Business-Aviation

Per Charterflug zum Sportevent

Zu Sportevents wie der Fußball-WM oder den Olympischen Spielen steigt die Nachfrage nach Business-Charter – bei Fans und Firmen.

Etwas anderes macht dem Sprecher der vier brasilianischen Fluggesellschaften (TAM, Avianca Brazil, Azul/Trip und GOL) Kopfschmerzen: „Unsere größte Herausforderung ist es, anspruchsvollen Gästen einen guten Service zu bieten“, so Sanovicz auf der jüngsten Pro Sky Aviation Conference in Köln. Viele Flughäfen sind in die Jahre gekommen und haben ihre Kapazitätsgrenzen überschritten. Den Umgang mit derart vielen und verschiedenen ausländischen Besuchern, die nach einem langen Fernflug übermüdet ankommen, sind sie kaum gewohnt. Hinzu kommt die Distanz, die Sportler und Fans zwischen den WM-Stadien zurücklegen müssen: bis zu 3800 Kilometern (von Recife nach Porto Alegre). Sanovicz: „Das entspricht der Strecke von Athen nach Reykjavi´k.“Busin

Business Aviation und Sportereignisse

Für Charteranbieter ist das eine gute Basis. „Sobald die Termine und Orte großer Sportereignisse feststehen, stellen wir einen kontinuierlich steigenden Bedarf an Charterflügen fest“, sagt Sebastian Weinhold von Air Charter Service (ACS). Carol Cork von Private Fly spricht sogar von einer „engen Verbindung zwischen Business Aviation und Sportereignissen“ – für Fußball-Finalspiele gilt das ebenso wie für Formel-1-Rennen. Doch nicht immer ist der Bedarf einfach zu befriedigen. „In Brasilien sind Flieger, die solch große Distanzen zurücklegen können, wenig verfügbar“, nennt Kathrin Schüßler von Pro Air ein Beispiel. Die Flugpreise sind hoch; Transfers und Hotels in Brasilien sind seit Langem ausgebucht. Und, so ergänzt Ishak Mutlu von Air Partner: „Auch die Nichtöffnung des Luftmarktes in Brasilien macht optimale Lösungen schwierig.“ Ausländische Fluggesellschaften dürfen nach wie vor keine Inlandsflüge vornehmen, das ist den wenigen brasilianischen Airlines vorbehalten. Manche Charteranbieter verfügen über eigene Büros in Sa~o Paulo: Pro-Sky-Chef Armin Truger lebt seit Monaten in Sa~o Paulo, um Kontakte zu Airlines und Airports zu vertiefen. Dabei geht es den Charterern längst nicht nur um eigene Flüge. „Wir verstehen uns auch als Brücke zwischen den Airlines und Airports auf der einen und den Kunden auf der anderen Seite“, sagt Truger. „Wir helfen unerfahrenen Flughäfen, für solche Passagiere Services zu schaffen, die Besonderes benötigen. Oft reicht es, bestehende Angebote mit einem einzigen neuen Element zu kombinieren: der mit Firmenlogo versehene Check-in-Schalter, Gate-to-Gate-Transfers oder das Abholen der Passagiere vom Flieger mit der Limousine.“ Für Airlines wiederum sammeln und filtern die Charteranbieter Kundenanfragen – „das erleichtert es für beide Parteien, für die Fluggesellschaften ebenso wie für die Firmenkunden“, betont Truger.

Flüge für Fanclub und DAX-Vorstand

Und: Für ihn spielt das Thema Kommunikation eine wichtige Rolle. „Nach einem Fußballspiel, bei dem 50.000 Menschen zum Flughafen strömen, darf sich der Einzelne nicht verloren fühlen, etwa wenn es zu Verspätungen kommt“, sagt der Pro-Sky-Chef: „Unsere Aufgabe ist, die Kunden an die Hand zu nehmen.“ Die Kunden: Das sind neben den Sportlern, Vereinen und Funktionären vor allem die Fans, aber auch Medien und Firmen, die entweder in das Großereignis eingebunden sind – etwa als Sponsor – oder es als Incentive nutzen. Anbieter wie ACS, Air Partner, Chapman Freeborn oder Pro Sky organisieren für sie Business-Jets ebenso wie Großraumflugzeuge. „Vor allem, wenn die Austragungsorte fernab der großen Flughäfen liegen oder die Events in der Feriensaison stattfinden, suchen wir nach geeigneten Maschinen für die Kunden“, erklärt ACS-Manager Weinhold, der solche Services auch für Fanclubs des FC Bayern München organisiert. Pro Air wiederum fliegt den Vorstand eines deutschen DAX-Unternehmens zur Winterolympiade nach Sotschi, während Air Partner dort für einen TV-Sender im Einsatz ist.

Anforderungen an Charteranbieter

„Die Organisation von Flügen zu Sportevents ist ein wichtiges Standbein für uns“, sagt auch Bettina Kaufmann, Deutschland-Chefin von Chapman Freeborn. Sowohl Sportler als auch Mannschaften, Fanclubs und Sponsoren zählten zu den Kunden. Adidas-Travel-Manager Achim Schmitz kommt es in der Zusammenarbeit mit Charteranbietern vor allem auf Sicherheit und Flexibilität an. „Gerade Großereignisse bergen so viele mögliche Änderungen in sich, häufig kommt Unerwartetes dazwischen“, so Schmitz, „da müssen schnelle und kurzfristige Lösungen her.“ Und für die Mannschaften und Athleten selbst muss die Anreise komfortabel und stressfrei ablaufen – schließlich sollen sie Hochleistungen erbringen.

Charterflüge und Sportevents: Beispiele

Wie sehr Charterflug und große Sportevents miteinander verbunden sind, belegt Carol Cork, Marketing-Chefin des Anbieters Private Fly, anhand einiger Zahlen:Freitag, 24. Mai 2013: An keinem anderen Tag im vergangenen Jahr waren so viele Charterjets unterwegs wie an diesem – nämlich mehr als 6000. Am Wochenende fanden statt: Champions-League-Finale München gegen Dortmund in London, French Open (Tennis) und Formel 1 in Monaco. „Die Private-Fly-Buchungen stiegen um 300 Prozent“, so Carol Cork.Fußball: An Spieltagen der Champions League sind weitaus mehr Charterjets in der Luft als sonst. Beim Finale in München 2012 beispielsweise landeten 121 private Flieger in der bayerischen Landeshauptstadt. Üblich sind durchschnittlich 35.Formel 1: Ebenfalls Hochzeit für Business-Jets. Zum Grand Prix in Monaco 2013 zum Beispiel landeten 110 Chartermaschinen statt wie an normalen Tagen 53.Sotschi: Zur Winterolympiade wurden pro Tag mehr als 200 Starts und Landungen privat gecharterter Jets erwartet – 70-mal mehr als üblich.USA: Noch größer als in Europa ist die Nachfrage nach Charterjets in den USA: Allein am Tag des Super Bowl, also des Football-Finales zwischen Seattle und Denver am 2. Februar 2014, landeten 1200 zusätzliche Chartermaschinen in New York.

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