Flüge via Moskau

Reisen im Riesenreich

Russland-Trips bergen viele Tücken – vor allem, wenn sie über Moskau führen. Erfahren Sie alles über die drei Airports der Stadt und über das Buchen scheinbar unbuchbarer Flüge.

Kennen Sie Duschanbe? Nein? Grämen Sie sich nicht: Als jetzt in Frankfurt eine Maschine der Somon Air mit genau diesem Ziel abhob, war das eine Premiere. Erstmals ist die Hauptstadt Tadschikistans (!) seither direkt ab Deutschland erreichbar. Und so wird es bleiben: Zweimal wöchentlich verkehrt Somon in das zentralasiatische Land zwischen China und Afghanistan. An Bord sitzen zahlreiche Geschäftsreisende. Die aber haben es mit der Buchung des Flugs nicht einfach: Um einen Platz zu ergattern, müssen sie über das russische Sirena-System reservieren – über das hierzulande kaum ein Reisebüro verfügt. Nicht anders verhält es sich mit den Flügen der Polet Air von München ins russische Woronesch, eine besonders von Siemens genutzte Route, da der Konzern dort ein Transformatorenwerk baut. In den Reservierungssystemen allerdings, über die westliche Reisebüros buchen, existiert diese Strecke nicht.

Alles eine Systemfrage

Trotz aller politischen und wirtschaftlichen Annäherung: In Sachen Flugbuchung gehen Ost und West nach wie vor getrennte Wege. Deutsche Firmen, die in Regionen jenseits von Moskau und St. Petersburg reisen, können davon ein Lied singen. Der nötige Anschlussflug ab Moskau lässt sich nicht „einfach mal so“ im Reisebüro buchen. „Gut 30 Prozent der Flüge ab Moskau zu Orten in Russland oder der GUS sind in Reisebürosystemen wie Amadeus oder Sabre nicht enthalten“, schildert Jolanta Stettner, Vertriebsleiterin der Kris Group, das Dilemma. „Und selbst dann funktioniert es oft nicht, da 40 Prozent der russischen Airlines keine elektronischen Tickets anbieten.“

Kris profitiert davon. Über seine Internet- Plattform www.russtravel.de bietet der Nürnberger Geschäftsreisespezialist diese Flüge frei buchbar für alle an. Er verfügt über die Lizenz der Fluglinien, Blanko-Papierflugscheine auszustellen. Eine Besonderheit, die sowohl Reisestellen als auch etwa 150 deutsche Reisebüros nutzen, darunter Ketten wie CWT oder FCM. „Reisebüros können sich bei uns als Partner anmelden und werden an der Provision beteiligt“, erläutert Jolanta Stettner ihr Geschäftsmodell, das sie Interessenten auch auf der Business Travel Show Ende September in Düsseldorf vorstellen möchte.

Dabei ist es problemlos, von Deutschland nach Moskau zu kommen. Acht Airlines starten hierzulande mit diesem Ziel. Schwierig wird es erst, wenn die russische Hauptstadt nicht Ziel der Geschäftsreisenden ist, sondern lediglich Umsteige-Airport. Was nicht selten der Fall ist, denn nur die wenigsten der 160 Flughäfen in Russland und den übrigen GUS-Staaten sind direkt ab Deutschland zu erreichen. Und: Immerhin 4600 hiesige Unternehmen sind mittlerweile im Riesenreich aktiv – mindestens 1000 weitere in GUS-Staaten wie Weißrussland, Armenien, Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisien, Turkmenistan oder eben Tadschikistan.

Airline und Airport wechseln

Dabei erfordert der Ost-Trip nicht allein buchungstechnisch einigen Aufwand. Hinzu kommt, dass Moskau mit Domodedowo, Scheremetjewo und Wnukowo gleich über drei Flughäfen verfügt.

Und manchmal muss der Reisende für seinen Weiterflug nicht nur die Airline, sondern auch den Airport wechseln. „Mittlerweile ist das innerrussische Streckennetz ab Domodedowo zwar sehr groß, manche Gesellschaften wie Aeroflot fliegen jedoch Scheremetjewo an“, erklärt Jolanta Stettner. Und etliche Ziele im Kaukasus oder in Südrussland sind wiederum nur ab Wnukowo zu erreichen. Zwar plant Russlands Regierung, die Flughäfen durch einer Schnellbahn miteinander zu verbinden – analog den Aeroexpress-Zügen, welche die Passagiere schnell und bequem von neuerdings allen drei Airports ins Stadtzentrum bringen.

