Coronavirus

So erholt sich in China der Geschäftsreiseverkehr

Schanghai: Innerhalb Chinas finden wieder Geschäftsreisen statt – allerdings unter strengsten Auflagen und mit vielen Kontrollen.
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Schanghai: Innerhalb Chinas finden wieder Geschäftsreisen statt – allerdings unter strengsten Auflagen und mit vielen Kontrollen.

Ein Modell für die Nach-Corona-Zeit in Europa ist das Comeback der Dienstreisen in China aber nur bedingt – allein schon wegen der gänzlich unterschiedlichen Struktur im Airline-Markt.

Längst laufen die Fabriken wieder auf Hochtouren, touristische Orte empfangen wieder Besucher. Und dass selbst in der Acht-Millionen-Metropole Wuhan, dem Ursprungsort des Coronavirus, die Reisebeschränkungen aufgehoben sind, zeigt: In China kehrt die Normalität zurück – auch in der Geschäftsreise.

So sind Dienstreisen innerhalb des Landes längst wieder möglich – allerdings unter strikten Schutzvorkehrungen. Auch werden Überwachungs-Apps eingesetzt, um die Kontaktketten der Reisenden im Falle einer Infizierung nachvollziehen zu können.

Doch könnte die hiesige Branche von den Erfahrungen in China profitieren? Wie stellt sich die Business-Travel-Szene in China da? Was genau hat sich verändert? Welche Lehren lassen sich also ziehen? Ein Überblick.

1. Airlines: Billigpreise, neue Inlandsrouten

Kapazitäten und Passagierzahlen während der Corona-Krise sind in China nicht annähernd so stark zurückgegangen wie in Europa. Bereits Mitte Februar setzte ein erster Wiederaufschwung ein, der sich seither aber zäh weiterentwickelt. Etwa 42 Prozent der früheren Inlandsflüge sind wieder in Betrieb, Auslandsrouten hingegen sind streng gedeckelt und kaum gefragt.

Die Auslastung der Maschinen ist weiterhin gering, da die Passagierzahlen nur 30 Prozent des Vorjahresniveaus erreichen. Airlines locken Reisende nun mit Billigraten: Für die Mai-Ferien reduzierten sie ihre Ticketpreise um bis zu 90 Prozent.

Da für Sommer/Herbst ein Boom bei den Inlandsreisen erwartet wird, legen manche regionale Fluggesellschaften sogar neue Routen innerhalb Chinas auf. An Bord ist ein freier Sitz zwischen den Passagieren Pflicht, ebenso Ein-Meter-Abstände in den Vorfeldbussen. Körpertemperatur wird mehrmals gemessen.

Mit einem solchen Preis-Dumping wie in China rechnet für Deutschland und Europa praktisch kein Experte. Ganz im Gegenteil gehen die meisten davon aus, dass die Flugpreise hier zumindest mittelfristig eher steigen statt fallen werden – möglicherweise nach einer kurzen Epoche von Sonderpreisen, deren Ziel es ist, die Menschen wieder in die Maschinen zu locken. Danach aber hat die Branche mit niedrigeren Kapazitäten (viele Fluggesellschaften reduzieren ihre Flotten) und steigenden Steuern zu kämpfen.

2. Geschäftsreisen: Sicherheit und Budget

Verbote gibt es kaum noch: Dienstreisen innerhalb Chinas sind längst wieder möglich. Auch deutsche Unternehmen erlauben ihren Angestellten das Unterwegssein mit Bahn und Flieger, machen das Tragen von Masken und Schutzausrüstungen zur Pflicht.

Chinesische Geschäftsreise-Anbieter rechnen damit, dass bei den Firmen die Aspekte Sicherheit und Kosten im Fokus stehen werden. So bevorzugen Travel Manager bei der Hotelwahl einerseits die großen internationalen Ketten statt Einzelhotels (Sicherheit), buchen dort andererseits statt des gehobenen das mittlere Preissegment (Kosten). Reisende berichten zudem von vielen und intensiven Gesundheitskontrollen auf den Flughäfen, was die Wartezeiten verlängert. Für 2020 geht Ctrip Corporate Travel von mehr inländischen Geschäftsreisen aus.

3. Hotels: Viel Hygiene und günstige Raten

Mit knapp 13 Prozent erreichte die durchschnittliche Hotelbelegungsrate in China im Februar 2020 ihr Allzeit-Tief – und dennoch ein Wert, von dem deutsche Hoteliers derzeit nur träumen können. Laut Angaben des Reiseportals China Travel News ist im April die Belegung auf 23 Prozent gestiegen, wobei sich die Einnahmen pro Zimmer (RevPar) jedoch deutlich um fast 78 Prozent verschlechterten. Sprich: Die Zimmerpreise sanken deutlich, obwohl Branchenexperten gerade davor warnten.

Die Erholung bei den Buchungszahlen führen die Ketten vor allem auf Freizeitreisende zurück; die Zahl der Geschäftsreisen bleibt weiterhin niedrig. Gebucht werden Hotels, die überzeugend darstellen können, dass sie Sicherheits- und Hygiene-Regeln (Masken, Abstand, stetige Desinfizierung) einhalten und die auch während der Corona-Krise den Kontakt zu ihren Kunden gehalten haben.
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