Bahn-Konkurrenz

Per Fernbus auf Geschäftsreise

ADAC

Seit Jahresbeginn sind bereits Dutzende neue Fernbuslinien entstanden. Zunehmend wollen die Anbieter auch Geschäftsreisende als Kunden gewinnen. Doch sind sie dafür überhaupt geeignet?

Mit ihrer Bus-Offensive sind die beiden Unternehmen fast ein wenig spät dran. Denn seit der Liberalisierung des Busverkehrs für Strecken ab 50 Kilometer zu Beginn des Jahres drängeln sich immer mehr Fernbusse auf den Straßen.

Marktöffnung ein Erfolg

Bereits vor einem halben Jahr zählte das IGES-Institut aus Berlin rund 40 Anbieter im innerdeutschen Fernbusmarkt. Mittlerweile dürfte die Marke von 50 Unternehmen geknackt sein. Fast keine Woche vergeht, in der nicht neue Strecken eröffnet werden. Allein zwischen März und August wuchs die Zahl der Fernbuslinien laut Unternehmensberatung IGES um 38 auf 159. Seit der Reform des Personenbeförderungsgesetzes herrscht geradezu eine Goldgräberstimmung – und das in einer Branche, die lange Zeit nicht unbedingt zu den expansivsten Wirtschaftszweigen gehörte. Kein Wunder, dass Wolfgang Steinbrück, Präsident des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer (BDO), mit Blick auf den Fernbusmarkt von einem „vollen Erfolg“ spricht. Die Schar der Anbieter, die sich ein Stück vom großen Fernverkehrskuchen abschneiden wollen, ist dabei bunt gemischt. Darunter sind so potente Anbieter wie die Deutsche Post und der ADAC oder auch der Discounter Aldi. Dieser kooperiert mit Univers-Busreisen und ist bislang vor allem im Südwesten der Republik unterwegs.

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Große Anbieter-Auswahl für Geschäftsreisende

Hinzu kommt etwa City2City. Das Unternehmen aus Frankfurt schickt seit April Fernbusse auf hiesige Straßen. Hinter dem Newcomer steht mit National Express der Marktführer im Busverkehr in Großbritannien. Aktuell zählt die City2City-Flotte 22 Neufahrzeuge. Die haben im vergangenen halben Jahr schon mehr als zwei Millionen Kilometer zurückgelegt. Daneben sind diverse Start-ups am Start. Zu den Bekanntesten zählt etwa Deinbus.de aus Offenbach. Das Unternehmen, eines der ersten am Start, ist bislang allein südlich der Linie Aachen–Marburg unterwegs. Im gesamten Bundesgebiet verkehrt Mein Fernbus (MFB). Das Start-up aus Berlin bezeichnet sich mit knapp 30 Linien, über 110 Zielen und bereits mehr als einer Million Fahrgästen selbstbewusst als führenden Anbieter auf dem deutschen Markt. In der Tat scheint MFB zumindest unter den neuen Anbietern derzeit die Kühlerhaube vorn zu haben. Ob das so bleibt, ist nicht sicher. Zumal auch andere Busbetreiber auf Wachstum setzen. Flixbus aus München hat sich gerade frisches Kapital und neue Investoren an Bord geholt. So sind bei dem Fernbusbetreiber Daimler Mobility Services, Holtzbrinck Ventures und der Unternehmertum-Fonds eingestiegen. Wie viel Geld die drei Investmentfirmen mitbringen, ist nicht bekannt. Doch soll nun kurzfristig der Ausbau zu einem dichten deutschlandweiten Netz erfolgen. Dabei setzt Flixbus wie ein Großteil der neuen Anbieter auf ein äußerst schlankes Geschäftsmodell. Denn in der Regel betreiben sie die Fernbusse nicht selbst, sondern kooperieren mit regionalen Busunternehmen. Flixbus und Co übernehmen lediglich das Marketing und den Vertrieb, zum Beispiel über eigene Online-Portale, aber auch über Reisebüros. Angesichts der Dynamik im Markt müssen etablierte Busbetreiber wie die Deutsche Touring oder Berlin Linien Bus aufpassen, dass sie nicht unter die Räder kommen. So hatte die Deutsche Bahn, die hinter Berlin Linien Bus steht, ursprünglich erklärt, keine allzu großen Investitionen in das eigene Busnetz zu tätigen. Nun sieht man sich doch zum Handeln gezwungen: So erhält die 65-Prozent-Beteiligung der Bahn einen neuen, einheitlichen Markenauftritt. Bis Ende des Jahres sollen alle Busse, die für Berlin Linien Bus unterwegs sind, umlackiert werden.

Fernbus als Alternative zu Bahn und PKW

Doch entscheidend im Wettbewerb ist nicht die Bus-Farbe, entscheidend ist der Preis. Er ist das schlagende Argument für den Einstieg in den Bus. Gerade preissensible Kunden will man mit Tarifen zum Teil ab fünf Euro ansprechen und in den Fernbus locken. Die niedrigen Kosten sollen die tendenziell längere Fahrtzeit im Bus im Vergleich zur Bahn oder dem Privat-PKW ausgleichen. Wie lange einzelne Anbieter diesen Preiskampf durchhalten, ist ungewiss. Der eine oder andere dürfte auf der Strecke bleiben. Auch wenn sich die Fernbusse vor allem an jüngere Reisende mit schmalem Geldbeutel und ältere Klientel mit entsprechend viel Zeit wenden, so nehmen doch auch Geschäftsreisende in den Bussen Platz. Bei City2City ist eigenen Angaben zufolge fast jeder fünfte Reisende ein Geschäftsreisender oder Pendler.

Service auf Geschäftsreise: moderne Ausstattung und kostenfreies W-LAN

Auch bei FCM Travel Solutions sind die ersten Buchungen aufgelaufen. Die Geschäftsreisekette kooperiert seit Juli mit Mein Fernbus und vermittelt deren Fahrten. Noch sei zwar kein Trend erkennbar, doch man habe das Interesse erster Unternehmen wecken können, sagt FCM- Chef Mark Tantz. Er hält den Fernbus generell für eine „preisgünstige und servicestarke Alternative zu Bahn und PKW“. Geschäftsreisende dürften in der Tat die Ausstattung der meist modernen Busse honorieren. Die Fahrzeuge bieten neben geräumigen Sitzen fast immer Steckdosen und kostenfreies W-LAN. Snacks und Getränke werden ebenfalls angeboten. Ausbaufähig ist dagegen noch die Infrastruktur. Busbahnhöfe sind für die steigenden Kapazitäten oft nicht ausgelegt. Statt an zentralen Orten halten die Busse dann an eher abgelegenen Haltestellen. Ein Mangel, den auch BDO-Präsident Steinbrück beklagt: „Ein wichtiger Schritt in die Zukunft des Fernbusmarktes sind ausreichende Haltestellen für die Busse in den Städten.“ Wünschenswert seien Haltepunkte in einem attraktiven Umfeld, das ein Mindestmaß an Komfort garantiere.

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