Doch das ist Zukunftsmusik. Heute bleiben den Reisenden nur das Taxi oder umständliche Zugfahrten, bei denen Teile der Strecken auch in der U-Bahn zurückgelegt werden müssen. Wer mit Gepäck unterwegs ist oder sich nicht vorher mit der kyrillischen Schrift beschäftigt hat, für den ist das kein Zuckerschlecken.

Viel Zeit für Transfer einplanen

Alternative: Man bucht über sein Partnerreisebüro oder über Anbieter wie Kris im Voraus einen Transfer-Service. Das ist günstiger und sicherer als die vergleichsweise teuren Moskauer Taxis, doch vor langen Staus, die in der 15-Millionen-Stadt an der Tagesordnung sind, bewahrt es freilich nicht. Business Traveller tun deshalb gut daran, mindestens drei Stunden für den Transfer von einem Flughafen zum anderen einzuplanen.

Wer Glück hat, kommt in eineinhalb bis zwei Stunden durch. Großzügige Zeitfenster sollte es zusätzlich für das reine Umsteigen geben. Nach der Landung in Moskau gilt es, das Gepäck abzuholen und für den Anschlussflug erneut einzuchecken – schließlich ist Moskau Grenz- und Zollübergang. „Geschäftsreisende sollten sich unbedingt schon in Deutschland schlau machen, ob sie neu einchecken müssen oder nicht“, rät Konstantin Tyurkin von der Airline Transaero. Durch die Zoll- und Grenzkontrollen muss nicht, wer in Drittländer weiterfliegt und sich dazu in der Transitzone aufhält.

Der staatliche Flughafen ist kleinster im Bunde

Sind die Formalitäten in Domodedowo meist relativ zügig und freundlich erledigt, dauert es in Scheremetjewo oft länger. Der staatliche Flughafen verfügt nur über ein Drittel der Kontrollposten, die Domodedowo bereithält. Auch müssen Reisende möglicherweise zwischen den recht weit auseinander liegenden Terminals wechseln: Ein Bus bringt sie in etwa 20 Minuten von Terminal 1 zu Terminal 2. Insgesamt empfiehlt es sich, fürs Umsteigen in Scheremetjewo mindestens drei Stunden und in Domodedowo mindestens eine, besser aber zwei Stunden einzuplanen. Als kleinster im Dreier-Bund präsentiert sich Wnukowo. Für Russlands Regierung ist der Airport, der gern von Billigfliegern wie der deutschen Germanwings angeflogen wird und Routen in Richtung Kaukasus und Südrussland bietet, eine Art Modellfall.

Von Domodedowo lernen

Mit Wnukowo will der Kreml zeigen, dass auch ein staatlicher Flughafen Qualität nach westlichen Standards bieten kann. Vorbild ist der vom Privatunternehmen East Line betriebene Airport Domodedowo, der mit seinen 20 Kontrollhäuschen, Nacktscannern und zügigem Gepäck-Auslade-Service die Messlatte für russische Verhältnisse hoch gelegt hat. Auch Wettbewerber Scheremetjewo legt langsam seinen Ruf als Hort sozialistischer Griesgrämigkeit und Unfreundlichkeit ab.

Die Betreiber hoffen vor allem aufs neue Terminal 3, das derzeit in Bau ist. Moderne Technik und hilfsbereite Angestellte sollen hier die Passagiere der staatlichen Gesellschaft Aeroflot und deren Partner- Airlines empfangen und abfertigen. Eines allerdings lässt sich dort genau so wenig verhindern wie an den beiden anderen Moskauer Flughäfen: nämlich die ausschließliche Buchbarkeit vieler Strecken über das russische Sirena-System.

