Entsenderecht

EU schafft A1-Bescheinigung wieder ab

Kehrtwende der EU-Kommission: Für Dienstreisen ins Ausland muss bald kein A1-Entsendenformular mehr beantragt werden.
@imago/Winfried Rothermel
Kehrtwende der EU-Kommission: Für Dienstreisen ins Ausland muss bald kein A1-Entsendenformular mehr beantragt werden.

Bei vielen Unternehmen hat die so genannte A1-Bescheinigung für bürokratischen Aufwand gesorgt. Nun will die Europäische Union die Regeln zur Koordinierung der sozialen Sicherheit in den Mitgliedsländern vereinfachen.

Wie die EU berichtet, haben sich das Europäische Parlament, der Rat und die Europäische Kommission auf das Anstreben einer solchen Neufassung geeinigt. Mit der Einigung würden die Rechte der Bürgerinnen und Bürger, die in ein anderes EU-Land umziehen, aktualisiert und geschützt. Außerdem sehe sie eine Erleichterung der Zusammenarbeit zwischen den nationalen Behörden vor.

Die Überarbeitung  der geltenden Regeln solle sicherstellen, dass die Vorschriften fair und klar bleiben und leichter durchgesetzt werden könnten. Zu den Neuerungen zählt, dass Arbeitsuchende mehr Zeit für die Arbeitsuche im Ausland erhalten, und dass der Bedarf an Langzeitpflege für im Ausland lebende ältere Menschen thematisiert wird.

Dienstreisen ohne A1-Entsendeformular zulässig

Wichtigster Punkt für Travel Manager und Personalabteilungen ist jedoch: Für Dienstreisen ins EU-Ausland muss kein A1-Entsendeformular mehr beantragt werden. Der Kampf gegen Missbrauch und Betrug sowie die Überprüfung des Sozialversicherungsstatus von ins Ausland entsandten Arbeitnehmern lasse sich von den nationalen Behörden künftig mit effektiveren Mitteln vornehmen.

Um welche Mittel es sich dabei handelt und wann die förmliche Abschaffung von A1 vorliegt, wurde nicht mitgeteilt. Bevor es zu einem finalen Beschluss kommt, müssen EU-Parlament und EU-Rat der Einigung der Regierungschefs noch zustimmen. Das dürfte allerdings eine Formsache sein.

Beantragung von A1-Bescheinigung derzeit noch zwingend

Der Visa-Dienstleister Visumpoint empfiehlt dringend, bis auf Weiteres das geltende Recht zu beachten, also die Beantragung von A1 und Meldepflicht. Das heißt, "auf geschäftlichen Reisen innerhalb der EU und der Efta sowie in Staaten, mit denen ein Sozialversicherungsabkommen besteht, die entsprechenden Sozialversicherungsnachweise mitzuführen", so Visumpoint.

Grundsätzlich dürfte das nahende Ende von A1 die deutschen Unternehmen zwar freuen. Andererseits hätten sich manche gewünscht, A1 überhaupt gar nicht erst zur Gültigkeit gelangen zu lassen. Dann wäre Travel Managern und Personalern so mancher finanzielle und personelle Aufwand von Anfang an erspart geblieben.

Die für Beschäftigung, Soziales, Qualifikationen und Arbeitskräftemobilität zuständige Kommissarin Marianne Thyssen sagte: "Die Europäische Kommission hat große Anstrengungen unternommen, um Einzelpersonen sowie Unternehmen eine faire Mobilität zu erleichtern und gleichzeitig die Betrugsbekämpfung zu verstärken. Wir haben die Richtlinie über die Entsendung von Arbeitnehmern überarbeitet und damit den Grundsatz der gleichen Entlohnung für gleiche Arbeit am gleichen Ort umgesetzt. Unlängst haben wir auch eine Einigung über die Einrichtung einer Europäischen Arbeitsbehörde erzielt, die die wirksame Durchsetzung der Vorschriften sicherstellen soll. Mit der heutigen vorläufigen Einigung über die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit runden wir das Gesamtpaket für eine faire Arbeitskräftemobilität in Europa ab."

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Hans MEIXNER
    Erstellt 26. März 2019 10:19 | Permanent-Link

    Das ist die Krux der sinnlosen EU-Bürokratie: Unsinnige Vorschriften erarbeiten und erlassen, um sie dann wieder abzuschaffen. Reine Geld- und Arbeitszeitvernichtungsmaschinerie! Wenn wunderts, dass da die Bürger dann gegen eine solche EU sind!

  2. Rainer Maertens
    Erstellt 26. März 2019 12:18 | Permanent-Link

    Die A1 Pflicht haben viele Touristiker noch gar nicht realisiert und schon denkt man übers Abschaffen nach ;)

  3. Hans MEIXNER
    Erstellt 26. März 2019 13:08 | Permanent-Link

    Das war ja das Problem. Gerade in Frankreich waren da strikte Kontrollen und viele wussten dann gar nicht um was es da genau ging.

  4. Egon Klax
    Erstellt 26. März 2019 14:28 | Permanent-Link

    Auf welchen Quellen beruht dieser Artikel?

  5. Quelle?
    Erstellt 27. März 2019 11:10 | Permanent-Link

    Quelle?

  6. Oliver Graue
    Erstellt 27. März 2019 11:16 | Permanent-Link

    Hallo Herr Klax, es handelt sich um eine direkte Mitteilung der Europäischen Kommission in Person von Kommissarin Marianne Thyssen, zuständig für Beschäftigung, Soziales, Qualifikationen und Arbeitskräftemobilität, an die Presse.

  7. Cord Zocker
    Erstellt 1. April 2019 08:19 | Permanent-Link

    Das kann sich hier doch nur um einen April-Scherz handeln!!!

  8. Hans MEIXNER
    Erstellt 1. April 2019 09:39 | Permanent-Link

    Die ganzen EU-Kommissionen sind ein einziger Aprilscherz!

  9. Anne Kottenstedte
    Erstellt 1. April 2019 14:29 | Permanent-Link

    Da werden jetzt wieder die Interessenskonflikte in den Fokus gerückt. Die Touristiker und Spediteure haben ihre Lobbyisten ins Rennen geschickt, diesen bürokratischen Wahnsinn wieder zu stoppen... Was jettz folgt, sind die Lobbyisten der Steuerberater, inbesondere derer, die in FRANKREICH als offizieller "VERTRETER IM INLAND" zugelassen waren, die haben sich gutes Geld mit den Folgen des Entsendegesetztes verdient..... ALSO, bevor die EU (scheinbar nur der Form halber) der Wiederabschaffung zustimmen wird, kämpfen jetzt erstmal die Elefanten des Lagers, die GELD mit genau diesem Gesetz verdient haben....
    SCHADE, dass ich die Vorteile der EU immer und immer wieder nur noch vergeblich suche.....

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