Airline-Chefs

Frust über "CO2-Populismus"

A4E-Vertreter im Gespräch: Michael O'Leary, Thomas Reynaert, Christina Foerster und Willie Walsh (von links).
Andreas W. Schulz
A4E-Vertreter im Gespräch: Michael O'Leary, Thomas Reynaert, Christina Foerster und Willie Walsh (von links).

Auf ihrer letzten Veranstaltung vor der Sommerpause kritisierten die Mitglieder des Lobby-Verbands A4E (Airlines for Europe) massiv die "Handlungsunfähigkeit der Politiker". Diese betrieben reinen Populismus.

Willie Walsh, Chef der IAG (British Airways, Iberia, Aer Lingus, Vueling, Level), brachte es gleich auf den Punkt: "Dieser Sommer wird nicht besser als der im vergangenen Jahr." Damit meinte er die Vielzahl an Verspätungen, Streiks und Flugannullierungen 2018. Gleichzeitig stehe die gesamte Branche weiterhin in der Öffentlichkeit und der breiten Politik als einer der „Hauptverursacher“ der steigenden weltweiten CO2-Belastungen dar.

Weitere CO2-Abgaben und Steuern für die Branche, wie jüngst in Frankreich, scheinen die einzige Antwort der Politik zu sein, so Walsh. Dass dabei die Luftfahrt nur für 3 Prozent der CO2-Emissionen in der EU verantwortlich sei gegenüber 83 Prozent im Straßenverkehr, scheine für viele Politiker nebensächlich zu sein. Zu verlockend sei Populismus. Walsh kritisierte "die anhaltende Untätigkeit", CO2-Emissionen durch eine einheitliche europäische Flugkontrollzone (Single European Sky) drastisch zu reduzieren. „Das ist ein echter Skandal", sagt der Brite. "Mit einem Schlag könnten 18 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr vermieden werden, wenn endlich ein reformiertes Air Traffic Management eingeführt werden würde."

Hinzu kämen die vielen kurzfristigen Streiks bei den Flugaufsichtsbehörden, die den Airlines keine adäquate Reaktion für Gegenmaßnahmen gestatteten, „wir aber auf den Kompensationskosten sitzen bleiben und unseren Passagieren keinen kurzfristigen Ersatz stellen können“, sagt Christina Foerster, die Chefin von Brussels Airlines. Gerade die belgische Airline ist durch die Streiks arg gebeutelt und zur Kasse gebeten worden.

Die Hoffnung, dass sich in der sich neu konstituierenden EU-Kommission etwas bewegt, ist bei den Airline-Managern verhalten. Zu sehr werde die europäische Politik nach wie vor durch nationale Egoismen geprägt. Da konnte auch der auf der Veranstaltung anwesende Luftfahrt-Chef der EU-Kommission, Filip Cornelis, nur bedingt Hoffnung verbreiten. Es bleibe der Branche nichts weiter übrig, als weiterhin hart daran zu arbeiten, ihre CO2-Emissionen zu reduzieren.

Hinweise auf die bisher schon "immensen Investitionen" in neue treibstoffsparende Flugzeuge und Technologien kommen laut A4E in der Öffentlichkeit nur bedingt an. Kurios dabei sei, dass soviel geflogen werde wie noch nie, aber nur ein Prozent der Fluggäste (meist Geschäftsreisende) bereit sei, eine CO2-neutrale Klimagebühr für ihren Flug zu zahlen.

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