Hier gilt: Firmenkunden müssen die Tickets entweder bei ihrem Reisebüropartner (über wiederum deren russische Partner) oder direkt in Deutschland bei ansässigen Spezialisten buchen und – sofern die virtuelle Variante nicht möglich ist – sich per Post zuschicken lassen. Ist die Zeit knapp, setzt Anbieter Kris Group beispielsweise auf Express- und Kurierdienste oder hinterlegt die Flugscheine an den Airports in Moskau. Die „Mittelsmänner“ warten dann meist mit entsprechenden Schildern schon am Gate.

Domodedowo: Westlicher Standard lockt Gäste

Flughafen: Domodedowo www.domodedovo.ru

Lage: 35 km südlich von Moskau

Größe: Aus dem einstigen Inlandsflughafen hat der private Betreiber East Line den größten und modernsten Airport Russlands geschaffen. Gut 19 Mill. Passagiere nutzen den Flughafen jährlich, 2012 wird ein drittes Terminal eröffnet.

Airlines: u.a. Lufthansa, Air Berlin, Swiss, Austrian, Transaero, S7, Bugulma Air, Polet, Region, Tatarstan

Anbindung an Moskau: am besten per Aeroexpress- Zug (alle 30-60 Min.), ohne Zwischenhalt zum Pawelezer Bahnhof. Dauer 40 Min., Preis 250 Rubel (6 Euro). Scania-Express-Bus zur Metrostation Domodedovskaya. Offizielles Taxi (andere meiden!) kosten je nach Autotyp 1700 bis 2000 Rubel (38-44 Euro).

Scheremetjewo: Auf dem Sprung in bessere Zeiten

Flughafen: Scheremetjewo svo.aero

Lage: 30 km nordwestlich von Moskau

Größe: pro Jahr 12 Mill. Passagiere. Da die Anlagen veraltet sind und die Organisation als schlecht gilt, verliert der staatliche Airport stark. Das moderne Terminal 3 für Aeroflot soll 2010 in Betrieb gehen.

Airlines: Aeroflot, BlueWings, Aero Svit, KLM, LOT, MIAT, SAS, Turkish, Czech Airlines, Air Baltic, Air Astana, Air France.

Anbindung an Moskau: Neuerdings verkehrt ab Terminal 2 der Aeroexpress-Zug zum Weißrussischen Bahnhof in Moskau. Dauer 35 Min., 250 Rubel. Busse zwischen Terminal 1 und 2 (80 Rubel). Nach Domodedowo Bahn/Metro oder Service buchen (Fahrt 1,5 - 3 Std).

Wnukowo: Kleiner Flughafen mit vielen Strecken

Flughafen: Wnukowo vnukovo.ru

Lage: 30 km südwestlich von Moskau

Größe: mit gut 8 Mill. Gästen der kleinste Airport. Jedoch starten hier Flüge in den Kaukasus, in die Ukraine, nach Moldawien und Südrussland. Zudem landen Billigflieger wie Sky Express und Germanwings in Wnukowo.

Airlines: Aeroflot-Don, Sky Express, Armavia, Dhagestan, Germanwings, Orenburg, Polet Airlines, Rossiya, Tatarstan, Utair

Anbindung: Nach Moskau verkehrt stündlich der Aeroexpress-Zug zum Kiewer Bahnhof (35 Min., 250 Rubel). Nach Scheremetjewo per Bus 851 ab Metro-Station Rechnoi Wokzal, nach Domodedowo mit Aeroexpress ab Metro-Halt Paweletski.

Nonstop nach Moskau ab:

Aeroflot (SVO): Frankfurt, München, Düsseldorf, Berlin-Schönefeld, Hamburg, Hannover, Dresden

Air Berlin (DME): München, Düsseldorf, Berlin-Tegel

Blue Wings (SVO): Düsseldorf, Baden-Baden, Münster, Leipzig

Germanwings (VNU): Köln, Stuttgart

Lufthansa (DME): Frankfurt, München, Düsseldorf, Berlin-Tegel, Hamburg

Mongolian (SVO): Berlin-Schönefeld

S7 (DME): Frankfurt, München, Düsseldorf, Hannover

Transaero (DME): Frankfurt, Berlin

DME = Domodedowo, SVO = Scheremetjewo, VNU = Wnukowo

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