Corona-Blog

Kein Flugzeug – nirgends

Solche Bilder sieht man derzeit nicht: Am Himmel über Europa ist es leer.
Gettyimages
Solche Bilder sieht man derzeit nicht: Am Himmel über Europa ist es leer.

So leer war es am Himmel dieser Welt selten: Immer mehr Fluggesellschaften stellen ihren Betrieb ein. Andere führen nur noch Rettungsflüge aus.

Ein Blog von Oliver Graue

Gestern war es Emirates, heute Etihad – und davor bereits viele andere wie SAS oder Czech Airlines: Eine Fluggesellschaft nach der anderen verkündet, ihren Betrieb gänzlich einzustellen. Andere Airlines halten an sogenannten Notflugplänen fest: Die drei oder vier allerwichtigsten Verbindungen werden darin aufrechterhalten, außerdem werden Rettungsflüge vorgenommen, um die letzten Urlauber nach Hause zu holen.

Ich jedenfalls habe heute Nachmittag, als ich mich für eine Pause kurz auf unseren Balkon setzte, schon fast gestaunt (und irgendwie auch gefreut), als ich ein Flugzeug am Himmel sah. Erstaunlich, wie sich die Zeiten geändert haben: Da wir nicht allzu weit vom Flughafen entfernt wohnen, sehen wir eigentlich permanent startende oder landende Maschinen – zumindest, wenn die Piloten eine bestimmte Start- bzw. Landerichtung wählen. Inzwischen aber sind die Maschinen zur Seltenheit geworden.

Tatsächlich brach im März im Vergleich zum Februar der Luftverkehr laut Eurocontrol um mehr als 50 Prozent ein. Die April-Zahlen dürften sich eher bei 90 Prozent bewegen, denn in den ersten März-Tagen und -Wochen wurde zwar weniger geflogen als sonst, aber noch nicht massiv weniger.

Und wer die Tagesvergleiche zum Vorjahr zieht, kommt für die vergangenen Tage – egal ob Lufthansa, Easyjet oder Ryanair – zu Verlusten, die sich zwischen 70 und 80 Prozent bewegen. Dabei sind viele Komplett-Einstellungen erst ab heute oder morgen geplant. Dazu gehören Etihad ebenso wie Emirates.

"Der stumme Frühling", so hieß ein Buch, mit dem die Ökologin Rachel Carson schon 1962 (!) vor Umweltvernichtung und dem Vergiften der Arten insbesondere durch Pestizide. Natürlich bleibt dieser Warnschrei weiter aktuell – spätestens nach Corona müssen wir das Thema Umwelt wieder angehen. Momentan aber scheint sich der "stumme Frühling" eher auf die Luftfahrt zu beziehen – was ich angesichts der dramatischen Situation fast genauso erschreckend finde.



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