Freie Bahnsitze wegen Corona

VDR sieht "Schlag ins Gesicht der Geschäftsreisenden"

Der VDR fordert, dass auch die Reservierungspflicht zum Hygiene-Konzept der Bahn gehört.
Deutsche Bahn/Oliver Lang
Der VDR fordert, dass auch die Reservierungspflicht zum Hygiene-Konzept der Bahn gehört.

Dass der Bund seinen Mitarbeitern bei der Bahn künftig einen freien Nachbarbarsitz gewährt, mache "sprachlos", schreibt der Travel-Manager-Verband. Die Bahn solle besser ihre Hygiene-Konzepte für alle verbessern.

Wie berichtet will der Bund zum Schutz vor einer möglichen Corona-Infektion den Mitarbeitern von Behörden und Ministerien bei Dienstreisen in der Bahn in den nächsten Monaten einen leeren Nachbarplatz zahlen. Das berichtete die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf ein Schreiben des Bundesinnenministeriums an oberste Bundesbehörden.

VDR-Vize-Präsidentin Inge Pirner sagte, eine solche Regelung "mache schier sprachlos". Dem Verband gegenüber habe sich die Bahn bislang immer geweigert, ihre Hygiene-Maßnahmen entsprechend zu ändern. So fordere der VDR zum Beispiel eine Reservierungspflicht in Corona-Zeiten, um zumindest Infektionsketten nachvollziehen zu können.

Es sei paradox, wenn der Bund als Eigentümer der Bahn gegenüber der deutschen Wirtschaft schärfere Hygiene-Maßnahmen als unnötig ablehne, sie aber seinen eigenen Mitarbeitern sogar finanziert. Dies sei "ein Schlag ins Gesicht aller anderen Bahnkunden, die kostenbewusst auf Geschäftsreisen unterwegs sind".

Inge Pirner äußerte Zweifel, dass es in der Bahn wirklich nicht zu einer Übertragung von Corona komme könne, wenn ein erkrankter Mitreisender fünf Stunden lang direkt neben einem sitze. Zudem sei wegen der nicht existierenden Reservierungspflicht auch nicht bekannt, um welche Person es sich dabei handele, es könnten also keine Infektionsketten nachverfolgt werden. "Für mich ist die Entscheidung gegen die Bahn bei vielen Mitarbeitern in den Unternehmen verständlich", so Pirner.

Der VDR habe die Bahn um eine Stellungnahme zu den jüngsten Ereignissen gebeten, sagte die Vize-Präsidentin des Verbands.

Mitarbeiter des Bundes können wie berichtet für Bahnfahrten einen zusätzlichen Nachbarplatz buchen. Dies solle im Sinne des Infektionsschutzes einen größeren Abstand zu den Mitreisenden gewährleisten. Die erweiterte Erstattungsmöglichkeit wird dem Bericht zufolge im Bundesreisekostengesetz zunächst befristet bis Ende März eingeräumt.

Fraglich ist allerdings, ob Reisende, die keinen Platz mehr finden, dies davon abhält, sich dort hinzusetzen – immerhin ist der Sitz trotz Reservierung ja frei. Derzeit allerdings dürften die meisten Züge sowieso eher geringer besetzt sein.
8 Kommentare Kommentieren

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4.
Sebastian von Stein
Erstellt 20. November 2020 11:26 | Permanent-Link

Nein die Bahnregeln besagen mehr als eindeutig, völlig egal ob ich eine weitere Fahrkarte oder Sitzreservierung habe: Wenn der Sitz nicht durch einen Menschen belegt ist, ist dieser auf Nachfrage frei zu geben ohne wenn und aber.

Hans Meixner
Erstellt 20. November 2020 11:28 | Permanent-Link

@Sebastian von Stein: Ich kann ja auch ein Abteil für mich alleine reservieren/buchen.

3.
Hans Meixner
Erstellt 20. November 2020 11:06 | Permanent-Link

Man schließt Cafés und Restaurants, ordnet Maskenpflicht im Freien in den Stadtzentren an, vebietet Privatfeiern und ähnliches. Aber in Fern-Zügen, Flugzeugen und im ÖPNV sitzt man dann Schulter an Schulter, gerade im Fernverkehr, eng beieinander. Dies könnte man im Flugzeug, bei extra Bezahlung eines Nebensitzes verhindern. Wieso kann man dies nicht generell so regeln und den Unternehmen einen Ausgleich dafür zahlen? Wenn's nichts kostet ordnet man bei Strafe solche Einschränkungen an. Man muss sich z.B. beim Fliegen mal vorstellen: beim Check-in, Security-check und Boarding muss man den Sicherheitsabstand einhalten und dann sitzt man stundenlang im Flieger eng neben einen Unbekannten! Was für ein Unsinn!

2.
Andreas W. Schulz
Erstellt 19. November 2020 11:40 | Permanent-Link

Wieder leider einmal ein Beispiel, wie beim Bund Steuergelder locker ausgegeben werden. Ein weiterer Fall für den Bundesrechnungshof.

1.
Sebastian von Stein
Erstellt 19. November 2020 08:47 | Permanent-Link

Ich verstehe die Aufregung hier nicht, denn laut den Bahnregeln verfällt eine Sitzplatzreservierung ersatzlos, wenn der Sitz nicht bis 15 Minuten nach Abfahrt durch einen Menschen (also nicht durch Koffer oder Taschen!) belegt wurde. Somit ist diese "tolle" Idee des Bundes pure Geldverschwendung und schlicht nicht zu Ende gedacht. Also bitte erst nachdenken ....

Walter Krombach
Erstellt 20. November 2020 10:52 | Permanent-Link

@Sebastian von Stein: Eine Peinlichkeit, die beweist, dass der/die Verfasser dieser Regelung keine blasse Ahnung von der Bahn haben, obwohl diese Regelung - Platzreservierung nur bis 15 Minuten nach Abfahrt - schon seit deren Einführung vor Jahrzehnten üblich ist. Das hätte eigentlich auch in diesem BIZ-Artikel schon erwähnt werden müssen, anstatt diesen Blödsinn auch noch beklagend auszubreiten, auch wenn das vermutlich im besagten SZ-Artikel nicht erwähnt worden sein sollte.

Hans Meixner
Erstellt 20. November 2020 11:08 | Permanent-Link

@Walter Krombach: Die Sitzplatzregelung ist etwas anders als die Fahrkarte. Da könnte ich einen Mantel oder ähnliches auf den Sitz legen und ihn "besetzten", da ich dafür ja eine Fahrkarte habe. Dazu brauche ich nicht einmal eine Sitzplatzreservierung.

Sebastian von Stein
Erstellt 20. November 2020 11:26 | Permanent-Link

@Hans Meixner: Nein die Bahnregeln besagen mehr als eindeutig, völlig egal ob ich eine weitere Fahrkarte oder Sitzreservierung habe: Wenn der Sitz nicht durch einen Menschen belegt ist, ist dieser auf Nachfrage frei zu geben ohne wenn und aber.

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