Meine Woche | KW22

Zwischen IMEX und Europawahl

BizTravel

An dieser Stelle berichtet BizTravel-Chefredakteur Oliver Graue über seine Woche im Business Travel.

Dienstag, 28. Mai 2019

In den 80er- oder 90er-Jahren wies die Rubrik "Sonstige" bei den Wahlen in der Regel 0,1 bis 0,3 Prozent aus – wohlgemerkt für alle nicht im Parlament vertretenen Parteien zusammen. Am "stärksten" zeigten sich dabei fast immer DKP und NPD. Für alle anderen Gruppierungen blieben gerundet oft nur 0,0 Prozent übrig.

Bei der Europawahl am Sonntag ergab sich ein völlig anderes Bild: Insgesamt erzielten die "sonstigen" Parteien satte 12,9 Prozent. Das heißt, jeder siebte bis achte Wähler entschied sich für eine der Vereinigungen, die eigentlich kaum jemand kennt. Zu den Dinosauriern unter den "Sonstigen" zählt dabei die 1982 gegründete Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP), die allein in Bayern auf sagenhafte 3,1 Prozent kommt. Auch hier dürfte – genau wie bei den Grünen – das Thema Klimaschutz entscheidend gewesen sein, aber auch das erfolgreiche Volksbegehren der ÖDP in Bayern gegen das Bienensterben. Vergleichsweise gute Ergebnisse haben aber auch die Tierschutzpartei, die Familienpartei, die Freien Wähler, Volt und die Satirepartei "Die Partei" erzielt. Und da es bei Europawahlen keine 5-Prozent-Hürde gibt, entsenden sie alle Vertreter nach Brüssel. Für mich ist das auch ein Stück weit gelebte Demokratie, gelebter Pluralismus – und bringt Farbe ins Parlament!

Montag, 27. Mai 2019

Europa hat gewählt. Die positive Nachricht: Im Vergleich zu 2014 haben sich deutlich mehr Menschen an der Wahl beteiligt, ganz besonders in Deutschland. Negativ zu werten ist das Stimmenwachstum an den Rändern des Parteienspektrums. In Italien und Frankreich sind die Rechtsextremen zur stärksten Partei geworden, in Polen und Ungarn sowieso. Starke Rechtsaußen-Parteien entsenden zudem Österreich, Schweden und Tschechien ins EU-Parlament. In Großbritannien triumphieren die Brexit-Freunde. Deutschland hingegen erwies sich bei dieser Wahl als Europas "Öko-Nation": Nirgendwo sonst bekamen die Grünen derart viele Stimmen. Allerdings nur im Westen – in den neuen Bundesländern spielt die Partei kaum eine Rolle. Dort dominiert stattdessen die AfD. Die Traditionsparteien haben sich ebenfalls in einigen Staaten wieder etwas erholt, in Holland ebenso wie in Spanien.

Wenn es also eine Erkenntnis aus dem EU-Urnengang gibt, dann die: Politisch strebt Europa in alle möglichen Richtungen, aber in keine einheitliche. Das Parlament ist so zersplittert wie noch nie, und die Zahl der EU-Gegner hat drastisch zugenommen. Was daraus folgt – auch und gerade für unsere Branche –, wird die Zukunft zeigen. Wird es beispielsweise dem französischen Präsidenten Macron gelingen, vor diesem Hintergrund eine europaweite CO2-Steuer einzuführen, wie er dies plant? 

Zumindest innerdeutsch (in Schweden haben die Grünen trotz Greta stark verloren) wird sich der Streit um den richtigen Weg zu mehr Klimaschutz in der nächsten Zeit verschärfen. Und ebenso klar ist: Wenn die Grünen nicht kurz- bis mittelfristig liefern – sprich: Erfolge beim Klimaschutz vorweisen können –, werden sie ihre Wähler so schnell wieder verlieren, wie sie sie gewonnen haben.

Donnerstag, 23. Mai 2019

Von Rumänien direkt nach Mexiko, und von Bahrain über Monaco nach China: In den letzten zweieinhalb Tagen war ich viel unterwegs. Nein, nicht wirklich – nur virtuell, und zwar auf der weltgrößten Event-Messe IMEX in Frankfurt. Gut 30 größtenteils sehr gute Gespräche hatte ich an den Ständen dort, und es immer wieder schön, wenn man überraschend auf besonders sympathische Menschen trifft – auch bei "Terminen", die nicht vorher vereinbart waren. Und wenn die Gesprächspartner sichtbar ehrlich über die derzeitige Marktlage berichten und auf PR- und Marketing-Floskeln verzichten.

Denn so gut die Situation der MICE-Branche sich auch weiterhin darstellt: Ein Wachstum, wie es noch die vergangenen Jahre geprägt hat, wird es 2019 nicht geben. Zu viele Unsicherheitsfaktoren bestimmen die Wirtschaft, vom Brexit über mögliche Handelsbeschränkungen bis hin zu einer sich abschwächenden Konjunktur. Ziel der meisten Anbieter ist es denn auch, 2019 mit einem ganz kleinen Plus oder mindestens stabil abzuschließen.


Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

Fachmedien und Mittelstand Digital Logo
Nutzungsbasierte Onlinewerbung
stats