Billig-Lifestyle-Airline

Air France stampft Joon wieder ein

Diese Bemalung gibt es nicht mehr lange. Air France gibt die Marke Joon wieder auf.
Joon
Diese Bemalung gibt es nicht mehr lange. Air France gibt die Marke Joon wieder auf.

Mit viel Tamtam war die Marke erst vor einem Jahr eingeführt worden: Nun gehen bei Joon schon wieder die Lichter aus. Air France gelang es nicht, Joon klar zu positionieren.

Sie sollte eine Fluggesellschaft speziell für Millennials sein – aber eigentlich doch wiederum nicht: „Die Marke war von Beginn an für Kunden, Mitarbeiter, den Markt und die Investoren nur schwer zu verstehen“, heißt es in einem Rundschreiben, in dem das Air-France-Management die Einstellung der Fluggesellschaft begründet. Auch Vorstandsvorsitzender Ben Smith soll immer wieder kritisiert haben, dass er selbst nicht verstehe, wofür Joon eigentlich stehe, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Nach nur einem Jahr erklären die Franzosen ihre neue Marke daher für gescheitert. Die mehr als 600 Joon-Mitarbeiter sollen schrittweise vom Mutterkonzern übernommen werden, heißt es in dem Schreiben.

Zunächst war Joon als Fluggesellschaft geplant worden, die sich an hippe und digital orientierte junge Berufstätige zwischen 18 und 35 Jahre richtet. Allerdings wurde diese ursprüngliche Zielgruppe später erweitert.

Joon sollte günstiger als Air France fliegen

Klar war, dass Air France mit Joon ihre Kosten senken wollte. So wurden die Stewardessen nicht nach Tarif bezahlt, sondern erhielten weniger Geld. Für die Piloten galt dies aber offenbar nicht. Joon sollte auf Strecken fliegen, auf denen Air France selbst wegen der großen Konkurrenz nicht rentabel unterwegs sein kann – weil auf diesen Verbindungen auch typische Billigflieger verkehren. Insgesamt sollte Joon wohl zwischen diesen und den klassischen Fluggesellschaften positioniert werden, was am Ende allerdings nicht gelang. Stattdessen habe Joon die Marke Air France sogar geschwächt, lautet die ernüchternde Bilanz nach einem Jahr.

Pressekonferenzen, auf denen Joon vorgestellt wurde, glichen teilweise eher einer Modenschau: Die Stewardessen waren lässig gekleidet, unter anderem mit Turnschuhen.

Ziel sind Hipster-Metropolen

Seine ersten Flüge hatte Joon im Dezember 2017 aufgenommen. Derzeit fliegt sie zu 21 Zielen in Europa, Afrika, Südamerika und der Karibik. Vor allem Hipster-Metropolen wie Berlin und Barcelona stehen auf dem Flugplan. Aber auch Istanbul, Lissabon, Neapel, Oslo, Porto und Rom werden angeflogen sowie Fortaleza, Kairo, Kapstadt, Mahé und Teheran. Im Frühjahr sollten Strecken nach Madrid, Manchester, Prag und Stockholm sowie im Mai nach Quito in Ecuador hinzukommen. Insgesamt sind 15 Maschinen im Einsatz. (OG)

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