Europa–Australien

Qantas setzt auf Ultra-Langstrecken

Alan Joyce, Chef der Qantas Group, Gareth Evans (Jetstar) und Andrew David, Leitung Qantas Domestic and Fracht.
Andreas W. Schulz
Alan Joyce, Chef der Qantas Group, Gareth Evans (Jetstar) und Andrew David, Leitung Qantas Domestic and Fracht.

"Sunrise" heißt das Projekt, bei dem die australische Qantars künftig mehr Nonstop-Flüge auf ihren Kontinent anbieten will. Airbus und Boeing sollen bis Ende August entsprechende Flugzeugtypen entwickeln.

Ein Sonnenaufgang hat meist etwas Vielversprechendes – so auch für den Qantas-Group Chef Alan Joyce, der mit dem Projekt „Sunrise“ den Herstellern von Airbus und Boeing vorgegeben hat, ihm ein Flugzeug für die Ultralangstrecke anzubieten. Im Blick hat er die zweistrahligen Modelle Airbus A-350 und Boeing-787, die dann ohne Zwischenlandung von London nach Sydney oder Melbourne fliegen sollen.

Auf der IATA-Jahrestagung in Seoul zeigte sich Joyce optimistisch, dass ihm bis Ende August ein entsprechendes Angebot der Hersteller vorliegen wird. Joyce ist sich bei diesem ehrgeizigen Prestigeprojekt bewusst, „die letzte Grenze der Luftfahrt“ anzugehen. „Hoffentlich können wir bis Ende des Jahres dann eine Entscheidung treffen. Wenn das Geschäftsmodell sich rechnet, machen wir eine Bestellung. Aber wenn die Hersteller Zusagen für unsere Anforderungen nicht geben können, ist das Projekt beendet“, unterstreicht Joyce eindeutig.



Wenn alles im Sinne von Qantas läuft, könnten die ersten Flugzeugauslieferungen zwischen 2022 und 2023 erfolgen. Qantas als zweitälteste Fluggesellschaft der Welt hat in ihrer Geschichte und natürlich geografischen Lage die fundiertesten Erfahrungen mit sehr langen Flugstrecken. Die vor rund einem Jahr eröffnete und sehr erfolgreiche Boeing B-787-Non-Stop-Flugverbindung von London nach Perth und dann weiter nach Melbourne unterstreicht diesen Pioniergeist.

Zone für Dehnübungen

Die neuen Ultralangstrecken etwa nach Europa erfordern eine Vielzahl von sorgfältigen Planungen, etwa bei den Besatzungen und den Zivilen Luftaufsichtsbehörden. Auch wird Qantas eine Vier-Klassen-Bestuhlung anbieten. Um besonders den Economy-Passagieren diese rund 20-stündigen Flüge erträglich zu machen, plant die Fluggesellschaft eine spezielle Zone für Dehnübungen und Flüssigkeitszufuhr.

Joyce ist sich bewusst, „dass eine volle Kapazitätsauslastung auf den Flügen nach Europe wohl nicht möglich sein wird", sagt der Manager. "Fracht geht auch nicht." Von BizTravel auf eine Wiederaufnahme der Flüge von Australien nach Frankfurt angesprochen, gibt sich Joyce durchaus zuversichtlich: „Wir haben Paris und Frankfurt durchaus im Fokus." Denkbar seien Flüge zunächst mit Priorität Paris, etwa von Perth, für den kleineren Markt Frankfurt von der Ostküste Australiens.



Für die erfolgreiche Billigflugtochter Jetstar, die auch viele Langstreckenflüge im asiatisch-pazifischen Raum anbietet, sind Ziele in Europa „keine Alternative“, sagt deutlich deren Chef Gareth Evans auf Nachfrage von BizTravel. Auch eine andere in dieser Region stark präsente und erfolgreiche Airline, Air New Zealand, hat keine Ambitionen, weitere Strecken nach Europa aufzulegen. Ihr Chef Christopher Luxon hebt auf die Frage von BizTravel hervor, „dass wir ganz zufrieden in Europa mit unserer einzigen Destination London sind und uns mit den Partnerschaften von Anschlussflügen, wie von Frankfurt, etwa über Los Angeles, gut aufgehoben fühlen“.

Damit ist Qantas die einzige Fluggesellschaft, die das Potenzial hat, mehrere Flugzeuge mit Ultralangstrecken-Qualität auf diversen Routen von der Ost- und Westküste Australiens nach Europa und den USA erfolgreich einzusetzen. Jetzt müssen „nur“ noch die Hersteller das passende leistungsfähige Flugzeug anbieten. Wie sagte doch Alan Joyce? „Es muss sich rechnen!"

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

Fachmedien und Mittelstand Digital Logo
Nutzungsbasierte Onlinewerbung
stats