Event-Messe IMEX

Länder ziehen Bilanz

Die Stimmung in der MICE-Branche ist bestens: Selbstbewusst jonglierten die Aussteller und Gäste der IMEX mit Zahlen, Daten und Budgets. BizTravel hat sich umgesehen.

So entspannt und optimistisch hat man Aussteller und Gäste der IMEX lange nicht mehr gesehen. Die Talsohle, in der die Eventbranche zuletzt steckte, ist überwunden: Es geht kräftig bergauf, und manche Länder melden sogar schon wieder Rekorde. Für Deutschland verzeichnet das Meeting- und Eventbarometer 2011, erhoben vom German Convention Bureau, mit 323 Mill. Teilnehmern das bislang beste Ergebnis überhaupt. Zwei Drittel der Unternehmen verfügen über höhere Budgets als noch 2009, und bevorzugte Ziele sind Bayern sowie der Großraum Berlin/Potsdam.

Vor allem jedoch zieht es deutsche Firmen wieder ins Ausland. Europäische Länder profitieren am stärksten – Spanien, Italien, Frankreich, Großbritannien, Holland, Portugal und die Türkei. Das ergibt der jährlich von tmf Dialogue-Marketing erhobene Mice Market Monitor. Am meisten aufgeholt haben Irland, Russland und Kroatien. Aber auch die Fernstrecken „bleiben trotz leichtem Rückgang weiterhin sehr wichtige Destinationen“, sagt tmf-Chefin Johanna Fischer. Große Gewinne verzeichnen etwa Singapur und Thailand. Wir haben uns auf der IMEX ein wenig umgesehen und bei einigen Ländern ein Stimmungsbild eingeholt.

Spanien

Die von der Wirtschaftskrise besonders hart getroffene Iberische Halbinsel meldet sich zurück. Auch wenn von den 4,4 Mill. Deutschen, die das Land 2010 besuchten, „nur“ 500.000 aus geschäftlichen Gründen kamen, ist Spanien bei den hiesigen Firmen das beliebteste internationale Eventziel – vor Italien und Frankreich. Unangefochten auf Platz eins steht Mallorca, gefolgt von Barcelona. Das Land punktet mit der guten Erreichbarkeit, mit Wetter und Preis-Leistungs-Verhältnis. „Zudem haben wir das längste Bahn-Hochgeschwindigkeitsnetz weltweit“, wirbt Ana Cristina Gozalo vom Verkehrsamt.

Singapur

Los geht’s am 18., und Herzstück wird die ITB Asia vom 19. bis 21. sein: Der Oktober 2011 steht in Singapur unter dem Motto „Travel Rave“. Insgesamt neun Business-Travel-, Hotel- und Tourismus-Konferenzen sollen Zehntausende in den Kleinstaat locken. Wie schon 2010 wird das Land seine neuen Attraktionen für Events und Incentives präsentieren, vom Riesenhotel Marina Bay Sands bis zur Mandai River Safari mit zwei echten Pandabären. Deutschland belegt bei den europäischen Besuchern Platz zwei mit 210.000 Gästen (plus 13,9 Prozent) hinter England.

Dubai

Als „Insel der Stabilität“ inmitten der politischen Turbulenzen, die den arabischen Raum erfassen, sehen sich die Vereinten Arabischen Emirate. „Sicherheit, eine tolle Infrastruktur, viele Flüge, Sonne, Service und Spaß“, das sind unsere Besonderheiten wirbt Talal Al Suwaidi vom Tourismusministerium Dubai. Ab Frankfurt ist ein dritter täglicher Flug ins Emirat hinzugekommen, und eine U-Bahn verbindet den Flughafen mit den Business-Centern, Hotels und der Messe.

Mexiko

„Wir sind jetzt in einer tollen Lage“, schwärmt Eduardo Chaillo, Meetings-Chef im mexikanischen Fremdenverkehrsamt: „Vor zehn Jahren hatten wir gerade mal zwei Kongresszentren, heute sind es 67.“ Seine Kompetenz in puncto Mice habe Mexiko 2010 mit der Ausrichtung der UNO-Weltklimakonferenz gezeigt. Im Fokus stünden nun kleinere Locations und grüne Meetings. Chaillo wehrt sich dagegen, dass sein Land als Hort der Drogenkriminalität dargestellt werde. Nur „sehr wenige Gemeinden ganz im Norden“ seien unsicher, der Rest „absolut friedlich“.

Thailand

Die Rückschläge von 2009 und 2010, als politische Unruhen in Bangkok manche Mice-Gäste vertrieben hatten, will Thailand ab sofort vergessen machen: Für 2011 erwartet das Land 720.000 Business-Travel- und Mice-Besucher, das entspräche einem Plus von satten sechs Prozent. „Believe in Thailand“ – „Glaube an Thailand“ – heißt denn auch das Motto der Aufholjagd. Dabei stellt das Land besonders Kriterien wie Gastfreundschaft und Infrastruktur heraus. Fünf Städte wollen zudem mit der Initiative „chic & charming“ Luxus-Mice-Gäste gewinnen. Und schließlich unterstützt Thailand Firmen, die mit mindestens 50 Gästen für drei Nächte kommen, mit einem finanziellen Zuschuss.

Indien

Der Subkontinent setzt mehr auf den Mittelstand: „In den nächsten Jahren werden wir abseits der Hauptstadt Neu Delhi eine Reihe kleinerer Kongresszentren und nahegelegener Hotels bauen“, kündigt Devesh Chaturvedi vom Tourismusministerium an. „Denn 90 Prozent aller Meetings umfassen weniger als 1000 Teilnehmer, zudem sind die kleineren Städte sehr viel preisgünstiger als Delhi.“ Der Staat investiere daher verstärkt in die Ausbildung von Hotel- und Eventfachkräften für diese Regionen.

Jordanien

Das Land zwischen Israel und Saudi Arabien hat Großes vor: Die Küstenstadt Aqaba am Roten Meer soll bis 2015 mit drei neuen Luxushotels und dann insgesamt 10.000 Zimmern zur Hauptstadt des Business-Travel- und Mice-Verkehrs werden. Am Toten Meer hat gerade das größte Tagungszentrum King Hussein Bin Talal neu eröffnet, und der Flughafen der Kapitale Amman soll 2012 statt wie bislang 4,5 Mill. dann 9,0 Mill. Passagiere abfertigen können. „Die wenigsten Menschen wissen, dass Jordanien die weltweite Nummer 4 der Medizinindustrie ist“, sagt Mahfouz Kishek vom Tourismusministerium: „Das zieht zahlreiche Meetings ins Land.“

Kolumbien

Ein festgefahrenes Image zu verändern, das kann Jahre oder gar Jahrzehnte dauern. Kolumbien – das bedeutete vor allem Gewalt, Drogen und Entführungen. Heute zählt das Land zu den sichersten Staaten in Südamerika, und „Deutschland ist unser Wachstumsmarkt Nummer 1“, sagt Jewgeni Patrouchev vom Fremdenverkehrsamt. Das Plus 2010 betrug 60 Prozent, und bereits im ersten Quartal 2011 kamen 11.000 Deutsche. Punkten will das Land mit kleinen Boutique-Hotels und grünen Meetings.

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