Einwurf

Die Angst der Reisebüros und viele offene Fragen

Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel
FVW Medien
Oliver Graue ist Chefredakteur BizTravel

An dieser Stelle berichtet BizTravel-Chefredakteur Oliver Graue über seine Tage im Business Travel.

Noch immer steigt die Zahl der Toten in Ländern wie Italien, Spanien und in Teilen Frankreichs in einem fürchterlichen Ausmaß. Allein Italien – hier vor allem der Norden – meldet für einen einzigen Tag 800 weitere Verstorbene, in Spanien sind es 400. Und viele Menschen fragen sich: Woran liegt es, dass ausgerechnet diese beiden Staaten eine so dermaßen hohe Todesrate haben? Erklärungsversuche gibt es viele – vom besonders engen Miteinander in Großfamilien in Italien (und damit verbundener schneller Ansteckung der Alten) über den beliebten Ski-Urlaub  bis hin zur Tatsache, dass Infektionen lange nicht erkannt wurden und somit wertvolle Zeit verschenkt wurde. Auch mit diesem Thema wird sich die Wissenschaft nach dem Abebben der Krise ganz sicher beschäftigen.

Die Aufforderung "Bleibt zu Hause!" hat jeder Deutsche inzwischen sicher 100 Mal gehört - hoffentlich wird sie auch von allen befolgt. Interessant finde ich einen Aspekt, den die Weltgesundheitsorganisation WHO jetzt betonte: Ausgangssperren können zwar helfen, die Verbreitung des Virus zu stoppen. Aber der Weisheit letzter Schluss sind sie schon deshalb nicht, da nach ihrer Aufhebung die Ansteckung möglicherweise weitergeht. Am wichtigsten sei es daher, so die WHO, jeden einzelnen Infizierten zu finden und ihn bis zur vollständigen Genesung zu isolieren.

Neben der Gesundheit bleibt der wirtschaftliche Faktor einer der bestimmenden. Auch und gerade in unserer Branche: Reisebüros, Veranstalter, MICE-Agenturen, Fluggesellschaften – sie alle wissen nicht, wie sie es finanziell schaffen, die Krise zu überstehen. Abzuwarten ist, wie die neuen Programme der Bundesregierung helfen. Dabei kommen täglich weitere Probleme hinzu. So schreiben uns immer mehr Reisebüros, sie könnten ihren Kunden das Geld für stornierte Flüge nicht mehr zurückzahlen – weil die Airlines die entsprechenden Funktionen aus den Reservierungssystemen entfernt haben.

Was einerseits völlig verständlich ist, denn wenn die Airlines gar kein liquides Geld mehr haben, sieht es noch düsterer aus. Und immerhin gewähren die meisten statt der Bar-Rückerstattung Gutscheine, welche die Kunden binnen eines Jahres für Neubuchungen einsetzen können. Doch andererseits: Was sollen die Reisebüros tun, wenn die Kunden das gar nicht wollen?

"Wie steht es bei Dir ums Toilettenpapier?", fragte mich gestern ein Bekannter – sicher eher scherzhaft. Für mich kein Problem, so lange die Post noch ausgetragen wird: Ich abonniere drei Tageszeitungen. Analog lesen ist manchmal doch noch besser als digital ...
stats