Abta Business Lounge

Was der Flughafen Salzburg noch alles vorhat

Janine Kranz/Salzburg Airport, Markus Grasel/abta, Bettina Ganghofer/Salzburg Airport, Bettina Wucherer/Gewerkschaft Privatangestellte und Wilfried Kropp/abta (von links)
Airport Salzburg
Janine Kranz/Salzburg Airport, Markus Grasel/abta, Bettina Ganghofer/Salzburg Airport, Bettina Wucherer/Gewerkschaft Privatangestellte und Wilfried Kropp/abta (von links)

Pistensanierung, mehr Geschäfte und Arztzentren: Österreichs zweitgrößter Airport plant eine Menge. Thema der Lounge waren aber auch die Fürsorgepflichten des Arbeitgebers bei Dienstreisen.

Erstmals hatte der österreichische Geschäftsreiseverband abta zu einer Business Travel Lounge nach Salzburg eingeladen – und etliche Mitglieder sowie Travel-Verantwortliche weiterer Firmen kamen zu dieser Premiere an den Flughafen Wolfgang Amadeus Mozart.

„Der größte Bundesländer-Flughafen Österreichs hat mit Salzburg Stadt und Land und den angrenzenden bayrischen Regionen ein Einzugsgebiet von 4,5 Mio. Menschen, ist eine sogenannte Euregio mit hoher Kaufkraft“, warb Bettina Ganghofer, seit einem Jahr Chefin des Salzburg Airport für den Flughafen. „Daher müssen wir gute Verbindungen zur richtigen Zeit sowohl für Geschäfts- wie auch für Urlaubsreisende anbieten.“

Größtes Projekt dieses Jahr werde die Sperrung des Flughafens für fünf Wochen (vom 24.4. bis 28.5. 2019) sein, wobei die alte, seit 1960 bestehende Betonpiste grundsaniert werde. „Wir haben uns für die Komplettsperre entschieden, speziell um die betroffene Bevölkerung vor lärmintensiven Bautätigkeiten in der Nacht zu schützen“, sagt Ganghofer.

Medizinische Zentren etwa für VIPs

Im Nicht-Flug-Bereich wolle man eine Infrastruktur schaffen, damit der Gast länger am Flughafen verweilt, sich hier wohlfühlt, mehr Geld ausgeben kann und somit zusätzliche Umsätze gemacht werden können. Neben mehr Geschäften denke man auch an die Einrichtung medizinischer Zentren etwa für die diskrete Behandlungen von VIPs oder auch an den Ausbau als Location für Events und Tagungen. Das erfordere große Investitionen erfordere. Die Investitionen für 2019 belaufen sich jedenfalls auf mehr als 30 Millionen Euro inklusive Pistensanierung.

Für die Zukunft allgemein am Plan stehe auch mehr Digitalisierung und Mobilität für alle Generationen sowie die Aufrechterhaltung eines ständigen Dialogs zwischen Österreich und Bayern bezüglich des Lärmschutzproblems. Ganghofer: „Die Stimmung ist derzeit sehr positiv und konstruktiv. Wir bemühen uns, eine gute Lösung für alle zu finden.“

Fürsorgepflicht als Herausforderungen für Unternehmen

Einen spannenden Vortrag zum Thema „Fürsorgepflicht der Unternehmen für ihre reisenden Mitarbeiter“ hielt Mag. Bettina Wucherer, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft für Privatangestellte Region Wien, und Rechtsexpertin in Konfliktfragen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitsgebern. „Bisher gibt es allerdings auf dem Gebiet Fürsorgepflicht noch sehr wenig Fälle zu bearbeiten. Normalerweise drehen sich unsere Beratungen um Konflikte etwa wegen Arbeitszeit oder Überstunden. Dabei ist die Haftung der Arbeitgeber in Fällen der Fürsorgepflicht sehr umfassend“, stellt Wucherer fest.

Bei der medizinischen Versorgung haben Arbeitnehmer auf einer Dienstreise einen Anspruch auf Behandlung nach westlichem Standard, inkludiert ist hier sogar ein eventuelles Besuchsrecht für Angehörige im Ausland. Wenn westlicher Standard nicht möglich ist, besteht ein Anspruch auf Krankentransport nach Österreich. „Selbst wenn jemand eine private Versicherung hat, führt das nicht zur Entlastung des Arbeitgebers“, erklärt Wucherer die Sachlage.

Fürsorgepflicht ist auch Aufklärungspflicht

Der Arbeitgeber haftet auch für eingebrachte Arbeitsmittel im Eigentum des Arbeitnehmers, beispielsweise Handy, Kamera, Reisegepäck.

Wucherer zitiert hier ein Beispiel aus der jüngsten Judikatur: Bei einem Unfall mit dem Privat-PKW eines Arbeitnehmers, an dem dieser keinerlei Schuld trägt, werde der Arbeitgeber das Auto ersetzen müssen (km-Geldzahlung reiche hier nicht).

Die Fürsorgepflicht umfasst auch eine Aufklärungspflicht, die angesichts der immer stärkeren Zunahme von Dienstreisen, auch ins Ausland, sehr wichtig und sehr streng genommen wird („der Arbeitgeber hat den Arbeitnehmer mehrmals aufmerksam zu machen“). Diese Aufklärungspflicht strahlt in verschiedene Bereiche hinein. Wucherer nennt drei Anlassfälle: Wenn spezielle Risken im jeweiligen Land bestehen (etwa bei offizieller Reisewarnung des Außenministeriums) hat der Arbeitgeber die Pflicht, auf die Gefahrengebiete aufmerksam zu machen und Aufklärung bezüglich des ortsüblichen Verhaltens zu geben.

„Ablehnen kann ein Arbeitnehmer eine Reise nur in drei Fällen: wenn ein erhöhtes Risiko für Leib und Leben besteht (Beispiel Bürgerkrieg), wenn eine bekannte Gesundheitsgefährdung vorliegt (etwa Bluthochdruck, Attest nötig), und bei Fliegen mit unsicheren Airlines“ schloss Wucherer ihren Vortrag ab. (EZ/OG)

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