschaft, Bildung, Bauwirtschaft und Verwaltung voran getrieben. Trotzdem liegt das "durchschnittliche Pro-Kopf-Jahreseinkommen bei nur rund 3600 Euro", wie die deutsche Botschaft in Georgien in ihrem aktuellen Wirtschaftsbericht konstatiert.

Touristen sollen Devisen bringen

Die politische und wirtschaftliche Ausrichtung auf die Europäische Union und die USA sollen bei den Reformen helfen. Auch der Tourismus soll verstärkt werden, mehr Besucher und Devisen in das Land zu bringen, "das mit seiner Vielfältigkeit an Kultur, Geschichte, Naturparks, Health & Wellness (103 Ressorts und 2400 heiße Mineralquellen) und sportlichen Aktivitäten, wie Bergwandern und Wintersport, in dieser Konzentration etwas Besonderes ist, das es weiter zu entwickeln gilt", so Marina Bojgua, die Abteilungsleiterin für ausländische Märkte bei der Nationalen Georgischen Tourismusbehörde.

Ihre Kollegin Tamar Vachnadze, für die Geschäftsentwicklung zuständig, ergänzt: "Gerade der Anteil der Besucher aus Deutschland hat sich in den vorigen Jahren mit rund 65.000 Gästen fast verdoppelt und liegt damit in der Statistik von Besuchern aus der EU ganz vorn." Kulinarisch hat Georgien eine immense Vielfalt, die besonders mit der Kultur des Weinanbaus verbunden ist. So gilt das Land mit als die älteste Region des Weinanbaus in der Welt – mit wissenschaftlich identifizierten Artefakten, die bis ins 6. Jahrtausend vor Christus reichen.

Viele Weingüter im Land, wie das Château Mukhrani, eine gute halbe Stunde Autofahrtzeit von Tiflis entfernt, laden zu Weinproben und reichhaltiger landestypischer Kulinarik ein. Auch Events mit mehreren Tausend Gästen stellen für die Manager des Weingutes keine unlösbare Aufgabe dar.

Insgesamt ist das Land reich an Kontrasten von frühchristlichen und mittelalterlichen trutzigen Klöstern und Wehrkirchen, die bis in das 6. Jahrhundert zurückreichen, bis hin zu futuristischen neuen Architektur-Projekten in der Hauptstadt Tiflis mit vielen Locations, die das trendige Nachtleben zu einer In-Szene in Europa gemacht haben. Gute Gründe, die Flugverbindungen zu großen europäischen Metropolen, wie Paris, jetzt weiter auszubauen.

Dass die Entwicklung einer neuen Flugverbindung wie von Paris nach Tiflis aber kein Selbstläufer ist, sehr langwierig sein kann und auch Initiativen aus Politik und Wirtschaft bedarf, erzählt der französische Botschafter in Georgien, Pascal Meunier: "Mit meinem georgischen Amtskollegen haben wir vor rund anderthalb Jahren einen Termin beim damaligen Air France Chef gehabt und ihn auf eine Verbindung nach Tiflis angesprochen."

Kooperation mit Georgian Airways

In einer konzertierten Aktion hat sich dann auch die lokale französische Handelskammer in Georgien eingeschaltet und das Projekt bei ihren Mitgliedern unterstützt. Der Präsident der Kammer, Antoine Bardon, hebt hervor, dass "nur eine gemeinsame Arbeit von Unternehmen, Airline und den lokalen Behörden zu einem nachhaltigen Erfolg führen kann. Wir arbeiten hart daran. Dabei ist auch oft eine enge Kooperation, etwa mit den Kollegen der deutschen Außenhandelskammer in Georgien, sinnvoll", unterstreicht Bardon.

Aus Sicht von Air France ist es dann aber auch entscheidend, selbst aktiv im Markt zu sein, um die notwendigen Marktsegmente wie Geschäftsreisende, Reisebüros und Reiseveranstalter zu erreichen. "Wir haben hier eine breite Aufstellung in Osteuropa und arbeiten mit GSAs (General Sales Agents) zusammen, die den jeweiligen lokalen Markt besser kennen als wir", sagt Sébastien Guyot, Air France Verkausdirektor für den französischen Markt.

Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass ein partnerschaftliches Zusammenspiel mit den regionalen Airlines strategisch wichtig ist, um den Markt attraktiv auch mit Flugfrequenzen zu bedienen: "Wir arbeiten hier sehr eng mit Georgian Airways zusammen, um eine Win-Win Situation zu erzielen. Schließlich ergänzen unsere zunächst nur zwei saisonalen Flüge in der Woche die bereits gut eingeführten zweimal wöchentlichen Flüge mit Georgian Airways nach Paris und Amsterdam", unterstreicht Frank van 't Hof, der Air France-KLM Country Manager für die Ukraine, Armenien, Weißrussland und Georgien.

Für die kleine Georgian Airways mit gerade einmal neun Jets, die viele Höhen und Tiefen schon in ihrer 25-jährigen Geschichte erlebt hat, ist diese Partnerschaft mit Air France-KLM besonders wichtig: "Durch das Code Sharing haben wir für unsere Fluggäste über Paris und Amsterdam eine Vielzahl an internationalen Destinationen, die uns helfen, unser Angebot besser zu positionieren", weiß die fließend deutsch sprechende Chefin des Business Development von Georgian Airways, Eteri Gaiashvili, zu berichten.

1 Kommentar
  1. Walter Haas
    Erstellt 25. April 2019 19:50 | Permanent-Link

    Das Land hat sehr viel zu bieten. Ich war einfach begeistert, als ich es 2018 besuchte. In diesem Jahr werde ich meinen Urlaub wieder in Georgien verbringen. Tipp: Region Kakhetien, Tiflis, Batumi und Region Svanetien

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