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Airline-Pleiten von A bis Z

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Die Insolvenz der Air Berlin ist zwar die größte Airline-Pleite in Deutschland – aber nicht die einzige. 125 Fluggesellschaften mussten hierzulande bislang ihren Betrieb einstellen. BizTravel nennt die wichtigsten.

Nürnberger Flugdienst (NFD), 1974 von Hans Rudolf Wöhrl gegründet, wurde 1985 vom damaligen Verkehrsminister Dollinger (CSU) zur zweiten deutschen Linienfluggesellschaft nach Lufthansa bestimmt. 1989 übernahmen Karstadt und die britische Air Europe die NFD, die gut ein Dutzend Strecken bediente. Nach der Pleite von Air Europe fusionierte NFD mit Regionalflug Dortmund 1993 zur Eurowings. Sie gehörte Albrecht Knauf; 2011 übernahm Lufthansa sie zu 100%.

Aero Loyd, 1979 in Frankfurt gegründet, stellte nach dem Mord an ihrem Hauptgesellschafter 1980 ihren Betrieb ein. Die kurz darauf etablierte Nachfolge-Airline übernahm den Namen. Sie musste 2003 Insolvenz anmelden, nachdem die Bayerische Landesbank als größte Besitzerin (66%) ein vorgelegtes Sanierungskonzept abgelehnt hatte. Etwa 300 der 1400 Mitarbeiter wurden von der 2004 gegründeten Aero Flight übernommen, der 2005 das Geld ausging. Ein isländischer Investor übernahm die insolvente Airline und startete als XL Airways Germany. 2012 musste aber auch diese Insolvenz anmelden.

Augsburg Airways war 1981 vom Papierhersteller Haindl gegründet worden. Bereits 1997 wurde sie Mitglied im „Team Lufthansa“ und flog seit 2003 im Regionalverkehr in deren Auftrag. Zum Winter 2013 kündigte die Lufthansa den Vertrag, woraufhin Augsburg Airways ihren Betrieb einstellen musste. Die Airline hatte 460 Mitarbeiter.

Cirrus Airlines, 1995 von Gerd Brandecker in Saarbrücken gegründet, war eine der bekanntesten Regional-Airlines. Der erste Linienflug ging 1998 von Saarbrücken nach Hamburg. Es folgten etliche weitere Ziele. Am 20. Januar 2012 stellte Cirrus den Betrieb ein; am 23. Januar ging sie in Insolvenz.

OLT Express entstand als deutscher Arm des polnischen Investors Amber Gold 2011 aus der Flotte der Ostfriesische Lufttransport OLT, die sich fortan unter dem Namen OFD auf den Inselverkehr konzentrierte. Eine zunächst geplante Übernahme auch der insolventen Cirrus wurde abgesagt. Stattdessen kaufte Amber Gold die deutsche Regionalfluggesellschaft Contact Air, die 1974 gegründet worden war und bis 2012 im Auftrag der Lufthansa flog. OLT nahm 2012 unter anderem Strecken wie Hamburg–Dresden und Saarbrücken–München auf. Bereits wenige Monate später meldete die Airline Insolvenz an.

DBA war 2003 von British Airways als deutsche Billigtochter an den Textilunternehmer Hans Rudolf Wöhrl verkauft worden. Mit 27 Flugzeugen und 180 täglichen Flügen wurde sie zur drittgrößten Linienfluggesellschaft in Deutschland. 2006 verkaufte Wöhrl die DBA für 120 Mio. Euro an Air Berlin. 2007 verschwand die Marke, 2008 wurde der Flugbetrieb eingestellt. Bereits 2007 übernahm die Air Berlin auch die Düsseldorfer LTU (Luft-Transport-Unternehmen). Die 1955 gegründete LTU war 2001 in die roten Zahlen geraten. Hauptbesitzerin war die Rewe, 2006 kaufte Hans Rudolf Wöhrl kurzzeitig 60% an der Airline. Air Berlin nutzte seit 2009 die Marke LTU nicht mehr, 2011 wurde sie faktisch aufgelöst.

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European Air Express (EAE), 1999 in Mönchengladbach gegründet, verkehrte vor allem im deutschsprachigen Raum. Neue Strecken kamen 2001 nach der Übernahme der größten deutschen Regional-Airline Eurowings durch Lufthansa hinzu: Aus kartellrechtlichen Gründen musste LH sowohl Verbindungen als auch 5 Flugzeuge an EAE abgeben. Münster und Köln wurden Hauptstandorte. 2007 gab EAE auf.

German Wings hatte sich 1989 als eine der ersten privatwirtschaftlich organisierten Fluggesellschaften neben Aero Light um Linienflugrechte in Deutschland beworben. Größter Besitzer mit 45% war der Burda-Verlag. Unter dem Motto „Etwas mehr Klasse“ wollte man mehr Service als LH bieten. Lufthansa spielte ihre Macht als größte Airline jedoch aus, German Wings wurde benachteiligt und erhielt unattraktive Slots. 1990 gab die Airline auf. Lufthansa übernahm Namensrechte (Germanwings) und Flugzeugkennzeichen.

Hamburg International, 1998 als private Airline gegründet, führte vor allem Charter- und Militärflüge durch. Zu den Hauptzielgruppen gehörten aber auch Kosovo-Albaner: Viele Flüge gingen nach Pristina. 2010 kam es zur Insolvenz. Ein Teil der Konkursmasse wurde in die neue Hamburg Airways überführt. Sie flog auch Linie, etwa von Braunschweig nach Moskau und von Düsseldorf nach Kustanay. 2014 wurde der Betrieb eingestellt. Namensverwandt war die Hamburg Airlines, 1988 als Nachfolgerin der Fluggesellschaft Holiday Express durch Eugen Block gegründet. Sie flog nach Berlin, Leipzig, Sylt, Dresden, Amsterdam, London, Salzburg, Antwerpen, Göteborg und Brüssel. 1997 gab sie auf.

HLX war 2002 von der TUI als Billigfluggesellschaft gegründet worden. Fünf Jahre später musste sie jedoch aufgeben und wurde mit der Schwester Hapagfly zur neuen TUIfly verschmolzen. Aber auch diese gehört zu den Sorgenkindern des TUI-Konzerns: Zuletzt sollte sie mit Air Berlin und Niki in eine neue Holding eingebracht werden. Das scheiterte.

Intersky wurde 2001 von Renate Moser und ihrem Mann Rolf Seewald gegründet. Seewald hatte zuvor die Rheintalflug besessen, die er an Austrian verkaufte. 2005 wurde Friedrichshafen am Bodensee der Hauptsitz. Von dort wurden Berlin, Düsseldorf, Hamburg und Köln bedient. 2014 wollte Miteigentümer Wöhrl Intersky mit Cityjet fusionieren. Dies scheiterte jedoch. 2015 wurde Insolvenz eingereicht. VLM Airlines übernahm 2016 die Friedrichshafen-Strecken von Intersky, beantragte dann aber selbst Insolvenz.

Pan Am, Swissair, Sabena (Belgien) und Malev (Ungarn) gehören zu den spektakulärsten internationalen Airline-Pleiten. Mit Swissair, 1931 gegründet, brach am 2. Oktober 2001 eines der wichtigsten nationalen Symbole der Schweiz zusammen: Weil der Flugbetrieb plötzlich eingestellt wurde, strandeten weltweit Tausende Reisende. Die Crews wurden ihrer Hotels verwiesen.

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